Krebs überstanden – und jetzt? Warum die Ernährung beim Rückfallrisiko eine Rolle spielt

Gesunde Ernährung kann Krebs nicht heilen – doch neue Forschung zeigt, warum pflanzenbasierte Kost, Bewegung und Gewicht nach einer Diagnose wichtig sind.

Gesunde Mahlzeit

Eine pflanzenbetonte Ernährung steht in Studien mit besseren Verläufen bei bestimmten Krebsarten in Verbindung. © Pexels

Selbst die beste Ernährung kann Krebs nicht einfach „wegessen“, egal wie gesund sie ist. Dennoch kann sie mehr als nur vorbeugend wirken. Eine neue Auswertung der University of California San Francisco (UCSF) deutet darauf hin. Die Forscher fanden heraus, dass ein pflanzenbasierter Speiseplan, Bewegung und ein gesundes Gewicht nach einer Krebsdiagnose mit besseren Verläufen zusammenhängen können.

So verlangsamte laut einer Studie der UCSF eine gesunde Ernährung beispielsweise bei Prostatakrebs das Fortschreiten der Erkrankung. Nach überstandenem Darmkrebs traten Rückfälle und Todesfälle seltener auf. Besonders spannend, aber als wissenschaftliche Erkenntnis noch ganz am Anfang: Tumorzellen des Bauchspeicheldrüsenkrebs konnten geschwächt werden, indem im Mäuseversuch eine spezielle Diät mit einem Wirkstoff kombiniert wurde.

Die UCSF analysierte für die Studie mehrere Arbeiten aus ihrem wissenschaftlichen Umfeld. Der gemeinsame Nenner: Essen, Bewegung und Gewicht ersetzen keine Therapie, doch sie können den Verlauf einer Erkrankung beeinflussen.

Bereits kleine Veränderungen machen deutlichen Unterschied

Besonders greifbar wird die Wechselwirkung von Ernährung und Krankheit bei Prostatakrebs. Ein Team um Stacey A. Kenfield, Professorin für Urologie an der UCSF, begleitete Männer über 65 Jahre mit örtlich begrenztem Prostatakrebs. Männer mit eher pflanzlicher Kost hatten ein deutlich niedrigeres Risiko, dass ihre Krankheit weiter fortschritt. Im Vergleich zu Männern mit besonders vielen tierischen Produkten lag das Risiko um 47 Prozent niedriger.

Pflanzenbetont heißt in diesem Zusammenhang nicht streng vegan. Gemeint sind vielmehr Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, Pflanzenöle, Tee und Kaffee. Schon kleine Schritte fielen positiv in den Daten auf. Ein oder zwei zusätzliche Portionen pflanzlicher Lebensmittel am Tag, dazu weniger Fleisch und Milchprodukte, standen mit besseren Ergebnissen in Verbindung. Laut Kenfield sind bereits „kleine Veränderungen“ im Alltag hilfreich.

Fettreiche Ernährung plus Wirkstoff gegen Krebs

Der Nutzen betrifft nach Angaben der UCSF nicht allein das Fortschreiten des Tumors. Mehr pflanzliche Lebensmittel nach einer Prostatakrebsdiagnose standen auch mit besserer Lebensqualität in Verbindung. Genannt werden sexuelle Funktion, Harnfunktion und Vitalität. Kenfield spricht von einem „Gewinn auf beiden Ebenen“.

Im Ansatz gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs geht es nicht um einfache Alltagstipps, sondern um eine gezielte Therapiestrategie. Diese Krebsart gehört zu den schwer behandelbaren Tumoren. Davide Ruggero und Haojun Yang arbeiteten mit einem ketogenen, also sehr fettreichen Ernährungsmodell und einem experimentellen Wirkstoff. Im Mäuseversuch schrumpften Tumoren, wenn beides kombiniert wurde.

Wie Ernährung und Medikamente zusammenspielen

Der Mechanismus ist ungewöhnlich, aber simpel. Die ketogene Ernährung zwang die Krebszellen, Fett stärker als Energiequelle zu nutzen. Der Wirkstoff blockierte anschließend genau diese Verwertung. Vereinfacht gesagt: Die Tumorzellen gerieten in eine Abhängigkeit und wurden dann an dieser Schwachstelle getroffen. Ruggero nennt das einen „verwundbaren Punkt“, der sich möglicherweise therapeutisch nutzen lässt.

Für Patienten bedeutet das noch keine Empfehlung für eine fettreiche Ernährung auf eigene Faust. Die Ergebnisse stammen aus Tierexperimenten und beziehen sich auf eine Kombination mit einem Wirkstoff. Ohne ärztliche Begleitung kann eine sehr ketogene Diät problematisch sein, gerade bei Krebs, Gewichtsverlust oder laufender Therapie. Der interessante Punkt liegt woanders: Die Ernährung könnte den Stoffwechsel eines Tumors so verändern, dass Medikamente gezielt greifen können.

Bewegung und gesundes Gewicht senken das Rückfallrisiko

Die Wissenschaftlerin Erin L. Van Blarigan von der UCSF untersuchte Menschen mit Darmkrebs im Stadium III. Patienten mit gesundem Gewicht, regelmäßiger Bewegung und einer Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkorn hatten bessere Chancen, die Krankheit zu überstehen. Rotes und verarbeitetes Fleisch sollte laut Ernährungsempfehlungen nur in geringer Menge konsumiert werden. Wer diese Lebensstilvorgaben besonders gut einhielt, hatte ein um 42 Prozent niedrigeres Sterberisiko. Das Risiko für ein Wiederauftreten der Krankheit lag um 31 Prozent niedriger.

Ein gesunder Lebensstil gehört nach den Erkenntnissen dieser Studienauswertung nicht nur zur Vorbeugung, sondern kann auch nach einer Krebsdiagnose relevant bleiben. Van Blarigan sieht hier eine Lücke in der Nachsorge und spricht von einem „dringenden Bedarf“ an besserer Betreuung. Gemeint sind Angebote, die Menschen nach einer Diagnose beim Aufbau gesunder Gewohnheiten unterstützen. Ernährung, Bewegung und Gewicht sind damit Begleiter der Behandlung, die Ärzte planen und überwachen müssen.

Kurz zusammengefasst:

  • Ernährung kann Krebs nicht heilen und keine Therapie ersetzen, aber sie kann den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen – besonders durch pflanzliche Kost, Bewegung und ein gesundes Gewicht.
  • Bei Prostatakrebs war eine pflanzenbasierte Ernährung mit einem verringerten Fortschreiten verbunden, bei Darmkrebs sanken Rückfall- und Sterberisiko deutlich, wenn Patienten einen gesunden Lebensstil einhielten.
  • Diese Maßnahmen gehören in die ärztlich begleitete Behandlung und Nachsorge. Strenge Diäten wie Keto bei Krebs sollten nicht auf eigene Faust ausprobiert werden.

Übrigens: Während Ernährung und Lebensstil den Krankheitsverlauf bei Krebs positiv beeinflussen können, zeigt das Beispiel Brustkrebs, wie tückisch einzelne Tumorzellen auch nach einer Therapie bleiben. Manche wachsen jahrelang unbemerkt weiter und können viel später einen Rückfall auslösen – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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