Straßenbeleuchtung verdrängt Fledermäuse – erste Städte stellen auf Rot um

Fledermäuse reagieren sensibel auf Straßenbeleuchtung. Rotes Licht stört deutlich weniger und schützt sensible Lebensräume in Städten.

Eine dänische Stadt ersetzt weiße Lampen durch rotes Licht. So bleibt die Straße sicher und Fledermäuse können ihre Jagdgebiete weiter nutzen. (Symbolbild) © Pexels

Eine dänische Stadt ersetzt weiße Lampen durch rotes Licht. So bleibt die Straße sicher und Fledermäuse können ihre Jagdgebiete weiter nutzen. (Symbolbild) © Pexels

Künstliches Licht macht die Nacht heller – und verändert damit ganze Lebensräume. Besonders Fledermäuse reagieren empfindlich auf Straßenlaternen. Viele Arten meiden beleuchtete Bereiche und verlieren dadurch wichtige Jagdgebiete. Eine Studie zeigt: Nicht jedes Licht stört gleich stark. Rotes Licht kann die Tiere deutlich besser schützen als weißes oder grünes.

In Gladsaxe bei Kopenhagen testet die Stadt deshalb eine besondere Lösung. Entlang der Frederiksborgvej leuchten Teile einer Straße und eines Radwegs inzwischen rot statt weiß. Dort lebt eine Fledermauskolonie. Die Beleuchtung soll die Tiere weniger stören und gleichzeitig dafür sorgen, dass Autos und Radfahrer die Strecke sicher nutzen können.

Rotes Licht schützt Fledermäuse deutlich besser

Ganz dunkle Straßen wären für viele nachtaktive Tiere ideal. In Städten lässt sich das aber kaum überall umsetzen. Gladsaxe sucht deshalb einen Kompromiss: Dort wurden 31 etwa einen Meter hohe Leuchtpoller installiert, die rotes Licht abgeben.

Die Poller stehen so weit auseinander, dass lichtscheue Fledermäuse die Straße überqueren können, ohne dauerhaft im Lichtkegel zu fliegen. Gleichzeitig bleibt der Bereich für Verkehr und Radfahrer erkennbar.

Der Grund für die rote Farbe liegt in der Biologie der Tiere. Rotes Licht enthält weniger kurzwellige Anteile wie Blau oder Grün. Diese Wellenlängen stören viele Fledermausarten besonders stark. Rotes Licht wirkt auf sie dagegen fast wie Dunkelheit.

Forscher messen über fünf Jahre die Reaktion der Tiere

Die wissenschaftliche Grundlage stammt aus den Niederlanden. Ein Team um den Biologen Kamiel Spoelstra vom Netherlands Institute of Ecology untersuchte fünf Jahre lang, wie Fledermäuse auf verschiedene Lichtfarben reagieren.

An acht Standorten richteten die Forscher vier Strecken ein: eine mit weißem Licht, eine mit grünem Licht, eine mit rotem Licht und eine dunkle Kontrollstrecke. Die Bedingungen entsprachen realer Beleuchtung an Landstraßen.

Das Ergebnis fiel deutlich aus. Spoelstra sagte: „Wir haben festgestellt, dass diese Fledermäuse unter rotem Licht genauso aktiv sind wie in der Dunkelheit.“ Weißes und grünes Licht verringerten ihre Aktivität dagegen stark.

Helles Licht verdrängt empfindliche Arten

Besonders betroffen sind langsam fliegende und lichtscheue Arten wie die Fransenfledermaus oder das Braune Langohr. Sie meiden helle Bereiche, weil sie dort leichter von Fressfeinden wie Eulen entdeckt werden können.

Für diese Tiere bedeutet weißes Straßenlicht mehr als nur eine Störung. Es kann dazu führen, dass sie Jagdgebiete und Flugrouten nicht mehr nutzen. Rotes Licht erhält solche Bereiche dagegen eher als Lebensraum.

Schnelle Arten wie Zwergfledermäuse reagieren anders. Sie nutzen beleuchtete Bereiche mitunter sogar zur Jagd, weil sich dort Insekten sammeln. Das zeigt aber auch: Eine Beleuchtung kann einzelnen Arten helfen und andere verdrängen.

An der Frederiksborgvej lebt eine Fledermauskolonie. Deshalb passt die Stadt die Straßenbeleuchtung so an, dass sie die Tiere möglichst wenig stört.
An der Frederiksborgvej lebt eine Fledermauskolonie. Deshalb hat die Stadt die rote Straßenbeleuchtung eingesetzt, damit das Licht die Tiere möglichst wenig stört. © Gladsaxe

Erste Städte setzen bereits auf fledermausfreundliches Licht

Gladsaxe ist nicht allein. In Zuidhoek-Nieuwkoop in den Niederlanden wurde 2018 erstmals eine besonders tierfreundliche rote Beleuchtung installiert. In Großbritannien entstand 2019 nahe Worcester eine 60 Meter lange rote Lichtpassage für Fledermäuse, wie euronews berichtet.

Für Städte ist das ein praktikabler Weg: Wo Licht nötig ist, muss es nicht immer grellweiß sein. Schon die Farbe, die Höhe und die Abstände der Leuchten können entscheiden, ob Fledermäuse eine Strecke weiter nutzen.

Rote LED-Leuchten sparen zudem Energie und müssen seltener gewartet werden. Für Kommunen kann die Umstellung deshalb auch finanzielle Vorteile bringen.

Kurz zusammengefasst:

  • Straßenbeleuchtung beeinflusst Fledermäuse stark, vor allem die Lichtfarbe entscheidet darüber, ob sie Lebensräume meiden oder weiter nutzen.
  • Weißes und grünes Licht stören viele Arten deutlich, während rotes Licht kaum Einfluss hat und ähnlich wie Dunkelheit wirkt.
  • Städte können durch gezielte Lichtplanung Verkehrssicherheit erhalten und gleichzeitig Tiere schützen, etwa durch den Einsatz roter Beleuchtung in sensiblen Bereichen.

Übrigens: Während Straßenbeleuchtung das Verhalten von Fledermäusen verändert, zeigt UV-Licht ein verborgenes Detail – ihre Flügel leuchten plötzlich grün. Forscher messen das Phänomen erstmals genau, doch die Ursache bleibt unklar. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

What do you feel about this?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert