Jugendliche, die mehr Social Media schauen, nutzen mehr Kosmetik mit hormonell wirksamen Stoffen

Beauty-Tutorials auf Social Media gehen mit 40 Prozent mehr Kosmetik bei Jugendlichen einher – teils mit hormonell wirksamen Inhaltsstoffen.

Vor dem Spiegel wird aus einem Social-Media-Trend schnell tägliche Routine: Jugendliche mit viel Beauty-Content greifen laut Studie deutlich häufiger zu Kosmetik- und Pflegeprodukten. © Pexels

Vor dem Spiegel wird aus einem Social-Media-Trend schnell tägliche Routine: Jugendliche mit viel Beauty-Content greifen laut Studie deutlich häufiger zu Kosmetik- und Pflegeprodukten. © Pexels

Ein Beauty-Tutorial am Morgen, ein neues Serum aus einem TikTok-Clip. Später noch das Lieblingsparfüm, Make-up empfohlen von der bevorzugten „Skinfluencerin“ und noch Haarpflege dazu: Kosmetik-Marketing für Jugendliche ist längst eng mit Social Media verbunden. Influencer zeigen täglich neue Routinen, empfehlen Produkte und präsentieren eigene Marken. Viele greifen diese Empfehlungen direkt auf, Trends entstehen oft innerhalb weniger Tage.

Eine neue Untersuchung legt nun nahe, wie stark dieser digitale Einfluss mit dem tatsächlichen Produktgebrauch zusammenhängt. Teenager, die regelmäßig Haar- oder Beauty-Tutorials ansahen, verwendeten innerhalb von 24 Stunden rund 40 Prozent mehr Pflege- und Kosmetikprodukte als Gleichaltrige ohne solche Gewohnheiten.

Ein Team um Emily Barrett von der Rutgers School of Public Health befragte dafür 143 Schülerinnen und Schüler aus New Jersey. Die Jugendlichen waren im Schnitt 16,1 Jahre alt und verbrachten täglich etwa 2,6 Stunden in sozialen Medien. Besonders häufig nutzten sie Instagram und YouTube. Fast 39 Prozent folgten Influencern oder Prominenten mit eigenen Produktlinien. Knapp ein Viertel schaute regelmäßig Tutorials zu Haaren, Make-up oder Hautpflege. Die Ergebnisse der Pilotstudie mit High-School-Schülern wurde im Fachmagazin Nature veröffentlicht.

Mädchen verwenden doppelt so viele Pflegeprodukte wie Jungen

Wer Influencern mit eigenen Produktlinien folgte, nutzte im Schnitt 30 Prozent mehr solcher Produkte. Bei regelmäßigem Konsum von Beauty- oder Haar-Tutorials lag der Unterschied zu Gleichaltrigen ohne derartigen Social Media-Bezug bei 40 Prozent. Auch Jugendliche mit besonders vielen Influencer-Accounts in ihrem Feed griffen häufiger zu Pflegeprodukten. Der Zusammenhang blieb auch nach statistischer Berücksichtigung von Geschlecht, Klassenstufe, Herkunft und Bildungsstand der Eltern bestehen.

Auffällig war vor allem der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Mädchen kamen innerhalb eines Tages im Median auf 14 verschiedene Produkte. Bei Jungen waren es sieben. Häufig gehörten Hautpflege, Shampoo, Zahnpasta oder Deo dazu. 57 Prozent aller Befragten hatten zudem innerhalb der vergangenen 24 Stunden Duftprodukte wie Parfüm oder Eau de Cologne verwendet. Bei den Mädchen lag dieser Anteil sogar bei knapp 73 Prozent.

Viele Teenager kaufen Produkte direkt nach Social-Media-Posts

„Soziale Medien erwiesen sich als der interessanteste Teil unserer Ergebnisse“, sagt Studienleiterin Barrett. Besonders relevant sei der mögliche Kontakt mit problematischen Inhaltsstoffen. „Diese Untersuchung liefert einen weiteren Grund zur Sorge: Soziale Medien könnten den Gebrauch von Körperpflegeprodukten erhöhen, die häufig hormonell wirksame und möglicherweise krebserregende Chemikalien enthalten“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Wie unmittelbar Social Media und Kaufentscheidungen zusammenhängen können, wird auch an einer weiteren Zahl sichtbar. 41 Prozent der Jugendlichen hatten schon einmal ein Pflege- oder Kosmetikprodukt gekauft, nachdem sie es bei einer Person in sozialen Medien gesehen hatten. Fast 31 Prozent hatten nach einer Social-Media-Anzeige zugeschlagen. Welche Haut-, Haar- oder Kosmetikprodukte sie verwendeten, entschieden die Jugendlichen meist selbst.

Jugendliche achten nicht auf Inhaltsstoffe

Vorsicht bei Inhaltsstoffen gehörte dagegen selten zur täglichen Routine. Zwar gaben 41 Prozent an, bestimmte Chemikalien grundsätzlich vermeiden zu wollen. Doch nur 19 Prozent lasen regelmäßig die Zutatenlisten. Gerade einmal fünf Prozent nutzten häufig Apps oder Websites, um Produkte auf problematische Inhaltsstoffe zu prüfen. Jugendliche, die konsequent nach natürlichen, ungiftigen oder als umweltfreundlich gekennzeichneten Produkten suchten, verwendeten im Schnitt auch weniger Produkte.

Kosmetik kann aufgrund seiner Inhaltsstoffe problematisch sein. Viele der Produkte enthalten Phthalate, Parabene oder Phenole. Diese Stoffe stehen im Verdacht, hormonelle Signalwege zu beeinflussen. Gerade während der Pubertät verändert sich das Hormonsystem stark. Frühere Untersuchungen hatten bereits einen Zusammenhang zwischen der Zahl verwendeter Pflegeprodukte und messbaren Konzentrationen einiger dieser Stoffe im Urin gefunden. Die aktuelle Untersuchung selbst enthielt allerdings keine Urinanalysen.

Die Studie misst keine chemische Belastung, aber setzt wichtige Signale

Aus den Daten lässt sich nicht ableiten, dass soziale Medien wie TikTok, Instagram oder YouTube den höheren Produktgebrauch tatsächlich verursachen. Die Untersuchung war zu klein und erfasste die Gewohnheiten nur zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dazu kommt: Möglich ist auch der umgekehrte Zusammenhang, dass Jugendliche mit ohnehin großem Interesse an Kosmetik häufiger nach Beauty-Inhalten suchen und entsprechenden Influencern folgen. Die Autoren weisen ausdrücklich auf diese Interpretation hin.

Auch wurde die tatsächliche Belastung des Körpers mit hormonell wirksamen Chemikalien nicht gemessen. Weitere Untersuchungen sollen deshalb Produktlisten mit Urinproben verbinden. Barrett sieht darin besonders während der Pubertät Potenzial: „Jugendliche sind eine besonders interessante Gruppe, weil sie schnelle Veränderungen durchlaufen, auch in ihrem Hormonsystem.“ Bessere Entscheidungen bei Pflegeprodukten könnten ihrer Einschätzung nach helfen, die Belastung mit bestimmten Chemikalien in dieser empfindlichen Lebensphase zu verringern.

Kurz zusammengefasst:

  • Jugendliche, die Beauty- und Haar-Tutorials in sozialen Medien verfolgen, verwendeten in der Untersuchung deutlich mehr Pflege- und Kosmetikprodukte als Gleichaltrige ohne diese Gewohnheiten – bei Beauty-Tutorials lag der Unterschied bei rund 40 Prozent.
  • Mädchen nutzten im Median 14 Produkte pro Tag und damit doppelt so viele wie Jungen; zugleich lasen nur 19 Prozent regelmäßig die Listen der Inhaltsstoffe.
  • Die Studie belegt keinen ursächlichen Effekt von Social Media und maß auch keine tatsächliche Schadstoffbelastung im Körper, weshalb weitere Untersuchungen nötig sind.

Übrigens: Gerade bei Kosmetik lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe, denn neue Tests haben in handelsüblichen Pflegeprodukten bislang übersehene Substanzen mit hormoneller oder zellschädigender Wirkung aufgespürt. Besonders auffällig waren dabei Produkte für empfindliche Haut – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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