Deutschland hat so wenige Geburten wie seit 1946 nicht mehr – im Osten brechen sie um ein Drittel ein

2025 kamen in Deutschland nur 654.000 Kinder zur Welt. Bis 2035 dürfte die Zahl potenzieller Mütter weiter sinken.

Noch füllen Passanten die Einkaufsstraßen. Doch die geburtenschwachen Jahrgänge werden künftig auch im Stadtbild zu spüren sein – mit weniger jungen Menschen und einer alternden Bevölkerung.

Noch füllen Passanten die Einkaufsstraßen. Doch die geburtenschwachen Jahrgänge werden künftig auch im Stadtbild zu spüren sein – mit weniger jungen Menschen und einer alternden Bevölkerung. © Pexels

In Deutschland werden immer weniger Kinder geboren. 2025 kamen nur noch 654.000 Babys zur Welt – der niedrigste Wert seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Besonders drastisch ist der Geburtenrückgang in Ostdeutschland: Dort wurden 2025 rund ein Drittel weniger Kinder geboren als noch 2015. Bei Müttern mit deutscher Staatsangehörigkeit beträgt der Rückgang sogar mehr als 40 Prozent. Damit fehlen künftig nicht nur Kinder in den Schulen, sondern auch Arbeitskräfte und Beitragszahler für die Rentenkassen.

Der Einbruch ist keine kurzfristige Entwicklung. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kamen 2016 noch 792.000 Kinder zur Welt. Neun Jahre später waren es rund 138.000 weniger. Besonders auffällig: Die Zahl der Frauen zwischen 25 und 39 Jahren ist bundesweit seit 2015 sogar leicht gestiegen. Trotzdem werden deutlich weniger Kinder geboren. Der Rückgang lässt sich also nicht allein damit erklären, dass es weniger potenzielle Mütter gibt.

Geburtenrückgang in Deutschland trifft den Osten besonders hart

In Westdeutschland und Berlin sank die Zahl der Geburten seit 2015 um sechs bis acht Prozent. In den ostdeutschen Flächenländern fiel der Rückgang wesentlich größer aus. Eine Ursache liegt in den geburtenschwachen 1990er-Jahren. Damals kamen nach der Wiedervereinigung besonders wenige Kinder zur Welt. Diese kleinen Jahrgänge erreichen inzwischen das Alter, in dem die meisten Frauen eine Familie gründen.

Allerdings erklärt das nur einen Teil des Einbruchs. Während die Zahl der 25- bis 39-jährigen Frauen im Osten um rund 16 Prozent sank, gingen die Geburten etwa doppelt so stark zurück. Auch die Entscheidung für Kinder hat sich offenbar verändert. Zwischen 2015 und 2025 entwickelten sich die Geburtenzahlen und die Zahl potenzieller Mütter zunehmend auseinander.

Frauen in Deutschland bekommen deutlich weniger Kinder

Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit sank die sogenannte zusammengefasste Geburtenziffer von 1,43 Kindern im Jahr 2015 auf 1,20 im Jahr 2025. Die Kennzahl beschreibt, wie viele Kinder eine Frau rechnerisch bekommen würde, wenn die Geburtenverhältnisse eines Jahres während ihres gesamten Lebens unverändert blieben.

So niedrig lag dieser Wert seit der Wiedervereinigung nur zwischen 1993 und 1995. Damals sorgten die wirtschaftlichen Umbrüche in Ostdeutschland für große Unsicherheit. Heute lässt sich der Rückgang nicht eindeutig auf einzelne Ursachen zurückführen. IW-Ökonom Wido Geis-Thöne verweist unter anderem auf die angespannte weltpolitische Lage. Gleichzeitig haben sich Betreuungsangebote und Möglichkeiten zum Arbeiten im Homeoffice gegenüber früher verbessert.

Zuwanderung beeinflusst die Geburtenzahlen

Auch die Zusammensetzung der Bevölkerung verändert sich. Zwischen 2015 und 2025 sank die Zahl der 25- bis 39-jährigen Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit um 6,1 Prozent. Zuwanderung glich diesen Rückgang mehr als aus. Allerdings kommen viele Frauen erst nach Deutschland, wenn sie bereits Kinder haben.

Besonders die Fluchtbewegung aus der Ukraine hat diese Entwicklung beeinflusst. Viele Frauen brachten ihre Kinder mit, während ihre Partner im Heimatland blieben. Zwischen 2021 und 2023 sank die Geburtenziffer ausländischer Frauen von 2,21 auf 1,89 Kinder je Frau. Geis-Thöne vermutet, dass die veränderte Zusammensetzung der zugewanderten Bevölkerung wesentlich dazu beigetragen hat.

In Ostdeutschland sank die Zahl der Geburten seit 2015 um fast 34 Prozent, die Zahl der Frauen zwischen 25 und 39 Jahren dagegen nur um 16,5 Prozent. © Quelle: Statistisches Bundesamt 2026, eigene Berechnungen des IW
© Quelle: Statistisches Bundesamt 2026, eigene Berechnungen des IW In Ostdeutschland sank die Zahl der Geburten seit 2015 um fast 34 Prozent, die Zahl der Frauen zwischen 25 und 39 Jahren dagegen nur um 16,5 Prozent. © Quelle: Statistisches Bundesamt 2026, eigene Berechnungen des IW

Bis 2035 dürfte die Zahl potenzieller Mütter deutlich sinken

In den kommenden zehn Jahren könnte sich die demografische Lage weiter verschärfen. Grundlage ist die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Für Frauen zwischen 25 und 39 Jahren ergeben sich folgende Entwicklungen:

  • Deutschland: Bis 2035 dürfte die Zahl der Frauen dieser Altersgruppe um 10,2 Prozent zurückgehen.
  • Ostdeutschland: Ab etwa 2030 könnten wieder etwas größere Jahrgänge ins typische Familiengründungsalter kommen.
  • Westdeutschland: Hier dürfte die Zahl potenzieller Mütter über 2035 hinaus weiter sinken.

Ökonom Geis-Thöne hält die Annahmen zur künftigen Zuwanderung sogar für möglicherweise zu optimistisch. Eine steigende Geburtenziffer könnte den erwarteten Rückgang allerdings teilweise ausgleichen. Würden Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit wieder durchschnittlich 1,32 Kinder bekommen, ließe sich der demografisch bedingte Rückgang der potenziellen Mütter rechnerisch ungefähr kompensieren.

Weniger Geburten belasten langfristig die Rentenkassen

Für den Arbeitsmarkt und die Sozialversicherungen hat die Entwicklung langfristige Folgen. Kleinere Geburtsjahrgänge bedeuten künftig weniger Menschen im Erwerbsalter. Damit fehlen potenzielle Fachkräfte und Beitragszahler für die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Die Auswirkungen werden erst in den kommenden Jahrzehnten vollständig spürbar.

„Niedrige Geburtenzahlen verkleinern langfristig das Arbeitskräfteangebot und stellen so auch die Finanzierung des Sozialversicherungssystems in Frage“, warnt der IW-Experte. Er fordert verlässliche Kinderbetreuung und mehr Planungssicherheit für Familien. Kürzungen bei Leistungen wie dem Elterngeld hält er für das falsche Signal. Viele staatliche Ausgaben für Familien seien langfristige Investitionen, deren Nutzen sich erst nach Jahren bemerkbar mache.

Kurz zusammengefasst:

  • Historischer Geburtenrückgang: 2025 kamen in Deutschland nur 654.000 Kinder zur Welt – so wenige wie seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr.
  • Ostdeutschland besonders betroffen: Seit 2015 sank die Zahl der Geburten dort um rund ein Drittel, weil es weniger Frauen im Familiengründungsalter gibt und zugleich die Geburtenhäufigkeit zurückging.
  • Langfristige Folgen: Bis 2035 könnte die Zahl der 25- bis 39-jährigen Frauen bundesweit um 10,2 Prozent sinken, was den Fachkräftemangel und die Finanzierung der Sozialversicherungen zusätzlich belasten könnte.

Übrigens: Viele junge Menschen wünschen sich Kinder, doch hohe Wohnkosten, unsichere Jobs und fehlende Betreuung erschweren die Familiengründung. Warum der Kinderwunsch häufig an den Lebensumständen scheitert, erklärt unser Artikel „Kinder ja – aber wie?“.

Bild: © Pexels

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