Schlaflos, ängstlich, langsamer – was die Wechseljahre im Kopf anrichten

Große Studie mit 125.000 Frauen zeigt: Nach der Menopause nehmen Angst, Schlafprobleme und Veränderungen im Gehirn zu.

Frau fasst sich an den Kopf

Bei vielen Frauen lassen sich nach der Menopause Veränderungen im Gehirn messen, die Stimmung, Schlaf und Denktempo betreffen. © Unsplash

Die meisten Frauen verbinden die Wechseljahre vor allem mit körperlichen Veränderungen: Hitzewallungen, Gewichtsschwankungen, Schlafprobleme. Doch auch im Kopf verschiebt sich vieles. Gefühle kippen schneller, Sorgen werden lauter. Was lange bloß ein Gefühl war, wird nun von Zahlen untermauert. In dieser Lebensphase verändert sich nicht nur der Hormonhaushalt, auch das Gehirn bleibt davon nicht unberührt.

Eine der bislang umfangreichsten Auswertungen stammt von einem Forschungsteam der University of Cambridge und basiert auf Daten der britischen UK Biobank. Analysiert wurden Angaben von fast 125.000 Frauen, ergänzt durch kognitive Tests und Hirnscans.

Das Ergebnis ist eindeutig: Nach dem Ende der fruchtbaren Phase nehmen Angstzustände, depressive Symptome und Schlafstörungen deutlich zu. Gleichzeitig verliert das Gehirn graue Substanz in Bereichen, die Emotionen, Aufmerksamkeit und Gedächtnis steuern. Die Menopause wirkt sich bis ins Gehirn aus.

Wenn Stimmung und Schlaf aus dem Takt geraten – was im Gehirn während der Menopause passiert

Auffällig ist vor allem die psychische Belastung nach der Menopause. Frauen suchen häufiger ärztliche Hilfe wegen Angst, innerer Unruhe oder gedrückter Stimmung. Auch Medikamente gegen Depressionen oder Angststörungen werden öfter verschrieben als zuvor. Diese Veränderungen treten nicht vereinzelt auf, sondern bei vielen Frauen zur gleichen Zeit.

Besonders interessant ist der Blick auf Frauen, die eine Hormonersatztherapie (HRT) erhalten. Sie berichten im Schnitt häufiger von seelischen Problemen als Frauen ohne diese Behandlung. Das liegt jedoch nicht daran, dass die Therapie solche Beschwerden auslöst. Eine genauere Auswertung zeigt vielmehr: Viele Betroffene hatten bereits vor Beginn der HRT psychische Probleme. Die Hormone wurden daher oft vorsorglich verordnet, um eine mögliche Verschlechterung abzufangen.

Hormontherapie lindert nicht, was viele erwarten

Auch beim Schlaf zeigt sich ein ähnliches Muster. Nach der Menopause schlafen Frauen kürzer, wachen häufiger auf und fühlen sich tagsüber erschöpfter. Diese Müdigkeit bleibt selbst dann bestehen, wenn die Schlafdauer kaum von der anderer Frauen abweicht. Besonders ausgeprägt ist sie bei jenen, die Hormone einnehmen. Die Therapie verbessert einzelne körperliche Symptome, ändert aber wenig an der Erschöpfung.

In der kognitiven Leistung ergibt sich ein differenziertes Bild. Das Gedächtnis bleibt stabil. Erinnerungen, Zahlen oder einfache Aufgaben gelingen weiterhin zuverlässig. Das Denktempo dagegen verlangsamt sich leicht. Reaktionen dauern länger, Entscheidungen brauchen mehr Zeit. Dieser Effekt passt zum normalen Alterungsprozess, scheint sich rund um die Wechseljahre jedoch zu verstärken.

Hirnscans zeigen eindeutige Veränderungen

Besonders deutlich werden die Veränderungen in den Hirnscans. Bei rund 10.800 Frauen lagen Magnetresonanztomografien vor. Dort zeigt sich ein messbarer Rückgang grauer Substanz in mehreren Regionen:

  • im Hippocampus, der neue Erinnerungen verarbeitet
  • im entorhinalen Kortex, einer Schaltstelle für Gedächtnisinhalte
  • im vorderen cingulären Kortex, wichtig für Emotionsregulation und Aufmerksamkeit

Diese Volumenverluste treten nach der Menopause auf und sind bei Frauen mit Hormonersatztherapie am stärksten ausgeprägt. Die Veränderungen erklären keine Demenz, markieren aber eine erhöhte Verwundbarkeit bestimmter Hirnfunktionen.

Die Menopause verändert das Leben – mit oder ohne Hormone

Dr. Christelle Langley von der Universität Cambridge ordnet die Ergebnisse vorsichtig ein: „Die meisten Frauen durchlaufen die Wechseljahre, und sie können ein einschneidendes Ereignis sein – unabhängig davon, ob Hormone eingenommen werden oder nicht.“ Gerade in dieser Phase spielten Bewegung, Aktivität und eine ausgewogene Ernährung eine wichtige Rolle. Zugleich brauche es mehr Sensibilität für die psychische Belastung. „Es sollte keine Hemmung geben, Probleme offen anzusprechen und Unterstützung zu suchen“, sagt Langley.

Auch Prof. Barbara Sahakian, leitende Autorin der Studie, weist auf einen größeren Zusammenhang hin. „Die Hirnregionen, in denen wir die stärksten Unterschiede sehen, gehören zu denen, die häufig bei Alzheimer betroffen sind“, erklärt sie. Das könne helfen zu verstehen, warum Demenzerkrankungen bei Frauen deutlich häufiger auftreten als bei Männern. Eine direkte Vorhersage lasse sich daraus nicht ableiten, wohl aber ein besseres Verständnis für biologische Risiken.

Kurz zusammengefasst:

  • Daten von fast 125.000 Frauen aus der UK Biobank zeigen: Nach der Menopause häufen sich Angst, depressive Symptome und Schlafprobleme, während das Gedächtnis insgesamt stabil bleibt.
  • Hirnscans belegen zugleich messbare Veränderungen: In Regionen für Emotionen, Aufmerksamkeit und Erinnerung nimmt die graue Substanz ab, besonders nach den Wechseljahren.
  • Eine Hormonersatztherapie erweist sich dabei nicht als Schutz für Psyche oder Gehirn, da viele betroffene Frauen bereits vor Beginn der Behandlung psychisch stärker belastet waren.

Übrigens: Was die Wechseljahre im Gehirn auslösen, wirkt sich auch im Job aus – Schlafmangel, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme führen jedes Jahr zu Millionen Fehltagen und hohen Kosten für Unternehmen. Warum Betriebe Frauen in dieser Lebensphase gezielt entlasten sollten und welche Lösungen helfen, mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert