Zwei Drittel können sich energetische Sanierung kaum leisten – neue Umfrage zeigt das Ausmaß

Eine Befragung von 3.000 Haushalten zeigt: 65 Prozent sehen sich finanziell kaum oder gar nicht in der Lage, eine energetische Sanierung zu bezahlen. Bei Mietern sind es 75 Prozent.

Neue Fenster, bessere Dämmung, moderne Heiztechnik: Energetische Sanierungen können Heizkosten senken. Doch laut einer Befragung halten 65 Prozent der Haushalte solche Maßnahmen für kaum bezahlbar. (Foto: Markus Breig/KIT)

Energetische Sanierungen können Heizkosten senken. Doch einer Befragung zufolge sind solche Maßnahmen für 65 Prozent der Haushalte finanziell kaum zu stemmen. © Markus Breig/KIT

Neue Fenster, eine bessere Dämmung oder eine moderne Heizung: Wer sein Haus energetisch saniert, kann auf Dauer Heizkosten sparen. Doch dafür muss zunächst viel Geld investiert werden. Und daran scheitert es offenbar bei vielen Menschen in Deutschland. 65 Prozent der befragten Haushalte halten eine energetische Sanierung für finanziell kaum oder gar nicht machbar. Unter Mietern sind es sogar 75 Prozent.

Die Zahlen stammen aus einer Befragung von 3.000 Haushalten, die Ende 2025 im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts PREFIGURE stattfand. Die Gesamtkoordination liegt beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Auch unter den befragten Eigentümern ist die finanzielle Lage angespannt: 55 Prozent schätzen klimafreundliche Renovierungen als kaum oder überhaupt nicht bezahlbar ein. Zugleich rechnen knapp drei Viertel aller Befragten mit deutlich steigenden Energiekosten.

Energetische Sanierung: Eigentümer tragen Kosten, Mieter mögliche Folgen

Eigentümer müssen größere Modernisierungen ihrer Gebäude selbst organisieren und finanzieren. Dafür können sie später von geringeren Heizkosten profitieren. Mieter haben dagegen meist keinen Einfluss darauf, ob ihr Vermieter neue Fenster einbauen, die Fassade dämmen oder die Heizung austauschen lässt. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Vermieter einen Teil der Modernisierungskosten auf die Miete umlegen. Eine energetische Sanierung kann deshalb trotz sinkenden Energieverbrauchs zu höheren Wohnkosten führen.

Wie viel Geld einem Haushalt für solche Ausgaben zur Verfügung steht, hängt auch von Einkommen und bereits bestehenden Belastungen ab. Die Befragten schätzten ihre finanziellen Möglichkeiten selbst ein. Ob einzelne Sanierungsmaßnahmen tatsächlich unbezahlbar wären, wurde nicht überprüft.

Bei Sanierungen bleiben Mieter häufig außen vor

Hinzu kommt die fehlende Mitsprache. Unter 1.126 Mietern, in deren Gebäuden bereits energetische Maßnahmen stattgefunden hatten oder entsprechende Arbeiten geplant waren, fühlten sich rund 78 Prozent kaum oder überhaupt nicht in die Entscheidungen einbezogen.

Welche Maßnahmen umgesetzt werden und wann die Arbeiten beginnen, entscheiden in der Regel die Eigentümer. Die Bewohner müssen mögliche Beeinträchtigungen während der Bauarbeiten hinnehmen. Hinzu kommen mögliche Veränderungen bei Miete und Nebenkosten. Die Wissenschaftler sprechen sich deshalb für stärkere Beteiligungsrechte und finanziell tragbare Sanierungen aus.

Hohe Energiekosten verstärken finanzielle Sorgen

Besonders angespannt ist die Lage bei Haushalten, die bereits einen großen Teil ihres Einkommens für Energie ausgeben. Insgesamt äußerten 63 Prozent der Befragten ausgeprägte Energiekostensorgen. Dabei berücksichtigten die Wissenschaftler drei Einschätzungen:

  • Die eigenen Energiepreise werden als ungerecht empfunden.
  • Für die kommenden Jahre werden deutlich höhere Energiekosten erwartet.
  • Klimafreundliche Renovierungen erscheinen finanziell kaum oder gar nicht machbar.

Wer mindestens zwei dieser Aussagen teilte, gehörte zur Gruppe mit hohen Energiekostensorgen. Wie häufig das vorkam, hing stark von der finanziellen Belastung ab.

Bei Haushalten, deren Energiekosten mindestens 15 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens ausmachten, lag der Anteil bei 79 Prozent. Mussten sie weniger als fünf Prozent ihres Einkommens für Energie aufwenden, waren es 56 Prozent. Auch Alleinerziehende waren besonders betroffen: Drei Viertel dieser Gruppe berichteten von starken Sorgen.

Kenntnisse über erneuerbare Energien hängen mit geringeren Sorgen zusammen

Menschen, die sich besser mit erneuerbaren Energietechnologien auskannten, äußerten seltener starke Energiekostensorgen. Das galt auch für Befragte, die bereit waren, sich stärker an gemeinschaftlichen Projekten zur Energiewende zu beteiligen.

Allerdings bleibt offen, ob bessere Kenntnisse tatsächlich zu weniger Sorgen führen. Auch Einkommen, Wohnsituation und andere persönliche Umstände könnten die Unterschiede erklären.

„Die Auswertung des deutschen Datensatzes zeigt, dass Sorgen vor steigenden Energiekosten nicht allein mit dem Renovierungsbedarf eines Gebäudes oder der aktuellen Wohnkostenbelastung zusammenhängen“, erklärt Projektkoordinator Michael Janoschka vom Karlsruher Institut für Technologie. Auch das Wissen über erneuerbare Technologien und die eigenen Handlungsmöglichkeiten seien relevant.

Wissenschaftler wollen Förderung leichter zugänglich machen

Finanzielle Unterstützung soll künftig stärker davon abhängen, wie viel sich ein Haushalt leisten kann. Das empfiehlt das europäische Forschungsteam. Vor allem Menschen mit geringen Einkommen sollen Fördermittel erhalten können, ohne große Summen vorstrecken zu müssen. Einfachere Antragsverfahren könnten zusätzliche Hürden beseitigen.

„Wer wenig Geld hat, muss Förderung auch ohne hohe Vorleistungen nutzen können. Und wer zur Miete wohnt, braucht Mitsprache. Beides gehört zu einer sozial gerechten Energiewende“, sagt Dennis Hof vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Das Institut leitete die Auswertung der deutschen Befragung.

Das EU-Projekt PREFIGURE untersucht die Situation auch in Bulgarien, Dänemark, Estland, Griechenland, den Niederlanden und Spanien. Ein Beispiel aus Bulgarien sind zinsfreie Kleinkredite für einkommensschwache Haushalte. Sie sollen kleinere Reparaturen und Energiesparmaßnahmen ermöglichen und werden durch Beratungsangebote ergänzt.

Anfang 2027 wollen die Wissenschaftler ausführlichere statistische Auswertungen und Vergleiche zwischen den Ländern veröffentlichen. Bis zum Projektabschluss Ende März 2027 sollen daraus konkrete Empfehlungen für Politik und Wohnungswirtschaft entstehen.

Kurz zusammengefasst:

  • 65 Prozent der 3.000 befragten Haushalte halten energetische Sanierungen für finanziell kaum oder gar nicht machbar; unter Mietern sind es 75 Prozent.
  • 78 Prozent der betroffenen Mieter berichten, bei geplanten oder bereits durchgeführten energetischen Sanierungen kaum oder gar nicht mitentscheiden zu können.
  • Hohe Energiekosten verstärken finanzielle Sorgen: Deshalb empfehlen die Wissenschaftler einfachere Förderungen, weniger Vorfinanzierung und mehr Mitsprache für Mieter.

Übrigens: Hohe Sanierungskosten schrecken viele Hausbesitzer ab, dabei halten Experten mehr als 90 Prozent der Bestandsgebäude für grundsätzlich wärmepumpentauglich – oft sogar ohne neue Dämmung oder Fußbodenheizung. Mehr dazu in unserem Artikel über Wärmepumpen im Altbau.

Bild: © Markus Breig/KIT

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