Kakao leidet unter dem Klimawandel: Zu viel Regen kann die Ernte so stark treffen wie Dürre
Beim Kakao verschärft der Klimawandel ein unterschätztes Risiko: Zu viel Regen kann Ernten ähnlich stark treffen wie Dürre.
Kakao reagiert empfindlich auf Wetterextreme – sowohl Trockenheit als auch zu viel Niederschlag können die Ernte schwächen. © Pexels
Kakao braucht Wärme, Feuchtigkeit und ein erstaunlich enges klimatisches Gleichgewicht. Gerät diese Balance aus dem Takt, leidet die Ernte schnell. Bislang galt vor allem Trockenheit als großes Problem. Nun zeigt sich: Auch zu viel Regen kann Kakao massiv zusetzen. Fällt er ausgerechnet während der Blüte und der frühen Fruchtentwicklung, können Blüten beschädigt werden, junge Früchte absterben und Pilzkrankheiten leichter um sich greifen. Das kann sich bis zum Schokoladenpreis bemerkbar machen.
Forscher der Harvard University und der University of Ghana haben dafür zwei Jahrzehnte an Produktions- und Wetterdaten aus Ghana ausgewertet. Die Studie erschien im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS). Für 66 Kakaoanbau-Distrikte lagen Daten seit der Saison 2000/2001 vor.
In Ghana erklären Starkregen während der Regenzeit und Trockenheit in der Trockenzeit zusammen 68 Prozent der jährlichen Ertragsschwankungen. „Dürre ist eine echte Bedrohung für Kakao, und das ist gut belegt. Weniger klar beschrieben wurde bisher das andere Extrem: zu viel Regen“, sagt Studienautorin Anna Lea Albright.
Beim Kakao verstärkt der Klimawandel auch das Risiko durch Starkregen
Besonders empfindlich sind die Monate April bis Juni. In Ghana fällt dann die Hauptregenzeit mit einer wichtigen Wachstumsphase zusammen. Die Bäume blühen, Bestäuber sind aktiv und die ersten jungen Früchte bilden sich. Die Forscher untersuchten deshalb nicht nur durchschnittliche Niederschlagsmengen, sondern auch besonders nasse Tage. Dabei erwiesen sich die stärksten Regenereignisse als wesentlich aussagekräftiger für schwache Ernten als mittlere Regenmengen.
Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe. Starker Regen und Wind können Blüten und sehr junge Früchte beschädigen. Auch die Bestäubung kann darunter leiden. Hinzu kommen Pilzkrankheiten wie die Schwarzfäule der Kakaofrüchte, die durch Phytophthora-Arten verursacht wird. Regen kann infektiöses Material aus dem Boden lösen und Sporen durch Spritzwasser auf die Früchte befördern. Feldbeobachtungen fanden erste Krankheitszeichen teils etwa eine Woche nach Regenereignissen.
Zu viel und zu wenig Regen treffen Kakao hart
Später im Jahr kann sich das Problem umkehren. Zwischen November und Februar droht in Ghana Trockenstress, während die Früchte weiter wachsen und reifen. Kakao reagiert damit empfindlich auf zwei gegensätzliche Wetterlagen. Die Kombination aus Starkregen in der Regenzeit und Trockenheit während der trockenen Monate erklärt einen großen Teil der jährlichen Schwankungen.
Temperaturwerte schnitten in den Modellen schlechter ab als die Niederschlagsfaktoren. Das bedeutet nicht, dass Hitze für Kakao harmlos wäre. Frühere Arbeiten fanden sinkende Erträge bei Höchsttemperaturen von mehr als 32 bis 33 Grad Celsius. In den jetzt ausgewerteten Daten ließen sich die Schwankungen der Ernten jedoch stärker mit Regenextremen erklären.
Auch in Ecuador und Indonesien sinken Erträge nach Starkregen
Das Muster tauchte nicht nur in Ghana auf. Auch für Ecuador und die indonesische Insel Sulawesi fanden die Forscher einen negativen Zusammenhang zwischen Starkregen und Kakaoerträgen. In Ecuador erklärte extremer Regen während der Regenzeit je nach Datensatz zwischen 27 und 52 Prozent der jährlichen Ertragsschwankungen. Auf Sulawesi waren es über den gesamten untersuchten Zeitraum 20 Prozent, für die Jahre 1983 bis 2010 rund 42 Prozent.
Damit stützt die Untersuchung die Annahme, dass heftige Niederschläge ein wiederkehrendes Problem in verschiedenen Kakaoanbaugebieten darstellen. Allerdings beeinflussen auch andere Faktoren die Produktion, darunter alternde Bäume, Krankheiten, Düngerpreise, Goldabbau und Schmuggel. Zudem erfassen einige Wetterdatensätze gerade die stärksten Wolkenbrüche nur unzureichend.
Beim Kakao könnte der Klimawandel bessere Warnsysteme nötig machen
Ein Teil des Wetterrisikos lässt sich möglicherweise früh erkennen. El Niño und andere großräumige Schwankungen der Meerestemperaturen beeinflussen die Regenmuster in vielen Anbaugebieten. In Ghana erklärte ENSO 41 Prozent der Schwankungen beim Starkregen, in Ecuador 42 Prozent. Veränderungen im tropischen Atlantik erklärten in westafrikanischen Regionen weitere 21 bis 34 Prozent.
Solche Informationen könnten helfen, Schutzmaßnahmen früher zu planen. Die Forscher nennen etwa angepasste Pflanzdichten, Schutz für Blüten und junge Früchte sowie besser terminierte Fungizid-Behandlungen. Auch mehr Kronendach über den Kakaobäumen oder Laub auf dem Boden könnte nach Einschätzung der Forscher Schäden durch große Regentropfen und Spritzwasser verringern. „Wir hoffen, dass die Ergebnisse helfen, künftige Ernteschäden zu reduzieren“, sagt Seniorautor Peter Huybers.
Kurz zusammengefasst:
- Zu viel Regen während der Blüte und frühen Fruchtentwicklung kann Kakaoernten stark belasten und Pilzkrankheiten begünstigen.
- In Ghana erklären Starkregen während der Regenzeit und Trockenheit in der Trockenzeit zusammen 68 Prozent der jährlichen Ertragsschwankungen.
- Ähnliche Zusammenhänge fanden die Forscher auch in Ecuador und Indonesien; großräumige Klimamuster könnten künftig frühere Warnungen ermöglichen.
Übrigens: Der Klimawandel verändert auch, wo Kakao künftig überhaupt noch angebaut werden kann. In Kolumbien könnten bis 2050 rund 20 Prozent der heutigen Anbauflächen ungeeignet werden, während höhere Lagen an Bedeutung gewinnen. Mehr dazu in unserem Artikel.
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