Tankstelle im All: China soll erstmals Satelliten im hohen Orbit betankt haben
China meldet die erste Betankung eines BeiDou-Satelliten im hohen Orbit – wichtige Details zur Tankstelle im All fehlen.
Satelliten könnten künftig direkt im Orbit neuen Treibstoff erhalten. (Symbolbild) © Unsplash
Navigationssatelliten kosten Hunderte Millionen, manche sogar deutlich mehr – und trotzdem kann am Ende ein vergleichsweise banales Problem über ihre Lebensdauer entscheiden: der Treibstoff. Ist er aufgebraucht, lässt sich die Umlaufbahn nicht mehr zuverlässig korrigieren, obwohl Elektronik, Solarmodule und Funktechnik noch funktionieren können.
China will diese Grenze nun verschoben haben. Chinesische Wissenschaftler berichten davon, erstmals einen hoch fliegenden Satelliten des Navigationssystems BeiDou direkt im Orbit betankt zu haben. Ein zweites Raumfahrzeug soll Treibstoff gebracht und übertragen haben – eine Tankstelle im All, die Satelliten künftig deutlich länger nutzbar machen könnte.
Der Vorgang wäre technisch bemerkenswert, ist aber noch nicht unabhängig bestätigt. Die Arbeit von Wissenschaftlern des staatlichen Deep Space Exploration Laboratory befindet sich laut der South China Morning Post derzeit im Peer Review für das Journal of Deep Space Exploration. Die Forscher sprechen von einem bei Raumtemperatur lagerfähigen Treibstoff, nennen bislang jedoch weder dessen Zusammensetzung noch zentrale technische Details des Tankvorgangs.
Satelliten im Orbit betanken ist technisch anspruchsvoll
Ein Satellit lässt sich nicht einfach wie ein Auto auftanken. Beide Raumfahrzeuge bewegen sich mit hoher Geschwindigkeit um die Erde und müssen sich zunächst kontrolliert annähern. Danach beginnt der schwierigste Teil: der eigentliche Transfer des Treibstoffs. Dabei müssen mehrere Schritte zuverlässig funktionieren:
- Die Raumfahrzeuge müssen ihre Bewegungen präzise aufeinander abstimmen und sich verbinden.
- Der Treibstoff muss ohne Schwerkraft kontrolliert vom Versorgungsfahrzeug in den Satelliten gelangen.
- Ventile, Leitungen und Anschlüsse dürfen während des Transfers keinen Treibstoff verlieren.
- Anschließend müssen sich beide Raumfahrzeuge wieder sicher voneinander lösen.
Die chinesischen Wissenschaftler sprechen bei der nun beschriebenen Operation von einem bei Raumtemperatur lagerfähigen Treibstoff. Wie viel davon übertragen wurde und welche chemische Mischung zum Einsatz kam, ist bislang nicht öffentlich bekannt.
Gerade bei Navigationssatelliten ist zusätzlicher Treibstoff wertvoll. Ist ein Satellit technisch verschlissen oder reicht sein Treibstoff nicht mehr für sichere Bahnkorrekturen, wird er ausgemustert. Je nach Umlaufbahn wird der Satelliten-Schrott anschließend kontrolliert zum Verglühen in die Atmosphäre gebracht oder in einen sogenannten Friedhofsorbit verschoben, damit er aktive Satelliten nicht gefährdet.
Navigationssatelliten müssen ihre Position über Jahre hinweg innerhalb enger Grenzen halten, damit ihre Zeit- und Positionssignale zuverlässig bleiben. Dafür benötigen sie Treibstoff für Bahn- und Lagekorrekturen. Eine erfolgreiche Betankung könnte ihre Einsatzdauer verlängern und dazu beitragen, Ersatzstarts später nötig zu machen.
Shijian-25 sollte Satelliten schon 2025 betanken
Dass China eine solche Technik erprobt, zeichnete sich bereits Anfang 2025 ab. Im Januar startete der Experimentalsatellit Shijian-25. Als Missionsziel nannten chinesische Behörden unter anderem die Betankung von Raumfahrzeugen und die Verlängerung ihrer Einsatzdauer.
Wenige Monate später folgten ungewöhnliche Manöver. Im Juli 2025 beobachtete das US-Unternehmen COMSPOC Shijian-25 und Shijian-21 in geostationärer Höhe. Zeitweise lagen beide Objekte aus Sicht optischer Sensoren so dicht beieinander, dass sie kaum noch voneinander zu unterscheiden waren.
Die South China Morning Post wertete die Beobachtungen als Hinweis auf ein mögliches Andockmanöver. Ob dabei bereits Treibstoff floss, ließ sich von der Erde aus jedoch nicht feststellen.
Auch Anfang 2026 wurden erneut enge Annäherungen der beiden Satelliten beobachtet. Bahndaten zeigen, wie sich Raumfahrzeuge bewegen. Was während eines Kontakts tatsächlich zwischen ihnen geschieht, lässt sich daraus jedoch nicht ablesen.
Flüssiger Wasserstoff wäre eine noch größere Herausforderung
Mit lagerfähigem Treibstoff ist das technische Problem noch vergleichsweise überschaubar. Deutlich schwieriger wird es bei kryogenen Treibstoffen, die etwa für leistungsstarke Raketenstufen oder künftige Missionen weit über die Erde hinaus interessant sind.
Solche Treibstoffe müssen extrem kalt bleiben. Flüssiger Wasserstoff siedet beispielsweise schon bei etwa minus 253 Grad Celsius. Dringt Wärme in den Tank ein, beginnt ein Teil des Treibstoffs zu verdampfen. Gleichzeitig sammelt sich Flüssigkeit in der Schwerelosigkeit nicht einfach am Boden eines Tanks.
Ein Betankungssystem muss deshalb Temperatur, Druck und Flüssigkeitsbewegung gleichzeitig beherrschen. Pumpen müssen Treibstoff aufnehmen können, obwohl sich nicht ohne Weiteres bestimmen lässt, wo er sich im Tank befindet.
Die chinesischen Wissenschaftler nennen den Transfer solcher extrem kalten Treibstoffe als eine der nächsten großen Aufgaben. Gelingt auch dieser Schritt, wäre Betankung im All nicht mehr nur für Satelliten interessant. Sie könnte langfristig auch Raumfahrzeuge versorgen, die zum Mond oder weiter ins Sonnensystem fliegen.
Kurz zusammengefasst:
- China berichtet erstmals von der Betankung eines hoch fliegenden BeiDou-Satelliten im Orbit; die zugrunde liegende Arbeit befindet sich noch im Peer Review und wichtige technische Details sind bislang nicht öffentlich.
- Eine solche Betankung könnte die Lebensdauer von Satelliten verlängern, weil Treibstoff oft früher knapp wird als Elektronik, Solarmodule oder Kommunikationstechnik ausfallen.
- Der nächste große Schritt wäre der Transfer kryogener Treibstoffe, die extrem kalt gelagert werden müssen und für künftige Missionen zum Mond oder weiter ins Sonnensystem besonders wichtig sein könnten.
Übrigens: Mehr Sonnenaktivität lässt nicht nur Weltraumschrott schneller absinken, sondern zwingt auch aktive Satelliten zu zusätzlichen Bahnkorrekturen. Das kostet Treibstoff und kann ihre Einsatzdauer verkürzen – mehr dazu in unserem Artikel.
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