Sodbrennen: Ernährung hilft häufiger als Medikamente

Eine Ernährungs- und Lebensstilumstellung linderte stillen Reflux bei 81 Prozent – häufiger als drei Medikamententherapien.

Weniger Fett, Zucker und Reizstoffe: In der Studie sprach das Ernährungs- und Lebensstilprogramm bei stillem Reflux häufiger an als mehrere Medikamententherapien.

Weniger Fett, Zucker und Reizstoffe: In der Studie sprach das Ernährungs- und Lebensstilprogramm bei stillem Reflux häufiger an als mehrere Medikamententherapien. © Pexels

Es brennt hinter dem Brustbein, Säure steigt bis in Hals oder Mund und hinterlässt einen bitteren Geschmack. Manche müssen ständig räuspern oder werden heiser. So können sich Sodbrennen und stiller Reflux bemerkbar machen.

Meist werden die Beschwerden mit Säureblockern, Alginaten oder Antazida behandelt. Eine Auswertung im JAMA Network verglich diese drei Medikamentengruppen mit einem Ernährungs- und Lebensstilprogramm bei 145 Menschen mit laryngopharyngealem Reflux.

Nach drei Monaten besserten sich die Beschwerden bei 39 von 48 Personen im Ernährungs- und Lebensstilprogramm. Das entspricht 81,2 Prozent. Bei den Säureblockern (Protonenpumpenhemmern, PPI) sprachen 18 von 32 Behandelten an, also 56,3 Prozent. Damit lag die Ansprechrate in der Ernährungsgruppe um 24,9 Prozentpunkte höher.

Wie Sodbrennen und Ernährung konkret zusammenhängen

Das Ernährungsprogramm setzte auf eiweißreiche sowie fett- und zuckerarme Kost. Zusätzlich sollten die Teilnehmer Stress reduzieren. Der beobachtete Vorteil lässt sich deshalb nicht einzelnen Lebensmitteln zuschreiben.

Empfohlen wurden:

  • Fisch, mageres Fleisch und fettarme Milchprodukte
  • Vollkornprodukte, Obst und gekochtes Gemüse

Deutlich eingeschränkt werden sollten:

  • fettreiches Fleisch, gehaltvolle Milchprodukte und Weißmehlprodukte
  • Zucker, Alkohol, Kaffee, Tee und Fruchtsäfte
  • Tomaten, Zwiebeln, Chili, kräftige Gewürze und rohes Gemüse

Die Vorgaben gingen damit weit über den gelegentlichen Verzicht auf scharfes Essen hinaus.

Das Ernährungsprogramm schneidet auffällig gut ab

Neben den Säureblockern untersuchten die Mediziner zwei weitere Arzneimittelgruppen. Von 38 Personen unter Alginaten sprachen 22 auf die Behandlung an. Das waren 57,9 Prozent. Antazida halfen 20 von 27 Teilnehmern, also 74,1 Prozent. Damit erreichte das Ernährungs- und Lebensstilprogramm die höchste Ansprechrate aller vier Gruppen.

Gegenüber Protonenpumpenhemmern betrug der Unterschied 24,9 Prozentpunkte. Im Vergleich zu Alginaten waren es 23,4 Prozentpunkte. Beide Abstände waren statistisch auffällig. Zwischen Ernährung und Antazida lagen dagegen nur 7,2 Prozentpunkte. Hier ließ sich kein eindeutiger Vorteil nachweisen.

Beschwerden gehen in allen Gruppen zurück

Vor und nach der dreimonatigen Behandlung erfassten die Kliniken sowohl Beschwerden als auch sichtbare Refluxzeichen. Die Symptomwerte gingen in allen vier Gruppen zurück. Auch die Befunde an Rachen und Kehlkopf besserten sich. Beim abschließenden Symptomwert lag die Ernährungsgruppe vor den anderen Gruppen. Statistisch eindeutig war der Abstand jedoch nur gegenüber den Antazida.

Bei den objektiven Befunden unterschieden sich die vier Behandlungen nicht klar voneinander. Auch die Entwicklung der Beschwerden über den gesamten Zeitraum verlief statistisch nicht unterschiedlich. Die höhere Ansprechrate der Ernährungsgruppe reicht daher nicht für den Beweis, dass Ernährung Medikamente grundsätzlich übertrifft.

Warum Forscher die Reflux-Ergebnisse noch vorsichtig bewerten

Die Daten stammen von Patienten, die zwischen 2018 und 2024 an zwei Kliniken in Belgien und Frankreich behandelt wurden. Das mediane Alter lag bei 53 Jahren, 84 der 145 Teilnehmer waren Frauen. Alle Diagnosen beruhten auf einer 24-stündigen Impedanz-pH-Messung. Dieses Verfahren erfasst, wie häufig Mageninhalt bis in Speiseröhre und Rachen gelangt.

Die Autoren formulieren ihre Schlussfolgerung entsprechend vorsichtig: „Die Einhaltung einer Anti-Reflux-Ernährung und Maßnahmen zur Stressreduktion könnte nach drei Monaten mit einer vergleichbaren oder stärkeren Linderung der Beschwerden verbunden sein als herkömmliche medikamentöse Behandlungen.“ Zugleich betonen sie: „Randomisierte klinische Studien zum Vergleich der vier Behandlungsansätze sind erforderlich.“

Kurz zusammengefasst:

  • Sodbrennen und stiller Reflux entstehen, wenn saurer Mageninhalt nach oben steigt und Brust, Hals oder Stimme reizt.
  • Ein Ernährungs- und Lebensstilprogramm half nach drei Monaten 81 Prozent der Betroffenen – häufiger als Säureblocker, Alginate und Antazida.
  • Die Studie belegt dennoch nicht, dass Ernährung grundsätzlich besser wirkt, weil die Gruppen nicht zufällig eingeteilt wurden.

Übrigens: Nicht nur bei Reflux kann eine Ernährungsumstellung viel bewirken – eine fettarme vegane Kost senkte in einer Studie die Emissionen deutlich und linderte starke Hitzewallungen bei Frauen in den Wechseljahren. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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