Gaming-Sucht kann teuer werden: Fast 8 von 10 Risikospielern berichten von Geldproblemen
Gaming-Sucht trifft auch das Konto: Fast acht von zehn Risikospielern berichten von finanziellen Belastungen durch ihr Spielverhalten.
In der höheren Risikogruppe berichteten 77,8 Prozent von finanziellen Folgen durch Gaming – bis hin zu Schulden und offenen Rechnungen. © Unsplash
Gaming kostet längst nicht mehr nur beim Kauf eines Spiels Geld. Mikrotransaktionen, sogenannte Lootboxen und andere In-Game-Käufe können sich über Wochen oder Monate summieren – und bei manchen Spielern bis zu Schulden, offenen Rechnungen oder Problemen mit alltäglichen Ausgaben führen. Besonders häufig betrifft das Menschen mit erhöhtem Risiko für eine Gaming-Sucht. Fast acht von zehn Teilnehmern dieser Gruppe berichteten von finanziellen Belastungen durch ihr Spielverhalten.
Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie unter Leitung von Forschern der University of Queensland. Dafür wurden Daten der International Gaming Study 2024 ausgewertet, für die 1.522 erwachsene Gamer aus Australien, China, Indonesien, den Niederlanden und den USA befragt wurden. Alle Teilnehmer waren zwischen 18 und 59 Jahre alt und spielten mindestens drei Stunden pro Woche. Das Risiko für eine Gaming-Störung erfassten die Forscher mit einem standardisierten Screening-Test. Eine klinische Diagnose war damit nicht verbunden.
Bei Gaming-Sucht geraten Ausgaben besonders häufig außer Kontrolle
In dieser höheren Risikogruppe gaben 80,2 Prozent an, mehr Geld für Gaming ausgegeben zu haben, als sie selbst für angemessen hielten. 77,8 Prozent berichteten bereits von finanziellen Folgen. In der Gruppe mit niedrigerem Risiko lagen die Werte deutlich darunter, aber keineswegs niedrig: 42,6 Prozent nannten überhöhte Ausgaben, 30,6 Prozent finanzielle Belastungen.
Dabei ging es nicht bloß darum, nachträglich einen Kauf im Spiel zu bereuen. Als finanzielle Belastung zählten mehrere konkrete Folgen:
- wichtige Zahlungen wurden zugunsten von Gaming zurückgestellt,
- Rechnungen blieben offen oder Geld musste geliehen werden,
- Betroffene nahmen zusätzliche Arbeit an,
- in schweren Fällen fehlte Geld für notwendige Ausgaben oder Besitz musste verkauft werden.
Gaming-Sucht hängt stark mit finanziellen Problemen zusammen
Auch nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Land, Bildung, Partnerschaft, Kindern sowie Arbeits- und Studienstatus blieb der Zusammenhang deutlich. Menschen aus der höheren Risikogruppe hatten eine 5,36-mal höhere Chance, übermäßige Gaming-Ausgaben zu berichten. Bei finanziellen Schäden lag dieser Wert 7,76-mal höher. Die Forscher sprechen deshalb von „materiellen finanziellen Schäden zusätzlich zu psychosozialen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen“.
Auffällig sind auch die Unterschiede zwischen den Ländern. In China berichteten 63,3 Prozent über Overspending, in Indonesien 59,2 Prozent. Australien und die Niederlande lagen jeweils bei 37,4 Prozent. Bei finanziellen Belastungen kam Indonesien auf 49,5 Prozent, China auf 41,4 Prozent. Die Forscher halten wirtschaftliche Unterschiede und verschiedene Bezahlmodelle für mögliche Erklärungen. Auch kulturelle Unterschiede bei der Einschätzung von „zu viel“ oder „finanzieller Belastung“ könnten eine Rolle spielen.
Jüngere Erwachsene geraten häufiger finanziell unter Druck
Das Alter verändert das Risiko ebenfalls. Von den 18- bis 25-Jährigen berichteten 51,7 Prozent über zu hohe Gaming-Ausgaben, bei den 26- bis 40-Jährigen waren es 56,3 Prozent. In der Gruppe von 41 bis 59 Jahren sank der Anteil auf 36,5 Prozent. Finanzielle Belastungen meldeten 44,6 Prozent der Jüngsten und 43,8 Prozent der 26- bis 40-Jährigen, aber nur 25,8 Prozent der älteren Teilnehmer.
Männer berichteten häufiger als Frauen, zu viel Geld für Gaming ausgegeben zu haben: 53,3 gegenüber 43,9 Prozent. Bei den tatsächlichen finanziellen Belastungen unterschieden sich die Geschlechter dagegen kaum. Dort lagen die Werte bei 38,6 und 37,9 Prozent. Die Untersuchung erfasste allerdings weder Einkommen noch konkrete Ausgaben in Euro. Auch Jugendliche unter 18 Jahren und Menschen ab 60 Jahren gehörten nicht zur Stichprobe.
Die Untersuchung kann keine Ursache beweisen
Weil es sich um eine Querschnittsstudie handelt, lässt sich aus den Daten nicht ableiten, ob problematisches Gaming die finanziellen Schwierigkeiten verursacht. Ebenso offen bleibt, welche Spiele oder Bezahlmodelle besonders häufig mit Geldproblemen zusammenhängen. Die Forscher erfassten weder Genres noch konkrete Titel. Zudem beruhen Overspending und finanzielle Belastungen auf Selbstauskünften.
Viele heutige Spiele verdienen dauerhaft an kleinen Käufen innerhalb des Spiels. Damit wächst auch das Risiko, dass sich solche Ausgaben summieren und finanziell belasten. In bisherigen Untersuchungen zu Gaming-Störungen spielte dieser Aspekt jedoch oft nur eine Nebenrolle: Von 32 untersuchten Messverfahren enthielten lediglich fünf Fragen zu Schulden oder übermäßigen Ausgaben. Die aktuelle Arbeit spricht deshalb dafür, finanzielle Folgen stärker zu berücksichtigen, wenn problematisches Gaming untersucht wird.
Kurz zusammengefasst:
- Menschen mit erhöhtem Risiko für eine Gaming-Störung berichteten besonders häufig über übermäßige Ausgaben und finanzielle Belastungen.
- Auch in der niedrigeren Risikogruppe traten Geldprobleme auf; rund 31 Prozent meldeten finanzielle Folgen.
- Die Daten belegen einen starken Zusammenhang, aber nicht, dass eine Gaming-Sucht die finanziellen Probleme verursacht.
Übrigens: Während Gaming für manche finanziell zum Problem wird, versuchen andere, mit Videospielen sogar ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wie realistisch eine Karriere als Gaming-Influencer ist und warum Reichweite allein nicht reicht, zeigt ein anderes Beispiel. Mehr dazu in unserem Artikel.
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