„Made in Europe“-Vorgabe: 90 Prozent wollen Subventionen nur noch für Firmen mit Jobs hier
Umfrage mit 2.500 Befragten: 90 Prozent wollen Subventionen nur bei gesicherter Produktion und Arbeitsplätzen in Europa.
Öffentliche Aufträge in der EU umfassen jährlich mehr als zwei Billionen Euro – künftig sollen sie stärker an europäische Produktion und sichere Arbeitsplätze in Europa gebunden werden. © Unsplash
Eine deutliche Mehrheit in Deutschland befürwortet strengere Bedingungen für Unternehmen, die öffentliche Gelder erhalten oder auf dem europäischen Markt verkaufen. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der IG Metall unterstützen 70 Prozent der Befragten eine gesetzliche Produktionspflicht in der EU.
Neun von zehn sprechen sich dafür aus, staatliche Subventionen an die Sicherung von Arbeitsplätzen in Europa zu knüpfen. Die Debatte um eine mögliche „Made in Europe“-Vorgabe bekommt damit neuen Auftrieb.
Entwurf legt verbindliche EU-Mindestanteile für Schlüsseltechnologien fest
Konkret arbeitet die EU-Kommission am sogenannten „Industrial Accelerator Act“. Bei öffentlichen Aufträgen und staatlichen Förderprogrammen sollen verbindliche Mindestanteile europäischer Produktion gelten. Betroffen sind strategische Bereiche wie Batterien, Solar- und Windenergie, Wasserstoff sowie Elektrofahrzeuge.
Für E-Autos wäre vorgesehen, dass 70 Prozent der Komponenten – ohne Batterie – aus Europa stammen, wie Reuters berichtet. Auch Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro in solchen Branchen könnten an zusätzliche Standortauflagen geknüpft werden.
Mehrheit unterstützt Produktionspflicht und EU-Jobs
Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut Civey am 9. und 10. Februar 2026 insgesamt 2.500 Personen ab 18 Jahren. 70 Prozent stimmten der Aussage zu, Unternehmen sollten verpflichtet werden, einen Teil ihrer Produktion innerhalb der Europäischen Union anzusiedeln, wenn sie hier Produkte verkaufen.
83 Prozent erklärten zudem, öffentliche Aufträge dürften nur an Firmen gehen, die sichere Arbeitsplätze in Europa garantieren. Besonders deutlich fiel die Zustimmung bei der Frage nach Subventionen aus: 90 Prozent fordern staatliche Unterstützung nur dann, wenn im Gegenzug Produktion und Beschäftigung in Europa gesichert werden.
Deutschland zeigt sich bei der „Made in Europe“-Vorgabe gespalten
Wegen Meinungsverschiedenheiten über verbindliche Produktionsvorgaben wurde das Paket bereits mehrfach verschoben. Innerhalb der Bundesregierung gibt es unterschiedliche Positionen. Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich zurückhaltend gegenüber weitreichenden verpflichtenden Produktionsanteilen. Solche Vorgaben sollten nach seiner Einschätzung nur in strategisch wichtigen Bereichen und als letztes Mittel gelten.
Wie der SPIEGEL berichtet, plädiert das CDU-geführte Bundeswirtschaftsministerium in einem Positionspapier nicht für ein striktes „Made in Europe“, sondern für ein abgeschwächtes „Made with Europe“. Demnach soll es ausreichen, wenn Produktion in Ländern mit EU-Handelsabkommen stattfindet. Zudem fordert Berlin, mögliche „Buy European“-Regeln nur befristet einzusetzen und vorab auf Kostenfolgen zu prüfen.
IG Metall erhöht politischen Druck
„Wenn die Politik Steuergelder in die Hand nimmt, muss das den Industriestandort Europa stärken und Arbeitsplätze hier bei uns sichern“, sagte Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall. „Wer in Europa verkaufen will, muss auch hier für Produktion und Beschäftigung sorgen.“
Die Gewerkschaft kritisiert, dass das Bundeswirtschaftsministerium in Brüssel entsprechende Regelungen bremse. Kerner forderte eine Kursänderung und verwies auf die breite Zustimmung in der Bevölkerung.
Politische Debatte bleibt offen
Die Umfrage ist laut Angaben von Civey repräsentativ. Wie bei allen Meinungsumfragen handelt es sich um eine Momentaufnahme des Stimmungsbilds.
Die Zahlen zeigen eine parteiübergreifend hohe Zustimmung zu verbindlichen Produktionsauflagen. Auch unter Anhängern der CDU liegt die Unterstützung laut IG Metall teilweise über dem Durchschnitt. Parallel dazu bleibt die politische Diskussion in Berlin und Brüssel offen, insbesondere hinsichtlich der Reichweite möglicher Vorgaben.
Kurz zusammengefasst:
- Klare Mehrheit: 70 Prozent unterstützen eine „Made in Europe“-Vorgabe mit Produktionspflicht in der EU, 90 Prozent wollen Subventionen nur bei gesicherten Jobs in Europa – Grundlage ist eine repräsentative Civey-Umfrage mit 2.500 Befragten.
- Konkreter EU-Plan: Der geplante „Industrial Accelerator Act“ soll öffentliche Milliardenaufträge an Mindestanteile europäischer Produktion knüpfen, etwa bei Batterien, Solarenergie und Elektroautos.
- Politischer Streit: Während viele Bürger strengere Vorgaben unterstützen, setzt das CDU-geführte Wirtschaftsministerium auf ein abgeschwächtes „Made with Europe“-Modell.
Übrigens: Während in Europa über Produktion und Jobs gestritten wird, zeigt BMW, wie industrielle Wertschöpfung im Land bleiben kann – durch Batterierecycling direkt in der Fertigung statt erst beim alten Auto. Wie das mechanische Verfahren Rohstoffe spart und Lieferketten stärkt, mehr dazu in unserem Artikel.
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