Babyboomer-Rente ist erst der Anfang – was Deutschlands Bevölkerungsentwicklung bis 2060 bevorsteht
Die Babyboomer gehen bereits in Rente – doch ab Mitte der 2030er wächst die nächste demografische Herausforderung: Immer mehr Menschen werden über 80 Jahre alt und benötigen Unterstützung.
Die Babyboomer prägen Deutschlands Altersstruktur noch über Jahrzehnte: Auf die Rentenwelle folgt ab Mitte der 2030er Jahre ein kräftiger Anstieg der Hochaltrigen – mit Folgen für Pflege, Wohnen und Versorgung. © Pexels
Deutschlands große Rentenwelle ist nur die erste Etappe eines demografischen Umbruchs, der Jahrzehnte dauern wird. Die Babyboomer haben das reguläre Rentenalter bereits erreicht: 2024 waren die ersten im Ruhestandsalter, der Höhepunkt der Verrentung wird um 2030 erwartet. Doch währenddessen baut sich bereits die nächste Herausforderung auf.
Ab Mitte der 2030er Jahre erreichen immer mehr Angehörige dieser Generation ein Alter von über 80 Jahren. Damit verschiebt sich der Druck vom Arbeitsmarkt auf Pflege, altersgerechtes Wohnen und die Versorgung vor Ort. Besonders stark könnte diese Entwicklung Regionen treffen, die heute noch vergleichsweise jung scheinen.
Eine aktuelle Analyse des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung verfolgt diese Entwicklung bis 2060. Grundlage sind Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamts und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung.
Bis 2039 erreichen demnach mehr als 13 Millionen Menschen das gesetzliche Rentenalter von 67 Jahren. Danach beginnt jedoch keine demografische Entspannung. Viele dieser Menschen rücken wenige Jahre später in Altersgruppen mit Versorgungs- und Pflegebedarf auf.
Zwischen zwischen 2035 und 2049 erreichen die Bayboomer ein hohes Alter
Die Babyboomer wurden zwischen 1955 und 1969 geboren. Der geburtenstärkste Jahrgang war 1964 mit mehr als 1,35 Millionen Geburten. 2024 kamen dagegen nur die Hälfte, rund 677.000 Kinder, zur Welt. Die große Generation wandert damit wie eine Welle durch die Altersstruktur.
Zunächst steigt die Zahl der 67- bis 79-Jährigen in der Bevölkerung. Wenn die Babyboomer zwischen 2035 und 2049 ihren 80. Geburtstag feiern, schrumpft diese Gruppe wieder. Gleichzeitig wächst aber dann auch die Zahl der Hochaltrigen.
Schon heute lässt sich abschätzen, was das für Pflege und Wohnen bedeutet. 2024 war fast jeder zweite Mensch ab 80 Jahren pflegebedürftig. Die Zahl der Hochaltrigen dürfte künftig leicht sinken. Bis 2027 rechnen die Vorausberechnungen bundesweit mit rund 260.000 Menschen weniger in dieser Altersgruppe. Doch danach dreht sich die Entwicklung. Ab Mitte der 2030er Jahre steigt die Zahl der Pflegebedürftigen kräftig. In Bayern könnte sie bis zur Mitte des Jahrhunderts knapp 40 Prozent über dem Niveau von 2024 liegen, in Baden-Württemberg fast ebenso hoch.

Aus einem bestimmten Grund trifft die Alterungswelle Regionen sehr unterschiedlich
Besonders überraschend ist die regionale Verteilung. Heute haben ostdeutsche Flächenländer den höchsten Anteil älterer Menschen. 2024 reichte der Anteil der Menschen im Ruhestandsalter von 16 Prozent in Hamburg bis 25,3 Prozent in Sachsen-Anhalt. Junge Menschen sind in vergangenen Jahrzehnten aus vielen strukturschwachen Regionen abgewandert. Wirtschaftsstarke Städte und Bundesländer zogen dagegen mehr jüngere Menschen aus dem In- und Ausland an. Dadurch blieb ihre Bevölkerung im Durchschnitt jünger.
Doch gerade dort kann die Zahl älterer Menschen künftig besonders stark wachsen. In den westdeutschen Flächenländern soll die Gruppe der über 66-Jährigen bis 2045 um rund 27 Prozent auf 16 Millionen Menschen zunehmen.
In den ostdeutschen Flächenländern wächst sie nach der Vorausberechnung nur um rund sieben Prozent auf 3,2 Millionen. Dort schrumpft allerdings die jüngere Bevölkerung immer noch stärker. Was viele westdeutsche Regionen demografisch erst noch erwartet, haben ostdeutsche Regionen in Teilen bereits erlebt“, erklärt Frederick Sixtus vom Berlin-Institut
Besonders viele Menschen hohen Alters im ländlichen Westen
Auf Kreisebene werden die Unterschiede noch größer. 2024 lag der Anteil der Menschen ab 67 Jahren in Frankfurt am Main bei 14 Prozent. Im thüringischen Suhl waren es bereits 31,2 Prozent. Für 2045 erwarten die Vorausberechnungen die höchsten Anteile in Greiz und im Altenburger Land in Thüringen sowie in Spree-Neiße in Brandenburg. Dort könnte fast jeder dritte Einwohner im Ruhestandsalter sein.
Bei den Hochaltrigen wächst dagegen vielerorts der Westen besonders schnell. Im Landkreis Bamberg könnten 2045 rund 53 Prozent mehr Menschen über 79 Jahre leben als 2022. Für Freyung-Grafenau werden gut 52 Prozent mehr erwartet, für Alzey-Worms knapp 52 Prozent.
Im ländlichen Westdeutschland steigt die Zahl der Hochaltrigen bis 2045 voraussichtlich um rund 27,5 Prozent. Der Zuwachs fällt damit fast doppelt so hoch aus wie im ländlichen Osten. Kommunen müssten deshalb Pflegeplätze, ambulante Angebote und altersgerechten Wohnraum schon lange vor dem Höhepunkt dieser Entwicklung ausbauen.
Kurz zusammengefasst:
- Die ersten Babyboomer sind bereits seit 2024 im Ruhestand; bis 2039 erreichen mehr als 13 Millionen Menschen das gesetzliche Rentenalter von 67 Jahren.
- Ab Mitte der 2030er Jahre wächst die Zahl der über 80-Jährigen deutlich, wodurch vor allem der Bedarf an Pflege, Unterstützung und altersgerechtem Wohnraum steigt.
- Der demografische Wandel verläuft regional sehr unterschiedlich: Viele ostdeutsche Regionen sind heute älter, während der Zuwachs älterer Menschen künftig in zahlreichen westdeutschen Regionen besonders stark ausfallen dürfte.
Übrigens: Der demografische Wandel verändert nicht nur Rente und Pflege, sondern auch Familien selbst – sinkende Geburtenraten lassen Verwandtschaftsnetze teils schon innerhalb weniger Jahrgänge deutlich schrumpfen. Wer künftig im Alter Hilfe braucht, kann deshalb seltener auf Kinder, Cousins oder andere Angehörige zählen. Mehr dazu in unserem Artikel.
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