Aufholjagd: Jetzt müssen deutsche Autobauer von China lernen

Deutsche Autobauer riskieren einen Rückstand gegenüber US- und chinesischen Marken im Segment der „Software-definierten Fahrzeuge”.

Deutsche Autobauer China

Im Bereich „Software-definierte Fahrzeuge” befindet sich der chinesische Autohersteller Nio auf Platz zwei hinter Tesla. © Wikimedia

Deutsche Autobauer befinden sich im Vergleich mit China und den USA nur noch im Mittelfeld. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung Horváth zeigt, dass die deutschen Marken im internationalen Markt technologisch überholt wurden. Auf dem Feld der „Software-definierten Fahrzeuge“, kurz SDV (Software Defined Vehicle), führt der US-amerikanische Hersteller Tesla die Branche an, gefolgt von den chinesischen Unternehmen Nio und Xiaomi sowie XPeng.

Anpassung dringend nötig

Laut der Studie sind deutschen Autobauer durch historisch gewachsene Strukturen und eine zu langsame Anpassung an neue Technologien ins Hintertreffen geraten. „Während die ausländischen Tech-Giganten ihre Stärken in der Auto-Digitalisierung ausspielen, hinken die deutschen Autobauer hinterher“, sagt Tobias Bock, Automobilexperte bei Horváth. Er betont, dass agile Strukturen und eine konsequente schnelle Transformation dringend erforderlich sei, um die Lücke zu schließen.

Software als Umsatzmotor

In der Ära der Digitalisierung spielt Software eine zunehmend entscheidende Rolle. Nicht nur in Bezug auf autonomes Fahren oder verbesserte Effizienz des E-Motors, sondern auch im Bereich der digitalen Services für Endkunden. „Nach dem Motto ‚Software first!‘ müssen Autos neu gedacht werden“, erläutert Bock. Die Horváth-Studie prognostiziert, dass der Umsatz, der durch den Einsatz von Software ermöglicht wird, jährlich um 10 bis 15 Prozent steigen könnte.

Marktveränderungen und Kundenerwartungen

Die Untersuchung beleuchtet ebenfalls, wie unterschiedliche Erwartungen der Käuferschaft in verschiedenen Märkten die deutschen Autobauer zusätzlich herausfordern. Während in Europa traditionell der Fokus auf Qualität und Komfort liegt, ist in Asien vor allem die Nachfrage nach Konnektivität und Infotainment stark. Diese unterschiedlichen Schwerpunkte erschweren es deutschen Unternehmen, global zu konkurrieren.

Strategische Neuausrichtung gefordert

Laut Bock sollten deutsche OEMs (Original Equipment Manufacturer = Erstausrüster) den Fokus darauf setzen, ihre Organisation auf Geschwindigkeit zu trimmen. „Das heißt vor allem, interne Bürokratie abzubauen und Entscheidungen zu beschleunigen. Auf dem Weg zum digitalisierten Fahrzeug braucht es mehr Entschlossenheit, Wagnis und Tempo.“

Aufholjagd als Chance

Die Zukunft der Mobilität wird durch Technologien bestimmt, die weit über die mechanischen Komponenten hinausgehen und eine tiefe Integration von Software erfordern. Nur durch eine tiefgreifende Transformation können deutsche Automobilhersteller hoffen, ihre führende Position in der globalen Automobilindustrie zurückzugewinnen.

Was du dir merken solltest:

  • Deutsche Autobauer befinden sich technologisch im Mittelfeld; die Wettbewerber aus den USA und China haben die Nase vorn. Insbesondere Tesla und Nio sind führend in der Entwicklung von softwaredefinierten Fahrzeugen.
  • Die zentrale Herausforderung für deutsche Automobilhersteller liegt in der Notwendigkeit, ihre Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und agilere Strukturen zu schaffen. Nur so können sie mit der schnell fortschreitenden Digitalisierung Schritt halten.
  • Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich deutsche Unternehmen an die diversen Kundenbedürfnisse anpassen. Das erfordert eine strategische Neuausrichtung auf Software und digitale Services.

Bild: © Maxhdtenda via Wikimedia unter CC4-Lizenz

2 thoughts on “Aufholjagd: Jetzt müssen deutsche Autobauer von China lernen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert