E-Zigarette belohnt Nutzer mit Krypto fürs Dampfen – Forscher warnen vor neuer Suchtfalle durch Smart Vapes
Apps, Punkte und Krypto können Smart Vapes für Jugendliche besonders attraktiv machen. Forscher warnen vor zusätzlichen Anreizen zum Nikotinkonsum.
Smart Vapes verbinden Nikotin mit Apps, Punkten und Krypto-Belohnungen. Forscher warnen, dass daraus ein zusätzlicher Anreiz zum Weiterdampfen entstehen kann. © Pexels
Nikotin belohnt das Gehirn ohnehin. Neue Smart Vapes legen nun noch eine zweite Belohnung drauf: Punkte, Gratis-Nachfüllungen und sogar Kryptowährung. Wer dampft, kann damit zusätzliche Prämien sammeln. Aus Vape und Kryptowährung wird so ein System, das den Konsum zusätzlich attraktiv machen kann.
Forscher der Medical University of South Carolina (MUSC) halten diese Verbindung für riskant. Im New England Journal of Medicine (NEJM) beschreiben sie Produkte, die Suchtmittel mit Apps, spielerischen Elementen und finanziellen Anreizen verknüpfen. Einen Nachweis dafür, dass solche Geräte tatsächlich stärker abhängig machen, liefert die Veröffentlichung nicht. Die Sorge der Wissenschaftler richtet sich auf den Mechanismus: Nikotin aktiviert bereits das Belohnungssystem im Gehirn – digitale Prämien können einen weiteren Anreiz schaffen.
Smart Vapes belohnen das Dampfen zusätzlich
Eines der beschriebenen Produkte heißt Puffpaw. Die Nikotin-E-Zigarette verbindet sich mit einer Smartphone-App und erfasst das Nutzungsverhalten. Gleichzeitig wird Puffpaw als Hilfsmittel für Menschen vermarktet, die ihren Nikotinkonsum reduzieren oder mit dem Dampfen aufhören wollen.
Die Marke ist nach eigenen Angaben inzwischen in mehr als 40 Ländern verfügbar. Konkret genannt werden unter anderem Südkorea, Japan, Frankreich und Italien. Für einen regulären Verkauf in Deutschland gibt es bislang keinen belastbaren Hinweis.
Amanda Palmer vom Hollings Cancer Center sieht in dem System einen Widerspruch. „Was wirklich hervorstach, war, dass diese Produkte Menschen dafür belohnen, ein Verhalten auszuüben, das bereits selbst belohnend ist“, sagt die Erstautorin. In der Suchtbehandlung werden Belohnungen dagegen häufig eingesetzt, um Abstand vom Konsum zu schaffen.
Das zweite von den Forschern beschriebene Produkt heißt Gudtrip und richtet sich an Cannabis-Nutzer. Laut MUSC verbindet es eine App mit künstlicher Intelligenz, Kryptowährung und spielerischen Funktionen. Solche Geräte ähneln damit zunehmend digitalen Plattformen, die Nutzungsverhalten erfassen und mit weiteren Anreizen verbinden.
Vape und Kryptowährung verknüpfen Konsum mit Prämien
Beim Dampfen können einzelne Züge über den ganzen Tag verteilt werden. Anders als bei einer Zigarette gibt es keinen festen Anfang und kein klares Ende. Ein Zug zwischendurch genügt. Dadurch kann sich der Konsum leicht mit alltäglichen Situationen verbinden.
Bei Smart Vapes kommen weitere Anreize hinzu. Je nach System können Nutzer für ihre Aktivität unter anderem erhalten:
- digitale Punkte,
- Kryptowährung oder andere digitale Werte,
- Nachfüllkartuschen oder vergleichbare Prämien.
„Es gibt keinen Anreiz dafür, das Gerät nicht zu benutzen“, sagt Palmer. Besonders kritisch sieht sie Systeme, bei denen sich gesammelte Belohnungen wieder für Nachfüllprodukte einsetzen lassen. Die Nutzung kann dadurch neue Nutzungsmöglichkeiten finanzieren.
Das Grundprinzip ist älter als die Technik. Tabakkonzerne setzten schon früher auf Prämienprogramme wie Camel Cash oder Marlboro Miles. Käufer sammelten Gutscheine und tauschten sie gegen Waren ein. Smart Vapes übertragen dieses Modell auf Apps, automatische Datenerfassung und digitale Belohnungen.
Junge Nutzer könnten besonders empfänglich sein
Tracy Smith, Suchtforscherin am Hollings Cancer Center, sieht die Kombination mit Nikotin kritisch. „Nikotin macht abhängig, und die Vorstellung, den Nikotinkonsum finanziell zu belohnen, ist wirklich beängstigend“, sagt sie.
Auch die Aufmachung unterscheidet sich von klassischen E-Zigaretten. Apps, künstliche Intelligenz, Punkte und Kryptowährungen erinnern eher an Spiele oder Technikprodukte. Die Wissenschaftler befürchten deshalb, dass solche Funktionen besonders Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen könnten.
Smiths Kollege Benjamin Toll verweist vor allem auf Gudtrip. Das Cannabis-Produkt werde mit künstlicher Intelligenz und Kryptowährung verknüpft. Solche Elemente seien für jüngere Nutzer besonders attraktiv, so Toll.
Finanzielle Anreize könnten zudem Menschen ansprechen, die wenig Geld zur Verfügung haben. Auch bei Personen mit Suchterkrankungen sehen die Forscher ein Problem. In anerkannten Behandlungsprogrammen können Prämien helfen, Abstinenz oder gesundes Verhalten zu fördern. Bei Vape-to-Earn-Systemen ist dagegen der Konsum selbst mit einer Gegenleistung verbunden.
Tausende Vapes sind in den USA nicht autorisiert
Für Nikotin-E-Zigaretten gelten in den USA Vorgaben der Arzneimittelbehörde FDA. Hersteller müssen nachweisen, dass ein Produkt unter den geltenden Maßstäben zum Schutz der öffentlichen Gesundheit für den Markt geeignet ist. Die beschriebenen Smart Vapes besitzen laut MUSC keine entsprechende FDA-Autorisierung.
Trotzdem sind zahlreiche nicht autorisierte Produkte erhältlich. „Die FDA hat ein Durchsetzungsproblem, weil Tausende nicht zugelassene Vaping-Produkte den Markt überschwemmen“, erklärt Smith. Gegen einzelne Unternehmen könne die Behörde vorgehen. Die große Zahl der Produkte erschwere jedoch eine breite Kontrolle.
Auch in Deutschland gelten für E-Zigaretten strenge Regeln. Unter anderem darf die Verpackung nicht den Eindruck vermitteln, Käufer könnten durch das Produkt einen wirtschaftlichen Vorteil erhalten. Ob ein über eine App laufendes Krypto-Belohnungssystem darunter fällt, ist damit allerdings nicht automatisch geklärt.
Für Cannabis existiert in den USA keine vergleichbare bundesweite Aufsicht. Die Regeln unterscheiden sich zwischen den Bundesstaaten und betreffen häufig vor allem Herstellung und Verkauf. Funktionen wie Belohnungssysteme, Apps oder Kryptowährungen fallen dadurch in einen weniger klar geregelten Bereich.
Smart Vapes sammeln Daten über ihre Nutzer
Die Verbindung mit dem Smartphone bringt noch einen weiteren Punkt hinzu. Vernetzte Geräte können detaillierte Informationen über das Nutzungsverhalten erfassen. Laut Palmer ist bislang unklar, wie diese Daten gespeichert, ausgewertet oder möglicherweise weitergegeben werden.
Die Autoren wenden sich nicht grundsätzlich gegen E-Zigaretten oder technische Hilfen beim Rauchstopp. E-Zigaretten setzen Nutzer im Vergleich zu verbrannten Zigaretten weniger schädlichen Chemikalien aus. Auch beim Cannabis kann Verdampfen die Belastung durch Verbrennungsprodukte gegenüber dem Rauchen verringern.
Kritisch sehen die Wissenschaftler die Richtung der Belohnung. Finanzielle Anreize können beim Aufhören helfen, wenn Abstinenz oder gesundes Verhalten honoriert werden. Bei Smart Vapes können dagegen Konsum und Prämie unmittelbar miteinander verbunden sein.
„Wir versuchen, einem möglichen viel größeren Problem zuvorzukommen“, sagt Palmer. Die Produkte sind bislang neu und wenig verbreitet. Die Forscher fordern deshalb, Vape-to-Earn-Systeme früh regulatorisch zu prüfen, bevor solche Funktionen auf dem Markt häufiger werden.
Kurz zusammengefasst:
- Smart Vapes können Dampfen mit Punkten, Nachfüllungen oder Kryptowährung belohnen und dadurch zusätzliche Anreize für den Konsum schaffen.
- Forscher der Medical University of South Carolina warnen, dass solche Systeme besonders problematisch sein könnten, weil Nikotin selbst bereits das Belohnungssystem anspricht.
- Puffpaw ist in mehreren Ländern erhältlich, in Deutschland aber offenbar nicht regulär; zugleich gelten hier strenge Regeln für E-Zigaretten und deren Vermarktung.
Übrigens: Während neue Smart Vapes mit Punkten und Krypto zusätzliche Anreize schaffen, greifen laut Charité schon Kinder in der fünften Klasse zu E-Zigaretten. Süße Aromen und bunte Geräte senken dabei offenbar die Hemmschwelle – mehr dazu in unserem Artikel.
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