Jeder Zweite hält ohne Einkommen höchstens drei Monate durch – 22 Prozent nicht einmal vier Wochen

Eine neue Umfrage zeigt, wie knapp die Rücklagen bei Einkommensausfall sind. Besonders junge Erwachsene und Familien sind betroffen.

Für viele Haushalte ist das finanzielle Polster dünn: Jeder Zweite könnte ohne Einkommen höchstens drei Monate seine Rechnungen bezahlen. © Pexels

Für viele Haushalte ist das finanzielle Polster dünn: Jeder Zweite könnte ohne Einkommen höchstens drei Monate seine Rechnungen bezahlen. © Pexels

Finanzielle Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass jeden Monat ausreichend Geld eingeht. Sie entsteht erst, wenn ein Haushalt auch dann seine Rechnungen bezahlen kann, wenn die Einnahmen ausbleiben. Doch diese Sicherheit fehlt vielen Menschen in Deutschland. 51 Prozent der Erwachsenen ohne Rentnerstatus könnten ihren Lebensunterhalt bei einem vollständigen Einkommensausfall höchstens drei Monate finanzieren. Bei 22 Prozent wären die Rücklagen bereits nach weniger als vier Wochen erschöpft.

Wie abhängig viele Haushalte von ihrem nächsten Gehalt sind, zeigt eine neue Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Debeka. Nur 23 Prozent könnten ihre laufenden Ausgaben länger als sechs Monate aus eigenen Reserven bestreiten. Dabei muss das Einkommen nicht einmal vollständig wegbrechen, um finanzielle Engpässe auszulösen: Schon eine unerwartete Rechnung über 3.000 Euro würde 37 Prozent der Befragten in Schwierigkeiten bringen. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 63 Prozent.

Rücklagen bei Einkommensausfall: Frauen häufiger betroffen

Fast doppelt so viele Frauen wie Männer geben an, dass ihr Haushalt bei einem vollständigen Einkommensausfall weniger als einen Monat über die Runden käme. Konkrete Prozentwerte für beide Gruppen nennt die Debeka nicht.

Aus den Befragungsergebnissen ergibt sich folgende Verteilung der finanziellen Reserven:

  • 22 Prozent: Rücklagen für weniger als einen Monat.
  • 29 Prozent: Rücklagen für einen bis höchstens drei Monate.
  • 26 Prozent: Rücklagen für mehr als drei bis höchstens sechs Monate.
  • 23 Prozent: Rücklagen für mehr als sechs Monate.

Entscheidend ist, wie lange die Befragten sämtliche laufenden Haushaltsausgaben ohne regelmäßige Einnahmen decken könnten. Die Höhe des persönlichen Einkommens allein sagt darüber wenig aus.

Unerwartete Ausgaben treffen Familien besonders häufig

Auch Haushalte mit Kindern haben häufiger finanzielle Schwierigkeiten. 46 Prozent könnten eine unerwartete Rechnung über 3.000 Euro nicht kurzfristig bezahlen, ohne in Schwierigkeiten zu geraten. Bei Haushalten ohne Kinder liegt dieser Anteil bei 34 Prozent.

Der Unterschied beträgt zwölf Prozentpunkte. Welche Rolle Einkommen, Haushaltsgröße oder regelmäßige Ausgaben dabei spielen, geht aus den veröffentlichten Ergebnissen nicht hervor.

Fast jeder Dritte kann unerwartete Ausgaben nicht bezahlen

Die Ergebnisse passen zu einer unabhängig erhobenen amtlichen Statistik. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 2025 rund 31,9 Prozent der Menschen in Deutschland in Haushalten, die unerwartete Ausgaben von mindestens 1.300 Euro nicht aus eigenen Mitteln bezahlen konnten.

Die Daten stammen aus der europäischen Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC). Anders als bei der Debeka-Befragung ging es um einen geringeren Ausgabenbetrag und die gesamte Bevölkerung. Die Ergebnisse sind deshalb nicht unmittelbar vergleichbar.

Sie belegen jedoch unabhängig voneinander, dass fehlende kurzfristige Reserven für einen erheblichen Teil der Bevölkerung ein finanzielles Problem darstellen.

Wie hoch sollten die Rücklagen bei einem Einkommensausfall sein?

Die Verbraucherzentrale empfiehlt als Faustregel, zwei bis drei Nettomonatsgehälter als Notgroschen zurückzulegen. Wie hoch die Rücklagen bei einem Einkommensausfall tatsächlich sein sollten, hängt vor allem von den monatlichen Ausgaben und der persönlichen Lebenssituation ab.

Bei notwendigen Haushaltsausgaben von 2.500 Euro monatlich ergibt sich folgende Rechnung:

  • Ein Monat: 2.500 Euro reichen, um die laufenden Ausgaben vier Wochen lang zu decken.
  • Drei Monate: 7.500 Euro ermöglichen es, die notwendigen Ausgaben ein Vierteljahr lang zu bezahlen.
  • Sechs Monate: 15.000 Euro bieten einen finanziellen Puffer für ein halbes Jahr ohne Einkommen.

Entscheidend ist dabei, dass die Rücklagen kurzfristig verfügbar sind. Eine Eigentumswohnung, Aktien oder langfristige Sparverträge können zwar Vermögen darstellen, lassen sich aber nicht immer schnell oder ohne finanzielle Verluste zu Geld machen.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb ein Tagesgeldkonto für den Notgroschen. Dort bleibt das Geld kurzfristig verfügbar und ist keinen aktienmarktbedingten Kursschwankungen ausgesetzt.

Bei Geldproblemen kürzen die meisten zuerst ihren Konsum

Geraten Haushalte kurzfristig unter finanziellen Druck, würden 54 Prozent der Befragten zunächst ihre Konsumausgaben reduzieren. Deutlich seltener wollen sie ihre langfristige Absicherung verändern.

Nur 14 Prozent würden bei einer größeren finanziellen Belastung ihre Sparbeiträge oder Vorsorgezahlungen reduzieren. Ob die Befragten im Ernstfall tatsächlich so handeln würden, wurde nicht untersucht.

Für die Debeka befragte das Meinungsforschungsinstitut Civey vom 9. bis 15. September 2026 online jeweils 1.000 Erwachsene in Deutschland, ausgenommen Rentner, sowie 1.000 Menschen mit privater Altersvorsorge. Die Ergebnisse wurden gewichtet, um die jeweiligen Bevölkerungsgruppen möglichst repräsentativ abzubilden. Die statistische Fehlermarge liegt laut Debeka zwischen 5,9 und 6,4 Prozentpunkten.

Die Befragten schätzten selbst ein, wie lange sie ohne Einkommen auskommen würden. Ihre tatsächlichen Ersparnisse und Vermögenswerte wurden nicht überprüft.

Kurz zusammengefasst:

  • Rücklagen bei Einkommensausfall: 51 Prozent der befragten Erwachsenen ohne Rentnerstatus könnten ihre laufenden Ausgaben höchstens drei Monate decken, 22 Prozent nicht einmal vier Wochen.
  • Unerwartete Ausgaben: 37 Prozent könnten eine plötzliche Rechnung über 3.000 Euro nicht problemlos bezahlen, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 63 Prozent.
  • Finanzielle Absicherung: Die Verbraucherzentrale empfiehlt als Notgroschen zwei bis drei Nettomonatsgehälter, die kurzfristig verfügbar sein sollten, beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto.

Übrigens: Sinkende Immobilienpreise machen Wohneigentum nicht automatisch günstiger. Bei einem Kredit über 300.000 Euro ist die monatliche Rate seit Jahresbeginn um mehr als zehn Prozent gestiegen. Warum hohe Zinsen den Immobilienkauf erschweren und zugleich die Nachfrage nach Mietwohnungen erhöhen, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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