Vegane Ernährung senkt Emissionen um 35 Prozent – und kann Hitzewallungen lindern
Vegane Ernährung fürs Klima: In einer Studie sanken Emissionen um 35 Prozent, dazu gingen Hitzewallungen bei Frauen in der Menopause zurück.
Wer Fleisch und Milchprodukte durch eine fettarme vegane Ernährung mit Sojabohnen ersetzt, kann laut Studie seine ernährungsbedingten Emissionen deutlich senken. © Pexels
Beim Thema Klima geht es oft um große Stellschrauben wie Verkehr, Heizen oder Industrie. Eine neue Untersuchung richtet den Blick auf etwas viel Alltäglicheres: das Essen. Sie legt nahe, dass vegane Ernährung fürs Klima sehr viel bewirken kann – und zusätzlich spürbar zum Wohlbefinden beiträgt.
In einer Studie ernährten sich postmenopausale Frauen zwölf Wochen lang fettarm vegan, strichen Fleisch und Milchprodukte vom Speiseplan und aßen täglich Sojabohnen. Danach lagen ihre ernährungsbedingten Emissionen deutlich niedriger.
Dazu kamen weitere gesundheitliche Effekte: Starke Hitzewallungen gingen laut den Daten deutlich zurück. Außerdem sank das Gewicht im Schnitt um rund 3,6 Kilogramm.
Wie vegane Ernährung das Klima entlasten kann
Veröffentlicht wurde die Arbeit im Fachjournal BMJ Nutrition, Prevention & Health. Die Daten stammen aus einer randomisierten klinischen Studie mit Frauen zwischen 40 und 65 Jahren nach der Menopause. 84 Teilnehmerinnen wurden per Zufall in zwei Gruppen eingeteilt. 71 schlossen die zwölf Wochen ab. Eine Gruppe stellte ihren Speiseplan um. Fleisch und Milchprodukte fielen weg. Dazu kam täglich eine halbe Tasse gekochter Sojabohnen. Die Kontrollgruppe änderte ihre Ernährung nicht.
Das Ergebnis fiel deutlich aus: In der veganen Gruppe sanken die ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen um 35 Prozent. Das entsprach 662,7 Gramm CO2-Äquivalent pro Person und Tag. In der Kontrollgruppe gab es keine Veränderung. Die Autoren setzen die Größenordnung in einen alltagstauglichen Vergleich. Auf ein Jahr gerechnet entspreche das etwa 966 Kilometern weniger Autofahrt pro Person.
Fleisch und Milchprodukte treiben die Werte nach oben
Der größte Teil des Rückgangs hing mit weniger Fleisch zusammen. Auf diesen Punkt entfielen 534,3 Gramm CO2-Äquivalent pro Person und Tag. Weitere 251,1 Gramm gingen auf weniger Milchprodukte zurück.
Auch der Energieaufwand rund um die Lebensmittel sank spürbar. Gemeint ist die Energie für Produktion, Verarbeitung, Verpackung, Transport, Lagerung und Entsorgung. Dieser Wert fiel um 34 Prozent. Das entsprach 4956 Kilojoule pro Person und Tag. Auch hier kam der größte Anteil durch weniger Fleisch zustande. Danach folgten die Milchprodukte. Wer tierische Produkte ersetzt, kann seine persönliche Bilanz messbar verändern:
- 35 Prozent weniger Treibhausgase
- 34 Prozent weniger Energieaufwand
- größter Effekt durch weniger Fleisch
- zusätzlicher Effekt durch weniger Milchprodukte
Gesundheit profitiert mit
Die Umstellung blieb nicht auf Umweltwerte beschränkt. Auch starke Hitzewallungen gingen deutlich zurück. Genannt wird ein Rückgang um 92 Prozent. Dazu kam der Gewichtsverlust von durchschnittlich rund 3,6 Kilogramm.
Der Rückgang der Treibhausgas-Emissionen korrelierte mit dem Rückgang schwerer Hitzewallungen. Wer seine Emissionen stärker senkte, verzeichnete häufig auch stärkere gesundheitliche Verbesserungen. Das beweist keine direkte Ursache. Es zeigt aber, dass ein anderer Speiseplan mehrere Bereiche gleichzeitig berühren kann. Studienleiterin Hana Kahleova erklärt: „Diese Untersuchung zeigt, dass der Ersatz von Fleisch und Milchprodukten durch pflanzliche Lebensmittel Emissionen deutlich senken und zugleich die Gesundheit verbessern kann.“ Und weiter:
Wer seinen CO2-Fußabdruck wirksam verkleinern will, sollte beim Essen anfangen.
Pflanzliche Kost entlastet die Bilanz spürbar
Die Zahlen sind anschaulich, haben aber klare Grenzen. Untersucht wurden nur postmenopausale Frauen. Die Laufzeit betrug zwölf Wochen. Außerdem beruhten die Angaben zum Essen auf Ernährungsprotokollen der Teilnehmerinnen.
Trotzdem liefert die Arbeit einen ungewöhnlich konkreten Blick auf den Alltag. Viele Debatten über das Klima bleiben abstrakt. Hier geht es um eine Entscheidung, die jeden Tag in der Küche fällt. Lebensmittelproduktion trägt erheblich zum Klimawandel bei. Zudem verursachen Ernährungsweisen mit vielen tierischen Produkten meist deutlich mehr Treibhausgase als pflanzliche Kost.
Kurz zusammengefasst:
- Vegane Ernährung kann für das Klima spürbar etwas bewirken, weil der Verzicht auf Fleisch und Milchprodukte in einer Studie die Emissionen um 35 Prozent senkte.
- Die Umstellung brachte zusätzlich gesundheitliche Vorteile, denn starke Hitzewallungen gingen bei postmenopausalen Frauen deutlich zurück und das Gewicht sank im Schnitt um rund 3,6 Kilogramm.
- Die Ergebnisse sind alltagsnah und nützlich, gelten hier aber nur für Frauen in den Wechseljahren und beruhen auf einer kurzen Studie mit Selbstangaben zur Ernährung.
Übrigens: Nicht nur unser menschlicher Speiseplan kann das Klima entlasten, auch Biber wirken als unerwartete Helfer und verwandeln Flüsse in wirksame CO₂-Speicher. Eine neue Studie zeigt, wie ihre Dämme Feuchtgebiete schaffen, Kohlenstoff im Boden festhalten und so über Jahre eine erstaunlich starke Klimawirkung entfalten. Mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Pexels
