Carl Sagan warnte 1985 vor der Klimakrise – heute sehen wir, was er kommen sah
Carl Sagan warnte 1985 im US-Senat vor dem Klimawandel – und nannte Folgen wie Erwärmung und steigende Meeresspiegel.
Carl Sagan warnte 1985 vor dem US-Senat vor den Folgen des Klimawandels – Jahrzehnte bevor das Thema die politische Debatte prägte. © Kenneth C. Zirkel via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0
Es ist der 10. Dezember 1985. Carl Sagan sitzt in Washington vor einem Ausschuss des US-Senats. Der berühmte Astronom und Wissenschaftskommunikator spricht nicht über Marsmissionen oder außerirdisches Leben. Sagan warnt vor dem Klimawandel. Steigende Mengen an Kohlendioxid könnten die Erde erwärmen, Gletscher schmelzen lassen und den Meeresspiegel erhöhen. Viele Folgen, über die heute regelmäßig gesprochen wird, beschreibt er damals bereits vor laufenden Kameras.
Sagan ist zu dieser Zeit einer der bekanntesten Wissenschaftler der USA. Millionen kennen ihn aus der Fernsehserie „Cosmos“. Im Ausschuss sitzt ihm unter anderem der damalige Senator Al Gore gegenüber, der später US-Vizepräsident wird. Sagan soll erklären, wie der Treibhauseffekt funktioniert, was andere Planeten darüber verraten und welche Möglichkeiten die Politik hat. Gleich zu Beginn macht er klar, warum Eile nötig sei: „Wenn wir uns jetzt nicht darum kümmern, ist es später zu spät.“
Wie Carl Sagan den Klimawandel erstaunlich klar erklärte
Sagan beginnt bei den Grundlagen. Sonnenlicht erreicht die Erde und erwärmt ihre Oberfläche. Diese gibt Energie anschließend als Infrarotstrahlung wieder ab. Kohlendioxid, Wasserdampf und andere Gase halten einen Teil dieser Wärme zurück. Ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt wäre die Erde laut Sagan rund 30 Grad Celsius kälter. Leben in seiner heutigen Form wäre kaum möglich.
Das Problem entsteht für ihn deshalb nicht durch den Treibhauseffekt selbst. Entscheidend ist dessen Verstärkung. Menschen verbrennen Kohle, Öl, Gas und Holz und bringen damit große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre. Hinzu kommen Methan, Lachgas und halogenierte Gase. Sagan formuliert den Widerspruch bemerkenswert anschaulich: „Ein wenig Treibhauseffekt ist eine gute Sache.“ Zu viel oder zu wenig davon könne die Temperaturen jedoch erheblich verschieben.
Die Venus führt drastisch vor, was Treibhausgase bewirken
Um seine Erklärung greifbarer zu machen, blickt Sagan ins All. Die Venus ist ungefähr so groß wie die Erde, ihre Oberfläche erreicht aber rund 470 Grad Celsius. Allein ihre geringere Entfernung zur Sonne erklärt diese Hitze nicht. Die dichte Atmosphäre besteht fast vollständig aus Kohlendioxid und erzeugt einen massiven Treibhauseffekt. Das CO₂ absorbiert einen großen Teil der Wärmestrahlung, die von der Oberfläche ins All entweichen würde, und gibt sie teilweise wieder zurück. Raumsonden hätten die hohen Temperaturen direkt gemessen.
Auch Mars, Jupiter und der Saturnmond Titan helfen nach Sagans Darstellung beim Verständnis. Klimamodelle lassen sich dort mit völlig anderen Bedingungen prüfen. Stimmen Berechnungen für mehrere Himmelskörper mit Beobachtungen überein, stärkt das auch das Vertrauen in die zugrunde liegende Physik. Für Sagan ist der Treibhauseffekt deshalb kein hypothetisches Gedankenspiel, sondern ein messbarer Vorgang.
US-Medien griffen Sagans Warnung sofort auf
Seine Aussagen verschwinden damals nicht unbemerkt in einem Ausschussprotokoll. Die Nachrichtenagentur UPI berichtet noch am 10. Dezember 1985 über Sagans Auftritt. Sie greift seine Aussage auf, Wissenschaftler seien sich darin einig, dass zunehmende Mengen an Kohlendioxid und anderen Gasen mehr Wärme in der Atmosphäre festhalten. Sagan dränge darauf, jetzt nach Lösungen zu suchen und das Problem nicht kommenden Generationen zu überlassen.
Einen Tag später berichtet auch die Los Angeles Times. Ihre Zusammenfassung klingt selbst vier Jahrzehnte später auffallend aktuell. Sagan habe vor einer Erwärmung gewarnt, die landwirtschaftlich geprägte Gebiete im Mittleren Westen langfristig austrocknen und Küstenstädte überfluten könne. Zugleich nennt die Zeitung die damalige Unsicherheit: Wissenschaftler hätten noch nicht genau gewusst, wann die durch den Treibhauseffekt verursachte Erwärmung kritische Werte erreichen werde. Das Problem selbst bezeichnet Sagan als „real“.
Sagan fordert schon 1985 internationale Klimapolitik
Auch bei möglichen Gegenmaßnahmen klingt Sagan weniger radikal, als seine Warnung vermuten lassen könnte. Einen sofortigen Stopp aller fossilen Energie hält er wegen der wirtschaftlichen Folgen für unrealistisch. Stattdessen spricht er über geringere staatliche Subventionen für fossile Energien, höhere Effizienz und alternative Energiequellen. Solarenergie nennt er ausdrücklich. Langfristig verweist er außerdem auf Kernspaltung und die damals noch fernere Kernfusion.
Am stärksten wird seine Aussage am Ende politisch. Klimawandel sei kein Problem einzelner Staaten und auch keines einer einzigen Generation. Selbst eine Einigung großer Industriemächte reiche nicht aus, wenn schnell wachsende Länder ihren Energiebedarf zunehmend mit Kohle deckten. Sagan nennt ausdrücklich China. Er fordert deshalb eine Perspektive, die über Wahlperioden und nationale Interessen hinausgeht. Seine letzten Worte verdichten die gesamte Anhörung in einem Satz: „Wir sitzen alle gemeinsam in diesem Treibhaus.“
Kurz zusammengefasst:
- Carl Sagan warnte 1985 im US-Senat davor, dass steigende Treibhausgase die Erde erwärmen und den Meeresspiegel anheben können.
- Er erklärte den Treibhauseffekt mit klaren physikalischen Zusammenhängen und verwies auf die Venus als Beispiel für eine extrem aufgeheizte Atmosphäre.
- Sagan forderte schon damals mehr Energieeffizienz, alternative Energiequellen und internationale Zusammenarbeit gegen den Klimawandel.
Übrigens: Ausgerechnet in China, lange Sinnbild für Kohle, Smog und rasantes Wachstum, sinken in Hunderten Städten die NO₂-Werte, obwohl die Wirtschaft weiter wächst. Warum das alte Muster „mehr Wohlstand = mehr fossile Verbrennung“ dort zunehmend bricht, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Kenneth C. Zirkel via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0
