Forscher erklären, warum Trumps 14-Millionen-Dollar-Becken wieder grün wurde

Trumps 14-Millionen-Dollar-Becken wurde wieder grün. Forscher erklären, warum der Reflecting Pool Algen ideale Bedingungen bietet.

Der frisch renovierte Reflecting Pool kippte nach wenigen Tagen wieder um – Forscher kennen den Grund.

Der frisch renovierte Reflecting Pool kippte nach wenigen Tagen wieder um – Forscher kennen den Grund. © Wikimedia

Nur wenige Tage nach der 14-Millionen-Dollar-Renovierung schimmerte der Reflecting Pool in Washington nicht mehr blau, sondern grün. Vor dem Lincoln Memorial breitete sich erneut eine Algenblüte aus. Für Steuerzahler in den USA wurde es teuer, wissenschaftlich ist der Fall weniger überraschend.

Limnologen erklären bei The Conversation, warum das berühmte Wasserbecken Algen fast ideale Bedingungen bietet. Limnologen untersuchen Seen, Flüsse, Teiche und andere Binnengewässer. Für sie passt der Reflecting Pool in ein bekanntes Muster: flaches Wasser, volle Sonne, Wärme und wenig Bewegung. Kommen Nährstoffe hinzu, kann das Wasser innerhalb kurzer Zeit kippen.

Forscher erklären die Algenblüte im Reflecting Pool anders

Die grüne Verfärbung sorgte Mitte Juni für Empörung. Der Pool war kurz zuvor nach der Renovierung wiedereröffnet worden. US-Präsident Donald Trump hatte das Projekt als Erfolg dargestellt. Danach färbte sich das Wasser erneut grün. Es folgten chemische Behandlungen, öffentliche Kritik und sogar politische Vorwürfe.

Aus Sicht der Gewässerforscher liegt die Erklärung jedoch im Becken selbst. Algenblüten entstehen selten aus dem Nichts. Sie wachsen, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig zusammenkommen. Das Wasser braucht Nährstoffe, Wärme und Licht. Und es braucht Ruhe. Diese Mischung findet sich im Reflecting Pool besonders leicht.

Flaches Wasser heizt sich schnell auf

Der Reflecting Pool ist kein natürlicher See. Er ist ein flaches, künstlich angelegtes Wasserbecken zwischen zwei berühmten Monumenten. Seine Aufgabe ist vor allem optisch: Es soll spiegeln, ruhig wirken und das Lincoln Memorial eindrucksvoll inszenieren. Aus ökologischer Sicht macht diese Bauweise das Becken anfällig.

Flaches Wasser erwärmt sich schneller als tiefes Wasser. Sonnenlicht erreicht große Teile des Wasserkörpers. Wind und Strömung können die Wassermassen kaum durchmischen. Algen bekommen dadurch viel Licht für die Photosynthese. Außerdem können sie sich leichter an der Oberfläche sammeln. Dort entsteht dann der grüne Film, der vom Ufer aus sofort auffällt.

Nährstoffe liefern den Algen ihren Treibstoff

Algen brauchen wie Pflanzen Nährstoffe zum Wachsen. In Süßwasser entscheiden vor allem Phosphor und teilweise Stickstoff darüber, wie stark sie sich vermehren können. Gelangen zu viele dieser Stoffe ins Wasser, wirkt das wie Dünger. Die Algen wachsen dann besonders schnell. Dieser Nährstoffüberschuss wird Eutrophierung genannt.

Solche Nährstoffe können aus Regenwasser, städtischem Abfluss, Abwasser oder verrottendem organischem Material stammen. Auch Laub, Vogelkot oder Schmutz können in kleinen und flachen Becken eine Rolle spielen.

Wärme beschleunigt das Wachstum deutlich

Hohe Temperaturen verschärfen das Problem. Warmes Wasser beschleunigt den Stoffwechsel vieler Algen. Längere Sommer und häufigere Hitzewellen verlängern außerdem die Zeit, in der sich Algen stark vermehren können. Deshalb treten Algenblüten in vielen Süßgewässern häufiger auf.

Der Reflecting Pool erfüllt nach Einschätzung der Wissenschaftler fast alle Bedingungen für eine schnelle Vermehrung. Ein Limnologe brachte es bei The Conversation zugespitzt auf den Punkt: „Wenn wir ein System bauen wollten, in dem Algen wachsen, würde es dem Reflecting Pool erstaunlich ähnlich sehen.“ Der Satz erklärt, warum die grüne Farbe nach der Renovierung nicht automatisch auf Sabotage oder ein einzelnes technisches Versagen hindeutet.

Chemie trifft oft nur das sichtbare Problem

Gegen Algen gibt es mehrere Mittel. Behörden können Algen mechanisch entfernen. Sie können Algizide einsetzen, Wasserstoffperoxid nutzen, das Wasser belüften oder technische Verfahren verwenden. Im Reflecting Pool kamen auch sogenannte Nanoblasen zum Einsatz. Solche Verfahren können die Wasserqualität kurzfristig verbessern. In kleinen, kontrollierten Becken funktionieren solche Maßnahmen oft gut. In größeren oder offenen Systemen wird die Kontrolle schwieriger.

Das Grundproblem verschwindet dadurch aber nicht immer. Viele Behandlungen bekämpfen die sichtbare Blüte, nicht aber die Bedingungen dahinter. Wenn Nährstoffe, Wärme, Sonne und ruhiges Wasser bleiben, können Algen erneut wachsen.

Warum Algen immer wieder zurückkommen

Eine Algenblüte ist deshalb weniger mit Schmutz auf einer Oberfläche vergleichbar. Sie ähnelt eher einem biologischen Signal aus dem Wasser. Die grüne Farbe zeigt, dass die Bedingungen im Becken für starkes Wachstum passen. Wird nur die sichtbare Schicht behandelt, bleibt das System anfällig.

Die Forscher vergleichen Algenblüten sinngemäß mit einer Kontrollleuchte im Auto. Sie zeigen an, dass unter der Oberfläche etwas passiert. Beim Reflecting Pool ist dieser Hinweis besonders auffällig, weil das Becken mitten in Washington liegt und täglich von vielen Menschen gesehen wird. Die ökologischen Abläufe unterscheiden sich aber kaum von denen in Teichen, Seen oder anderen flachen Gewässern.

Kurz zusammengefasst:

  • Der Reflecting Pool wurde trotz 14-Millionen-Dollar-Renovierung wieder grün, weil sein flaches, sonniges und ruhiges Wasser Algen besonders gute Wachstumsbedingungen bietet.
  • Für eine Algenblüte reichen Wärme und Licht allein nicht aus: Entscheidend sind auch Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff, die Algen wie Dünger antreiben.
  • Chemische Behandlungen können die grüne Schicht kurzfristig bekämpfen, lösen aber nicht das Grundproblem, solange Nährstoffe, Wärme, Sonne und stehendes Wasser erhalten bleiben.

Übrigens: Während Algen im Reflecting Pool zum Ärgernis wurden, könnten andere Mikroorganismen künftig saubere Energie liefern. Wie Forscher Blaualgen so schützen, dass sie länger grünen Wasserstoff aus Sonnenlicht produzieren, lesen Sie in unserem Artikel.

Bild: © SWinxy via Wikimedia unter CC BY-SA 4.0

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