Gesund arbeiten, mehr schaffen: So finden Sie die richtige Balance im Job
Stress bremst das Gehirn aus. Wer Pausen macht und seine Ziele plant, bleibt langfristig gesund und produktiv.

Mit klarem Fokus und einem Lächeln: Gesunde Produktivität verbindet Effizienz mit Wohlbefinden. © Pexels
Sich aktiv um die eigene – besonders die mentale – Gesundheit zu kümmern, wird im Arbeitsalltag oft nachrangig behandelt. Allzu häufig gilt sie als Klotz am Bein, wenn Projekte schnell fertig oder unternehmerische Ziele erreicht werden sollen. Dabei wird übersehen, dass Gesundheit die Grundlage für echte Produktivität ist: Wer mental stabil ist, arbeitet fokussierter, kreativer und effizienter. Umgekehrt stärkt auch eine sinnvolle, erfüllende Produktivität das psychische Wohlbefinden. Wichtig ist nur, zwischen echter Produktivität und bloßem „Fake Work“ zu unterscheiden. Die Balance zwischen beidem entscheidet darüber, ob wir langfristig gesund und gleichzeitig leistungsfähig bleiben.
Gesundheit steigert nachweislich die Produktivität
Zahlreiche Studien haben bewiesen, dass Gesundheit die Produktivität steigert. Die Werte reichen hier je nach Studie von 14 bis 21 Prozent höherer Produktivität bei gesunden Mitarbeitern.
Dies lässt sich psychologisch und neurowissenschaftlich leicht erklären. Psychologisch betrachtet führt ein gesunder Körper sowie mentale Gesundheit zu einem stabileren emotionalen Zustand. In diesem Zustand fällt es einem leichter, sowohl mit stressigen als auch mit emotional herausfordernden Situationen umzugehen. Stress führt dazu, dass logisches Denken nur eingeschränkt möglich ist. Doch gerade logisches Denken benötigen wir, um kreativ und produktiv zu sein. Ist man gesund und verfügt daher über einen emotional stabilen Zustand und kann dadurch mit Stress besser umgehen oder ihn nicht entstehen lassen, ist man kreativer und produktiver.
Neurowissenschaftlich betrachtet beeinflussen Stress und mentale Belastungen die Gehirnfunktion negativ. Mentale Gesundheit wiederum beeinflusst die Gehirnleistung dahingehend positiv, dass die neuronale Plastizität und die kognitive Flexibilität erhöht ist. Beides wird benötigt für Problemlösung, Entscheidungsfindung und Kreativität.
Gute Produktivität fördert die mentale Gesundheit
Ein Abarbeiten der eigenen To-Do-Liste kann wiederum dazu führen, dass das Wohlbefinden steigt.
Wichtig dabei ist, dass auch hier das eigene Energielevel berücksichtigt und nicht über die persönlichen Grenzen gegangen wird. Zudem muss es sich um wahre Produktivität handeln und nicht um „Fake Work“. Häufig machen wir viele kleine Aufgaben, die uns jedoch nicht an unser größeres Ziel bringen und uns von unseren geplanten wichtigen To-Dos abhalten. Um wahre Produktivität erleben und fühlen zu können, benötigen wir klare und eindeutige Ziele.
Ein weiterer positiver Aspekt dabei ist, wenn wir einen Sinn im Erreichen der Ziele sehen. Zudem benötigen wir eine klare Planung der To-Dos, damit wir auf beiden Ebenen feststellen können, ob wir etwas erreicht haben.
Haben wir eine Aufgabe erfolgreich erledigt, schüttet unser Gehirn die Botenstoffe Dopamin und Serotonin aus. Sie fördern unsere Konzentration, unsere Motivation, das Gefühl der Selbstwirksamkeit und reduzieren Stress. Außerdem helfen diese Hormone, unsere emotionale Stabilität zu erhalten und sogar Depressionen vorzubeugen. Produktivität wird so unter den richtigen Bedingungen zum Booster mentaler Gesundheit.
Was bedeutet das für unsere Arbeit?
Hier ein paar konkrete Tipps, die dabei helfen, Produktivität und mentale Gesundheit in Einklang zu bringen und damit eine Aufwärtsspirale entstehen zu lassen, die beide Bereiche nachhaltig positiv fördert:
- Methoden für den Umgang mit Stress erlernen: z.B. Atemtechniken oder Meditation
- Pausieren in Stresssituationen: Sind zu viele Dinge auf einmal zu tun – Pause machen – Stresslevel senken – dann priorisieren
- Klare, realistische Ziele setzen
- Ziele in machbare To-Dos runterbrechen: Klare To-Dos definieren, die maximal 2 Stunden dauern
- Realistische Planung: genügend Pufferzeiten einplanen und lieber weniger vornehmen
- Sichtbar machen: z.B. Ziele notieren mit einem Fortschrittsbalken bis 100 Prozent und jedes Mal weiter ausmalen, wenn man etwas für das Ziel getan hat
- „Fake Work“ stoppen: Aufgaben auf Sinnhaftigkeit und Beitrag zu den Zielen hinterfragen
Das können Unternehmen tun
Auch als Unternehmen kann man hier unterstützen und somit sowohl Produktivität als auch Gesundheit der Mitarbeiter fördern. Ziele zu definieren, diese stets transparent zu halten und nicht nur einmal jährlich beim Kick-off offenzulegen, ist ein erster guter Grundstein. Den Beitrag und Sinn der einzelnen Abteilungen zum Gesamtziel, sowie das größere Ziel sichtbar zu machen, verbessern die Wirkung.
Gerade Führungskräfte können hier einen wichtigen Anteil leisten, indem sie regelmäßig die Prioritäten für das Team offenlegen und diese hinterfragt werden dürfen. Allgemein gilt: Lieber weniger Punkte und diese zeitnah angehen, als zu viele To-Dos auf einmal.
Mentale Gesundheit ist die Basis für Erfolg – für Einzelne, Teams und ganze Unternehmen. Als ehemalige Führungskraft in der Digitalwirtschaft kennt Sandra Mederer, Gründerin von MindFarm, die Herausforderungen moderner Arbeit aus erster Hand. Nach einem Burn-out fand sie Wege, wieder gesund und produktiv zu arbeiten – und gibt dieses Wissen heute weiter. Als ICF-zertifizierter Coach (ACC) und Expertin für mentale Gesundheit, Resilienz, Achtsamkeit und produktives Arbeiten unterstützt sie Unternehmen mit praxisnahen Workshops und (Team-)Coachings.
Kurz zusammengefasst:
- Mentale Gesundheit kann die Produktivität nachweislich um bis zu 21 Prozent steigern.
- Schafft man wahre Produktivität, die zum Erreichen der Ziele beiträgt, kann Produktivität mentale Gesundheit fördern.
- Sowohl die einzelnen Mitarbeiter als auch die Unternehmen und Führungskräfte können hier aktiv unterstützen, um die richtige Balance zu schaffen.
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