E-Auto-Preise sinken kräftig – warum Käufer davon kaum etwas merken

Die E-Auto-Preise sind bei vergleichbaren Modellen seit 2020 real um rund 18 Prozent gesunken – trotz deutlich höherer Durchschnittspreise.

Sinkende Batteriekosten kommen bislang nur teilweise bei den E-Auto-Preisen an: Inflationsbereinigt verbilligten sich Batteriesysteme seit 2020 um bis zu 37 Prozent. © Unsplash

Sinkende Batteriekosten kommen bislang nur teilweise bei den E-Auto-Preisen an: Inflationsbereinigt verbilligten sich Batteriesysteme seit 2020 um bis zu 37 Prozent. © Unsplash

Elektroautos gelten noch immer als teuer, und ein Blick auf die durchschnittlichen Listenpreise scheint diesen Eindruck zu bestätigen. Zwischen 2020 und 2025 stieg der mittlere Preis eines angebotenen E-Autos in Deutschland von rund 37.000 auf etwa 53.000 Euro. Trotzdem sind die E-Auto-Preise bei vergleichbaren Modellen real gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Untersuchung des International Council on Clean Transportation (ICCT) und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI. Berücksichtigt wurden mehr als 100.000 Fahrzeugdaten aus dem ADAC-Autokatalog.

Der vermeintliche Widerspruch entsteht vor allem durch das veränderte Angebot. Heute stehen wesentlich mehr größere und leistungsstärkere Elektroautos zur Wahl als noch vor fünf Jahren. Werden dagegen einzelne Modelle über längere Zeit verglichen und Unterschiede bei Gewicht, Leistung, Batteriekapazität und Reichweite herausgerechnet, ergibt sich ein anderes Bild: Inflationsbereinigt gingen die Preise vergleichbarer Elektroautos zwischen 2020 und 2025 um rund 18 Prozent zurück. Bei Verbrennern stiegen sie im selben Zeitraum real um etwa zwei Prozent.

Warum E-Auto-Preise real deutlich sinken

Der durchschnittliche Listenpreis allein sagt deshalb wenig darüber aus, wie sich ein vergleichbares Fahrzeug verteuert oder verbilligt hat. Vor allem die mittleren und größeren Klassen haben stark zugelegt. 2025 entfielen 73 Prozent aller angebotenen Elektroauto-Modelle auf die untere Mittelklasse, die Mittelklasse und die obere Mittelklasse. Dort fanden sich zusammen 116 Modelle. 2020 waren es erst 16.

„Die Fahrzeuge bieten heute im Durchschnitt größere Reichweiten und mehr Motorleistung, während die realen Preise vergleichbarer Modelle gesunken sind“, sagt Peter Mock, Geschäftsführer des ICCT in Europa. Auch die Auswahl ist erheblich gewachsen: Die Zahl der verfügbaren batterieelektrischen Modelle stieg von 38 im Jahr 2020 auf 159 im Jahr 2025. Elektroautos stellten damit zuletzt rund ein Drittel des gesamten Pkw-Modellangebots in Deutschland. Bei Verbrennern schrumpfte die Auswahl dagegen von 275 auf 194 Modelle.

Mehr große Modelle treiben E-Auto-Preise nach oben

Der Ausbau des Angebots konzentriert sich jedoch stark auf höhere Fahrzeugklassen. In der unteren Mittelklasse waren 2025 insgesamt 46 Elektroauto-Modelle verfügbar, in der Mittelklasse 42 und in der oberen Mittelklasse 29. Auch das Luxussegment legte deutlich zu und wuchs von drei auf 20 Modelle.

In den günstigeren Klassen bleibt das Angebot kleiner. Mini- und Kleinwagen machten zusammen nur 14 Prozent aller verfügbaren Elektroauto-Modelle aus. Im Kleinwagensegment standen 2025 insgesamt 19 Elektroautos 35 Verbrenner-Modellen gegenüber. Wer nach einem günstigen Stromer sucht, hat damit weiterhin weniger Auswahl als in den mittleren und höheren Preisklassen.

Sinkende Batteriekosten kommen nur teilweise an

Dabei sind die Kosten für den teuersten Bestandteil eines Elektroautos kräftig gefallen. Die weltweiten durchschnittlichen Preise für Batteriesysteme sanken zwischen 2020 und 2025 nominal von etwa 165 bis 185 Euro je Kilowattstunde auf rund 130 bis 140 Euro. Inflationsbereinigt entspricht das einem Rückgang von etwa 35 bis 37 Prozent.

Bei den Fahrzeugpreisen kam dieser Rückgang nur teilweise an. „Die deutlich gesunkenen Batteriekosten sind noch nicht vollständig in günstigeren Listenpreisen angekommen“, sagt Patrick Plötz vom Fraunhofer ISI. „Das bedeutet: Das Potenzial für weitere Preissenkungen bei Elektrofahrzeugen ist noch nicht ausgeschöpft.“

Die Forscher führen dafür mehrere mögliche Erklärungen an. Ein Teil der Einsparungen könnte in technische Verbesserungen geflossen sein, etwa in größere Batterien und höhere Reichweiten. Auch Forschungs- und Entwicklungskosten könnten eine Rolle spielen. Die tatsächlichen Kostenstrukturen und Margen der Hersteller waren jedoch nicht Bestandteil der Untersuchung.

© ICCT / Fraunhofer ISI Nominale sowie reale Preisentwicklung zwischen 2020 und 2025, bereinigt um Fahrzeugmerkmale und Inflation. © ICCT / Fraunhofer ISI

Elektroautos fahren heute deutlich weiter

Technisch haben viele Modelle in den vergangenen Jahren spürbar zugelegt. In der unteren Mittelklasse stieg die typische Reichweite von rund 340 auf etwa 420 Kilometer. In der oberen Mittelklasse wuchs sie von ungefähr 400 auf knapp 530 Kilometer. Reichweitenstarke Modelle der unteren Mittelklasse kamen 2025 auf fast 800 Kilometer, im Luxussegment waren in der Spitze beinahe 900 Kilometer möglich.

Die Untersuchung arbeitet allerdings mit Hersteller-Listenpreisen inklusive Mehrwertsteuer. Tatsächliche Kaufpreise, Rabatte und Händlernachlässe flossen nicht ein. Zudem wurden die Modelle nicht nach ihren Verkaufszahlen gewichtet, und die Daten für 2025 reichen nur bis September.

Der Preisvergleich bleibt dennoch aussagekräftig für die Entwicklung einzelner Modelle: Während deren nominale Preise im untersuchten Zeitraum weitgehend stabil blieben, sorgte die Inflation für einen realen Rückgang von rund 18 Prozent. Der höhere Durchschnittspreis erklärt sich daher vor allem durch ein Angebot, das heute deutlich stärker von größeren und teureren Elektroautos geprägt ist.

Kurz zusammengefasst:

  • Vergleichbare Elektroautos sind zwischen 2020 und 2025 inflationsbereinigt rund 18 Prozent günstiger geworden, während Verbrenner real leicht teurer wurden.
  • Der durchschnittliche Listenpreis von E-Autos stieg trotzdem deutlich, weil heute wesentlich mehr größere und teurere Modelle angeboten werden als noch vor fünf Jahren.
  • Sinkende Batteriekosten und höhere Reichweiten verbessern das Preis-Leistungs-Verhältnis, günstige Elektro-Kleinwagen bleiben auf dem deutschen Markt jedoch vergleichsweise selten.

Übrigens: Mit der wachsenden Zahl an Elektroautos verändert sich nicht nur der Automarkt, sondern teils auch die Luftqualität. Eine Studie aus China bringt den E-Auto-Boom mit deutlich weniger Feinstaub und Hunderttausenden möglicherweise verhinderten Todesfällen in Verbindung. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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