Ammoniak-Antrieb funktioniert erstmals ohne fossile Beimischung

Fraunhofer-Forscher zeigen einen Ammoniak-Antrieb, der ohne Benzin auskommt und den nötigen Wasserstoff direkt im Fahrzeug erzeugt.

Im Teststand nutzt der Ammoniakmotor von Fraunhofer die Motorabwärme, um Ammoniak in Wasserstoff umzuwandeln. © First Ammonia Motors

Im Teststand nutzt der Ammoniakmotor von Fraunhofer die Motorabwärme, um Ammoniak in Wasserstoff umzuwandeln. © First Ammonia Motors

Schwere Lkw, Frachtschiffe und Industrieanlagen stellen die Energiewende vor ein praktisches Problem. Für sie eignen sich Batterien oft nur eingeschränkt. Ein neuer Ammoniak-Antrieb nutzt einen Energieträger, der sich gut speichern und transportieren lässt, und kommt nun erstmals im Motorbetrieb zum Einsatz.

Der Motor nutzt reinen Ammoniak ohne fossilen Zusatzkraftstoff und erzeugt den nötigen Wasserstoff direkt im Fahrzeug. Die bisher übliche Beimischung von Benzin oder Methanol entfällt damit. Der entscheidende Vorteil liegt im System selbst. Es nutzt die entstehende Abwärme, um den Prozess aufrechtzuerhalten.

Wie der Ammoniak-Antrieb Wasserstoff selbst erzeugt

Das System entstand in Zusammenarbeit zwischen First Ammonia Motors und dem Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM. Die Forscher entwickelten ein Konzept, das Ammoniak direkt im Fahrzeug spaltet. Dabei entsteht Wasserstoff, der die Verbrennung stabilisiert. Laut dem Entwicklerteam von First Ammonia Motors „wird die erforderliche Wasserstoffbeimischung im Fahrzeug aus dem Ammoniak erzeugt“.

Ammoniak lässt sich schwer entzünden. Das galt lange als großes Hindernis. Der neue Ansatz löst dieses Problem im laufenden Betrieb. Der Motor erzeugt seinen eigenen Zusatztreibstoff. Dadurch bleibt das System unabhängig von externer Versorgung mit Wasserstoff.

Die Technik nutzt einen sogenannten Cracker. In diesem Reaktor wird Ammoniak in Wasserstoff und Stickstoff zerlegt. Die nötige Wärme kommt aus dem Motor selbst. Das Fraunhofer-Team erklärt, dass „abgesehen vom Start des Fahrzeugs kein zusätzlicher Treibstoff oder Elektrizität benötigt wird“. Das verbessert die Effizienz im Betrieb deutlich.

Erste Probefahrt bringt Technik auf die Straße

Am 27. Juni 2025 fährt ein Testfahrzeug am Stadtrand von Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina. Der Motor läuft vollständig mit Ammoniak. Ein klassischer Ottomotor dient als Grundlage.

Nach Angaben von First Ammonia Motors handelt es sich um „einen Motor, der ausschließlich mit Ammoniak betrieben wird – ohne Beimischung fossiler Energieträger“. Diese Eigenschaft macht den Unterschied zu bisherigen Lösungen. Zudem nutzt das System die Abgase weiter. Sie liefern die Energie für den chemischen Prozess im Reaktor.

Was den Ansatz neu macht:

  • Kein fossiler Zusatzkraftstoff nötig
  • Wasserstoff entsteht direkt im Fahrzeug
  • Abwärme treibt den Prozess an
  • Emissionen bestehen aus Stickstoff und Wasserdampf

Technik eignet sich für schwer elektrifizierbare Bereiche

Der Ansatz richtet sich gezielt an Anwendungen, bei denen Batterien an Grenzen stoßen. Dazu gehören schwere Lkw, Schiffe oder stationäre Anlagen. In diesen Bereichen zählen Reichweite, Gewicht und schnelle Betankung.

Ammoniak kann diese Anforderungen erfüllen. Der Stoff lässt sich flüssig speichern und weltweit transportieren. Dadurch eignet er sich als Energieträger für große Distanzen und hohe Leistungen. Das Fraunhofer IMM entwickelt dafür kompakte Systeme. Sie kombinieren Reaktoren, Katalysatoren und Steuerungstechnik in einer Einheit. Ziel ist eine dezentrale Energieversorgung direkt am Einsatzort.

Wie Abwärme den Antrieb praxistauglich macht

Die Technik arbeitet als geschlossenes System. Sie produziert den benötigten Wasserstoff dort, wo er gebraucht wird. Das reduziert den Bedarf an Infrastruktur. Zudem steigt die Effizienz, weil vorhandene Energie genutzt wird.

Aus Sicht des Fraunhofer-Teams liegt ein zentraler Vorteil darin, dass „die Abwärme des Motors genutzt wird, um Ammoniak zu spalten“. Dieser Punkt entscheidet über die Alltagstauglichkeit. Ohne diese Nutzung würde der Energiebedarf deutlich steigen.

Auf der Hannover Messe 2026 zeigen die Entwickler die komplette Prozesskette. Besucher erhalten Einblicke in den Weg vom Energieträger über die Umwandlung bis zur Nutzung im Motor. Gezeigt werden vor allem Lösungen für Lastwagen, Schiffe, Industrieanlagen und die Energieversorgung vor Ort.

Kurz zusammengefasst:

  • Ein Fraunhofer-Team entwickelt einen Ammoniak-Antrieb, der erstmals einen Motorbetrieb ohne fossilen Zusatzkraftstoff ermöglicht, da Wasserstoff direkt im Fahrzeug aus Ammoniak erzeugt wird.
  • Die Technik nutzt die Abwärme des Motors, um Ammoniak zu spalten, wodurch im laufenden Betrieb kein zusätzlicher Energieeinsatz nötig ist.
  • Der Ansatz eignet sich besonders für Schwerlastverkehr, Schifffahrt und Industrie; dort stoßen E-Antriebe häufig an praktische Grenzen.

Übrigens: Ammoniak gilt längst als möglicher Energieträger der Zukunft, doch eine große Analyse zeigt, dass Herstellung und Transport die Klimabilanz stark beeinflussen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © First Ammonia Motors

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