Frankreich steckt Milliarden in Quantencomputer – und fordert damit USA und China heraus

Frankreich investiert eine weitere Milliarde Euro in Quantencomputer. Dahinter stehen Forschung, Datensicherheit und Europas Tech-Souveränität.

Frankreich investiert eine weitere Milliarde Euro in Quantencomputer, weil Europa bei sensibler Rechentechnik unabhängiger von den USA und China werden will. © OJB Quantum via Wikimedia Commons unter CC BY 4.0

Frankreich investiert eine weitere Milliarde Euro in Quantencomputer, weil Europa bei sensibler Rechentechnik unabhängiger von den USA und China werden will. (Symbolbild) © Wikimedia

Frankreich steigt in ein Technologierennen ein, das bald den Alltag vieler Menschen berühren könnte. Es geht um Medikamente, sichere Daten, bessere Materialien und die Frage, wer in Europa künftig wichtige Rechentechnik kontrolliert. Präsident Emmanuel Macron hat eine zusätzliche Milliarde Euro für Quantencomputer angekündigt. Damit will Frankreich verhindern, dass Europa bei dieser Zukunftstechnik von den USA oder China abhängt.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, besuchte Macron dafür am 22. Mai ein Zentrum für Hochleistungsrechnen in Bruyères-le-Châtel südlich von Paris. Dort kündigte er das neue Geld für die Quantentechnologie an. Seit 2021 hatte Frankreich bereits 2,3 Milliarden Euro in den Bereich gesteckt. Nun kommt eine weitere Milliarde hinzu. Außerdem sollen 550 Millionen Euro zusätzlich in Halbleiter fließen, eingebettet in ein europäisches Programm.

Frankreich investiert kräftig in Quantencomputer

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Am selben Tag meldete das US-Handelsministerium öffentliche Investitionen von mehr als zwei Milliarden Dollar in private Quantenfirmen. Frankreich will bei diesem Tempo nicht nur reagieren, sondern selbst industrielle Stärke aufbauen. „Das Tempo unserer Wettbewerber zwingt uns, einen Gang höherzuschalten“, sagt Macron laut dem Portal Presse-citron.

Quantencomputer gelten als eine der großen Hoffnungen der nächsten Technologiegeneration. Normale Computer rechnen mit Bits. Diese kennen zwei Zustände, also 0 oder 1. Quantencomputer arbeiten mit sogenannten Qubits. Sie können mehrere Zustände auf einmal annehmen. Dadurch könnten sie bestimmte Aufgaben viel schneller lösen als klassische Rechner.

Wo Quantencomputer Forschung und Wirtschaft beschleunigen

In der Medizin sollen solche Maschinen neue Wirkstoffe schneller berechnen. In der Industrie helfen sie bei der Suche nach Materialien mit besseren Eigenschaften. Auch Energie, Logistik und Klimaforschung profitieren von mehr Rechenleistung, weil dort riesige Datenmengen und sehr komplexe Modelle zusammenkommen.

Der vielleicht heikelste Bereich betrifft die Sicherheit. Viele heutige Verschlüsselungen schützen Bankdaten, Gesundheitsakten, Firmengeheimnisse und staatliche Kommunikation. Sehr leistungsfähige Quantencomputer könnten manche dieser Verfahren eines Tages angreifen. Deshalb arbeiten Fachleute bereits an neuen Schutzverfahren für die Zeit nach dem Durchbruch der Quantentechnik.

Für den Alltag geht es also um sehr praktische Fragen:

  • Wie sicher bleiben persönliche Daten in Zukunft?
  • Wer kontrolliert die Rechner, auf denen Forschung und Industrie aufbauen?
  • Kann Europa eigene Technik liefern, statt sie bei großen ausländischen Anbietern einzukaufen?

Macron verbindet diese Fragen klar mit europäischer Unabhängigkeit. „Wir können nicht länger von anderen abhängig sein“, lautet die Botschaft aus Paris. Damit sind vor allem die großen Technologiemächte USA und China gemeint.

Europa will unabhängiger von Tech-Giganten werden

„Technologische Abhängigkeiten werden immer stärker zu industriellen und strategischen Abhängigkeiten“, sagte Macron laut dem französischen Bericht. Tatsächlich nutzt Europa viele Cloud-Dienste, KI-Systeme und digitale Infrastrukturen, die von amerikanischen Firmen stammen. Diese Unternehmen unterliegen US-Recht. Bei sensiblen Daten kann das politische und wirtschaftliche Risiken schaffen.

Frankreich will deshalb ein europäisches Quanten-Ökosystem stärken. Es soll in Europa entstehen, von europäischen Firmen getragen werden und nicht von Gesetzen außerhalb Europas abhängig sein. Macron fordert dafür mehr Investitionen und eine andere Wettbewerbspolitik. Europäische Anbieter sollen groß genug werden können, um international mitzuhalten.

Mehrere französische Firmen arbeiten bereits an unterschiedlichen Wegen zum Quantencomputer. Das französische Start-up Alice & Bob setzt auf sogenannte Katzen-Qubits. Der Name lehnt sich an ein bekanntes Gedankenexperiment der Quantenphysik an. Der US-Konzern Nvidia kündigte am Freitag eine Investition in das Unternehmen an.

Französische Start-ups suchen den besten Weg

Auch Pasqal gehört zu den französischen Quantenunternehmen, auf die Paris setzt. Das Start-up arbeitet mit neutralen Atomen und wurde unter anderem vom Physik-Nobelpreisträger Alain Aspect mitgegründet. Das Unternehmen bereitet offenbar einen Börsengang an der Nasdaq und an der Euronext Paris vor. Das Unternehmen C12 setzt wiederum auf Kohlenstoff-Nanoröhren. Diese sollen Qubits stabiler und leistungsfähiger machen.

Noch steht nicht fest, welche Technologie sich durchsetzt. Der Wettlauf bleibt offen, teuer und technisch schwierig. Für Staaten ist aber schon die Teilnahme wichtig. Wer erst einsteigt, wenn andere Länder Standards, Patente und Lieferketten kontrollieren, kommt vermutlich zu spät.

Kurz zusammengefasst:

  • Frankreich investiert eine weitere Milliarde Euro in Quantencomputer, weil das Land bei dieser Schlüsseltechnologie unabhängiger von den USA und China werden will.
  • Quantencomputer könnten künftig neue Medikamente, bessere Materialien und sichere Verschlüsselung beeinflussen, weil sie bestimmte Rechenaufgaben viel schneller lösen können als klassische Computer.
  • Für Europa geht es daher nicht nur um Forschung, sondern auch um wirtschaftliche Stärke, Datenschutz und technologische Souveränität.

Übrigens: Während Frankreich Milliarden in Quantencomputer steckt, treibt China bereits die nächste Sicherheitsfrage voran: Ein neues Quantennetz soll verschlüsselte Kommunikation über 3.700 Kilometer ermöglichen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © OJB Quantum via Wikimedia unter CC BY 4.0

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