Aphel 2026: Erde ist am 6. Juli am weitesten von der Sonne entfernt
Am 6. Juli 2026 ist die Erde am weitesten von der Sonne entfernt. Warum auf der Nordhalbkugel trotzdem Sommer herrscht, erklärt die Erdachse.
Am 6. Juli 2026 steht die Erde an ihrem sonnenfernsten Punkt: Rund 152,1 Millionen Kilometer trennen sie dann von der Sonne. © Wikimedia
Am 6. Juli 2026 ist die Erde am weitesten von der Sonne entfernt. Mitten im Sommer auf der Nordhalbkugel steht unser Planet dann am äußersten Punkt seiner Umlaufbahn. In Deutschland heizen sich Städte auf, Badeseen füllen sich, Balkone glühen in der Nachmittagssonne. Und trotzdem trennen Erde und Sonne an diesem Tag rund 152,1 Millionen Kilometer.
Der Moment heißt Aphel. Das Wort kommt aus dem Griechischen: „apo“ bedeutet „fern“ oder „weg von“, „helios“ bedeutet „Sonne“ – also sinngemäß sonnenfernster Punkt. Die Erde erreicht diesen Punkt 2026 laut Earthsky um 17.30 Uhr UTC. In Deutschland ist es dann 19.30 Uhr. Sechs Monate später liegt sie der Sonne deutlich näher. Anfang Januar erreicht die Erde das Perihel (peri = nah, helios = Sonne), ihren sonnennächsten Punkt. Dann beträgt der Abstand ungefähr 147,1 Millionen Kilometer. Zwischen beiden Punkten liegen also rund fünf Millionen Kilometer.
Erde entfernt sich jetzt besonders weit von der Sonne
Fünf Millionen Kilometer klingen nach einer gewaltigen Strecke. Im Maßstab des Sonnensystems ist der Unterschied aber klein. Im Jahresmittel trennen Erde und Sonne etwa 149,6 Millionen Kilometer. Diese Entfernung entspricht ungefähr einer Astronomischen Einheit, kurz AE. Die Erde läuft also nicht auf einem perfekten Kreis um die Sonne, sondern auf einer leicht ovalen Bahn.
Dadurch wechseln Aphel und Perihel einander ab. Der Abstand zur Sonne verändert sich im Laufe eines Jahres um etwas mehr als drei Prozent. Für Wetter und Jahreszeiten ist das zu wenig. Auf der Nordhalbkugel liegt der größte Sonnenabstand ausgerechnet im Juli. Im Januar, wenn in Deutschland Winter herrscht, kommt die Erde der Sonne am nächsten.

Warum der Sommer nicht von der Entfernung abhängt
Für Sommer und Winter zählt vor allem die Schieflage der Erde. Die Erdachse steht nicht gerade auf der Umlaufbahn. Sie ist um etwa 23,5 Grad geneigt. Dadurch neigt sich die Nordhalbkugel im Juni und Juli stärker zur Sonne. Die Sonnenstrahlen treffen steiler auf den Boden. Außerdem bleiben die Tage länger hell.
„Die geneigte Achse der Erde verursacht die Jahreszeiten, nicht ihre wechselnde Entfernung“, erklärt die NASA. Im Dezember kippt die Nordhalbkugel von der Sonne weg. Die Tage werden kürzer, die Sonne steht niedriger, und ihre Energie verteilt sich auf eine größere Fläche. Deshalb beginnt der Winter, obwohl die Erde dann näher an der Sonne steht.
Erde am weitesten von der Sonne entfernt – trotzdem bleibt es warm
Der Blick auf die Südhalbkugel macht den Unterschied besonders deutlich. Wenn in Europa Sommer ist, herrscht in Südafrika, Argentinien oder Australien Winter. Dort neigt sich die jeweilige Halbkugel im Juli von der Sonne weg. Wer zu dieser Zeit nach Kapstadt reist, braucht eher eine Jacke als Badehose.
Der Abstand zur Sonne bleibt trotzdem messbar. Am Aphel erreicht weniger Sonnenenergie die Erde als am Perihel. Der Unterschied liegt bei knapp sieben Prozent. Denn mit wachsendem Abstand verteilt sich das Sonnenlicht auf eine größere Fläche.
Die Sonne wirkt im Juli etwas kleiner
Auch die Sonnenscheibe erscheint im Juli minimal kleiner als im Januar: Am Perihel ist sie etwas größer, am Aphel etwas kleiner. Der scheinbare Durchmesser unterscheidet sich um rund 3,6 Prozent. Mit bloßem Auge lässt sich das nicht erkennen.
Weniger Sonnenlicht am Aphel bedeutet auch keinen deutlich kühleren Sommer. Ozeane und Atmosphäre speichern Wärme. Landflächen heizen sich unterschiedlich schnell auf. Außerdem reagiert die Erde träge auf veränderte Sonneneinstrahlung.
Der Abstand wirkt schwächer als die Erdachse
Die wechselnde Entfernung zur Sonne kann die globale Temperatur um etwa fünf Grad Celsius beeinflussen, ordnet der Astronom Phil Plait im Scientific American ein. Für die Jahreszeiten in Deutschland bleibt die Neigung der Erdachse aber entscheidend. Sie verändert Sonnenstand, Tageslänge und Einstrahlungswinkel viel stärker als der Abstand zur Sonne.
Deshalb kann ein Sommertag auf der Nordhalbkugel trotz Aphel heiß werden. Im Juli steht die Sonne hoch, die Tage sind lang, und viele Flächen haben sich bereits aufgeheizt. Der größere Abstand zur Sonne schwächt diese Wirkung nur leicht ab.
Warum der Sommer auf der Nordhalbkugel länger dauert
Das Aphel hat noch eine andere Folge. Die Erde bewegt sich auf ihrer Bahn nicht immer gleich schnell. Wenn sie weiter von der Sonne entfernt ist, läuft sie etwas langsamer. Im Juli passiert genau das. Deshalb braucht die Erde für diesen Abschnitt ihrer Bahn etwas mehr Zeit.
Auf der Nordhalbkugel dauert der astronomische Sommer dadurch länger als der Winter. Gemeint ist die Zeit von der Sommersonnenwende bis zur Herbst-Tagundnachtgleiche. Der Winter fällt in die Phase, in der die Erde näher an der Sonne ist und schneller läuft. Deshalb ist er etwas kürzer.
Der Unterschied beträgt fast fünf Tage. Auf der Südhalbkugel kehrt sich das Muster um. Dort ist der Winter die längste Jahreszeit und der Sommer die kürzeste.
Aphel 2026 fällt nicht immer auf denselben Tag
Das Aphel fällt nicht jedes Jahr auf denselben Tag. Der sonnenfernste Punkt liegt derzeit meist Anfang Juli, ungefähr zwei Wochen nach der Juni-Sonnenwende. Das Perihel folgt Anfang Januar, rund zwei Wochen nach der Dezember-Sonnenwende. Diese Nähe wirkt wie ein festes Muster, hängt aber mit der heutigen Lage der Erdbahn zusammen.
Die Termine verschieben sich langsam. Mond und Planeten beeinflussen die Erdbahn über lange Zeiträume. Der Zeitpunkt wandert grob um einen Tag in 58 Jahren. Von Jahr zu Jahr kann das Datum ebenfalls leicht springen. Im Jahr 1246 fiel die Dezember-Sonnenwende mit dem Perihel zusammen. Für das Jahr 6430 erwarten Astronomen, dass das Perihel mit der März-Tagundnachtgleiche zusammenfällt.
Kurz zusammengefasst:
- Am 6. Juli 2026 erreicht die Erde ihr Aphel: Sie ist dann rund 152,1 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und steht damit am sonnenfernsten Punkt ihrer Bahn.
- Sommer und Winter entstehen nicht durch den Abstand zur Sonne: Entscheidend ist die um etwa 23,5 Grad geneigte Erdachse, weil sie Sonnenstand, Tageslänge und Einstrahlungswinkel bestimmt.
- Das Aphel hat trotzdem kleine Folgen: Im Juli erreicht etwas weniger Sonnenenergie die Erde, die Sonne erscheint minimal kleiner, und der astronomische Sommer auf der Nordhalbkugel dauert etwas länger als der Winter.
Übrigens: Anfang Juli ist die Erde am weitesten von der Sonne entfernt – doch in ferner Zukunft könnte es um das Gegenteil gehen: Dann entscheidet sich, ob die alternde Sonne unseren Planeten verschluckt oder knapp verfehlt. Warum neue Modelle der Erde eine kleine Chance lassen, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Kevin M. Gill via Wikimedia unter CC BY 2.0
