Sieben Proteine im Blut verraten, wie weit Alzheimer im Gehirn fortgeschritten ist

Ein neuer Alzheimer-Bluttest könnte künftig mit Hilfe von sieben Protein-Markern erkennen, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist.

Eine einfache Blutabnahme könnte beim Test auf Alzheimer künftig mehr verraten als bisher: Sieben Proteine sollen helfen, das Krankheitsstadium genauer einzuschätzen. © Pexels

Eine einfache Blutabnahme könnte beim Test auf Alzheimer künftig mehr verraten als bisher: Sieben Proteine sollen helfen, das Krankheitsstadium genauer einzuschätzen. © Pexels

Ein einzelner Blutwert erzählt offenbar nicht immer die ganze Geschichte. Ein Bluttest auf Alzheimer kann mit bestimmten Markern nicht nur die Krankheit selbst erkennen, sondern auch wie weit bestimmte Veränderungen im Gehirn bereits fortgeschritten sind. Dafür kombinierte ein schwedisches Forschungsteam nun erstmals sieben verschiedene Eiweiße für die Diagnostik. Der neue Alzheimer-Bluttest könnte damit eine Lücke schließen, die bisherige Auswertungen von Blutmarkern bislang offenließen.

Hinter der Arbeit stehen Wissenschaftler der Universität Göteborg und internationale Partner. Ihre Ergebnisse erschienen im Fachjournal JAMA Neurology. Ausgangspunkt ist ein bekanntes Problem: Bluttests mit dem Marker p-tau217 erleichtern die Alzheimer-Diagnostik bereits erheblich. Doch für die genaue Einschätzung des Krankheitsstadiums liefern sie jedoch weniger Informationen als aufwendige PET-Aufnahmen des Gehirns (Positronen-Emissions-Tomografie).

An welche Grenzen der Alzheimer-Bluttest bisher stößt

Alzheimer beginnt lange vor den ersten deutlichen Gedächtnisproblemen. Zunächst lagern sich sogenannte Amyloid-Plaques im Gehirn ab. Später entstehen krankhafte Tau-Strukturen wie das Protein p-tau217, welches als Marker für Alzheimer gilt. Diese Veränderungen schädigen Nervenzellen und können Jahre vor einer Demenz auftreten. Für Ärzte ist deshalb nicht allein wichtig, ob solche Prozesse vorhanden sind. Auch ihr Ausmaß kann für weitere Entscheidungen relevant werden.

Bisher lässt sich dieser Verlauf besonders detailliert mit speziellen PET-Untersuchungen erfassen. Dabei machen radioaktiv markierte Substanzen bestimmte Veränderungen im Gehirn sichtbar. Solche Untersuchungen sind allerdings teuer, technisch aufwendig und nicht überall verfügbar. Auch Nervenwasser, das sogenannte Liquor, wird bei Verdacht auf Alzheimer per Lumbalpunktion untersucht. Darin lassen sich typische Veränderungen von Amyloid- und Tau-Proteinen nachweisen. Doch erfordern Untersuchungen des Nervenwassers einen Eingriff. Bluttests haben deshalb einen großen Vorteil: Eine einfache Blutprobe lässt sich wesentlich leichter gewinnen.

Sieben Proteine machen den Bluttest aussagekräftiger

Das Team untersuchte deshalb, ob zusätzliche Eiweiße die Aussagekraft des einzelnen Markers p-tau217 verbessern können. Die Wissenschaftler nutzten Daten aus zwei voneinander unabhängigen internationalen Gruppen. Eine neuartige Messplattform erfasste dabei mehr als 120 Proteine aus einer einzigen Blutprobe. Darunter befanden sich Marker für Entzündungsprozesse und Veränderungen an Nervenzellen.

Anschließend werteten die Forscher die Proteinmuster mithilfe einer KI aus. „Wir haben ein Panel aus sieben Proteinen einschließlich p-tau217 identifiziert, das die Fähigkeit des Bluttests verbessern könnte, zu erkennen, wann ein Patient ein Krankheitsprofil aufweist, das einem späten Stadium entspricht“, erklärt Studienautor Guglielmo Di Molfetta, Doktorand für Neurochemie an der Universität Göteborg. Dieses Muster aus sieben Proteinen bildete fortgeschrittene Tau-Veränderungen bei Menschen mit erhöhten Amyloidwerten besser ab, als p-tau217 allein.

Therapien und Studien könnten besser auf Patienten abgestimmt werden

Wenn der Bluttest künftig präziser unterscheiden könnte, ob sich die Erkrankung in einem frühen oder bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, könnten neue Alzheimer-Therapien besser an bestimmte Patientengruppen und Krankheitsstadien angepasst werden.

Auch für klinische Studien wäre ein solcher Test interessant. Teilnehmer ließen sich so gezielt auswählen, ohne bei jedem Verdachtsfall sofort eine aufwendige Hirnuntersuchung durchführen zu müssen.

Der Ansatz verändert vor allem die Art, wie Alzheimer im Blut erfasst werden könnte. Bislang konzentrieren sich viele Tests auf einzelne Biomarker. Die neuen Ergebnisse sprechen dafür, mehrere biologische Prozesse gleichzeitig zu berücksichtigen. Ein einzelner Wert liefert möglicherweise nicht genug Informationen darüber, wie weit sich krankhafte Veränderungen bereits im Gehirn ausgebreitet haben.

Doch noch ersetzt das Proteinpanel keine etablierte Untersuchung. Die Forscher sprechen von einer möglichen Alternative zur Tau-PET für bestimmte klinische oder wissenschaftliche Anwendungen. Der Test wurde bei Menschen untersucht, bei denen bereits erhöhte Amyloidwerte vorlagen. Seine Stärke liegt daher vor allem darin, innerhalb dieser Gruppe fortgeschrittene Tau-Veränderungen besser zu erkennen. Bis ein solcher Alzheimer-Bluttest regulär eingesetzt werden kann, muss sich das Verfahren in weiteren Untersuchungen bewähren.

Kurz zusammengefasst:

  • Ein neuer Alzheimer-Bluttest kombiniert sieben Proteine, darunter den Marker p-tau217, und könnte dadurch fortgeschrittene Tau-Veränderungen im Gehirn genauer erkennen.
  • Der Ansatz könnte helfen, das Krankheitsstadium besser einzuschätzen und damit Therapieentscheidungen sowie die Auswahl für klinische Studien zu verbessern.
  • Noch ist der Test nicht für den Routineeinsatz gedacht: Die Ergebnisse stammen aus zwei internationalen Kohorten und müssen weiter bestätigt werden.

Übrigens: Eine begrenzte Zuckeraufnahme in den ersten 1000 Lebenstagen war in britischen Daten Jahrzehnte später mit einem deutlich geringeren Alzheimer-Risiko verbunden. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

What do you feel about this?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert