Wärmepumpe im Altbau: Experten halten über 90 Prozent der Häuser für geeignet

Wärmepumpen funktionieren laut Experten auch in vielen Altbauten ohne umfassende Sanierung oder Fußbodenheizung.

Wärmepumpe statt Öl- oder Gasheizung: Auch ältere Häuser eignen sich häufig für den Umstieg – eine umfassende Sanierung oder Fußbodenheizung ist nicht immer nötig.

Wärmepumpe statt Öl- oder Gasheizung: Auch ältere Häuser eignen sich häufig für den Umstieg – eine umfassende Sanierung oder Fußbodenheizung ist nicht immer nötig. © Unsplash

Wer seine alte Öl- oder Gasheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen will, steht oft vor einer kostspieligen Frage: Muss das Haus vorher komplett saniert werden? Viele Eigentümer rechnen mit neuer Dämmung, größeren Umbauten und einer Fußbodenheizung. Dabei schätzen Fachleute, dass Wärmepumpen in mehr als 90 Prozent der bestehenden Gebäude grundsätzlich einsetzbar sind – häufig auch ohne umfassende Sanierung oder Fußbodenheizung. Und diejenigen, die bereits umgestiegen sind, haben offenbar wenig zu beklagen.

Bei einer Befragung des Öko-Instituts, des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) und von co2online äußerten sich 94,9 Prozent der 1.460 Wärmepumpenbesitzer zufrieden oder sehr zufrieden. Nur 1,2 Prozent waren unzufrieden. Insgesamt beteiligten sich 4.299 Hauseigentümer. Die Befragung ist nicht repräsentativ. Und die Einschätzung zur Eignung von über 90 Prozent der Bestandsgebäude beruht auf Expertenurteilen.

Auch normale Heizkörper reichen häufig aus

Ob eine Wärmepumpe im Altbau wirtschaftlich arbeitet, hängt vor allem vom Wärmebedarf und der Heizungsanlage ab. Große Heizkörper können Räume bereits mit vergleichsweise niedrigen Wassertemperaturen ausreichend erwärmen. Bei kleineren Modellen kann ein Austausch sinnvoll sein. Eine Fußbodenheizung ist dafür nicht zwingend notwendig.

Auch die Dämmung entscheidet nicht allein über die Eignung. Zwar senken gut gedämmte Außenwände, Dächer und Fenster den Heizbedarf. Doch selbst in unsanierten Häusern können Wärmepumpen funktionieren. Entscheidend ist, wie viel Wärme an kalten Tagen benötigt wird und wie effizient die Anlage diese bereitstellen kann.

Niedrigere Heizwassertemperaturen sparen Strom

Besonders wichtig ist die Vorlauftemperatur. Sie gibt an, wie heiß das Wasser ist, das von der Heizung zu den Heizkörpern fließt. Eine Wärmepumpe benötigt in der Regel weniger Strom, wenn sie das Wasser nicht so stark erhitzen muss.

Ob ein Haus dafür geeignet ist, lässt sich bereits mit der vorhandenen Heizung prüfen. Dazu wird die Vorlauftemperatur während der Heizperiode beispielsweise auf 55 Grad Celsius abgesenkt. Bleiben sämtliche Räume auch bei niedrigen Außentemperaturen warm, sind die Voraussetzungen günstig.

Die 55 Grad bilden allerdings keine feste technische Grenze. Wärmepumpen können auch höhere Temperaturen liefern. Dabei steigt gewöhnlich der Stromverbrauch. Eine fachgerechte Planung muss deshalb die benötigte Heizleistung, die Heizkörper und den Wärmebedarf des Gebäudes berücksichtigen.

Hohe Kosten verhindern häufig den Umstieg

Bei den 2.839 befragten Eigentümern ohne Wärmepumpe sind die Anschaffungskosten ein erhebliches Hindernis. Rund 80 Prozent halten die Investition grundsätzlich für zu teuer. Für viele kommt ein Wechsel außerdem noch nicht infrage, weil ihre vorhandene Heizung weiterhin funktioniert.

Unter den grundsätzlich wechselbereiten Befragten verteilen sich die häufigsten Hürden folgendermaßen:

  • 51,1 Prozent: Die vorhandene Heizung hat ihre erwartete Lebensdauer noch nicht erreicht.
  • 46,3 Prozent: Die Anschaffungskosten verhindern bislang den Wechsel.
  • 21,6 Prozent: Die Eignung des eigenen Gebäudes ist unklar.
  • 19,6 Prozent: Der Aufwand für Einbau und Umbau erscheint zu hoch.

Mehrfachnennungen waren möglich. Eine grundsätzliche Ablehnung ist dagegen selten: Weniger als fünf Prozent der Eigentümer ohne Wärmepumpe schließen eine spätere Anschaffung kategorisch aus.

Unsichere Förderung erschwert die Entscheidung

Zu den Investitionskosten kommt die Unsicherheit über staatliche Zuschüsse. Mehr als die Hälfte der Befragten empfindet die Förderbedingungen als unsicher. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen bieten vielen Eigentümern zu wenig Planungssicherheit.

Trotz dieser Unsicherheit erwartet die Mehrheit der Befragten, dass sich eine Wärmepumpe langfristig finanziell lohnt. Ob diese Erwartung eintritt, hängt vom jeweiligen Gebäude und den tatsächlichen Kosten ab. Neben dem Anschaffungspreis beeinflussen vor allem Stromtarif, Förderung und Effizienz die Wirtschaftlichkeit.

Auch Fehler bei der Installation können teuer werden. Mehrere der elf interviewten Fachleute berichten von überdimensionierten Wärmepumpen und ungünstig abgestimmten Heizsystemen. Eine zu große Anlage oder unnötig hohe Vorlauftemperaturen können den Stromverbrauch erhöhen.

Viele Eigentümer würden ihre Heizung selbst testen

Für eine erste Einschätzung der Wärmepumpeneignung ihres Altbaus besteht bei zahlreichen Eigentümern Interesse an einem einfachen Heiztest. Unter den Befragten ohne Wärmepumpe können sich 40,9 Prozent vorstellen, diesen eigenständig durchzuführen. Weitere 16,9 Prozent würden ihn mit Unterstützung ausprobieren.

Allerdings sind die Steuerungen älterer Heizungen häufig kompliziert. Deshalb wünschen sich viele Eigentümer verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, kurze Videos und fachliche Unterstützung. Ein Feldversuch mit 100 bis 200 Teilnehmern soll klären, wie sich ein solcher Test praktisch umsetzen lässt.

Kurz zusammengefasst:

  • Hohe Zufriedenheit: 94,9 Prozent der befragten Wärmepumpenbesitzer sind zufrieden oder sehr zufrieden, allerdings ist die Befragung nicht repräsentativ.
  • Altbau ist kein Ausschlussgrund: Wärmepumpen funktionieren häufig auch ohne umfassende Sanierung oder Fußbodenheizung; entscheidend sind Wärmebedarf und Vorlauftemperatur.
  • Kosten bleiben die größte Hürde: Hohe Anschaffungskosten und unsichere Förderbedingungen erschweren den Umstieg: eine fachgerechte Planung kann den Stromverbrauch niedrig halten.

Übrigens: Wärmepumpen können ältere Häuser nicht nur heizen – ein sanierter Zürcher Altbau nutzt seine Heiztechnik im Sommer sogar zur Kühlung und spart dabei rund zwei Drittel der Fernwärme. Wie das Gebäude ohne klassische Klimageräte auskommt, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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