Vor allem Mädchen betroffen: Hohe Bildschirmzeit erhöht das Risiko einer Depression
Eine hohe Bildschirmzeit führt zu schlechterem Schlaf, was sich vor allem bei Mädchen in Form von Symptomen einer Depression bemerkbar macht.

Häufige Bildschirmnutzung verschlechtert die Schlafqualität, verkürzt die Schlafdauer und bringt den natürlich Schlafrhythmus durcheinander. © Pexels
Bildschirmzeit am Abend verschlechtert den Schlaf und erhöht das Risiko, Symptome einer Depression zu entwickeln – vor allem bei Mädchen. Schlechtere Schlafqualität, kürzere Schlafdauer und ein verschobener Schlafrhythmus sind dabei drei zentrale Faktoren. Das zeigt eine Langzeitstudie aus Stockholm, die in der Fachzeitschrift PLOS Global Public Health veröffentlicht wurde.
Die Studie begleitete mehr als 4.800 Schüler aus Stockholm über einen Zeitraum von zwölf Monaten. Sie waren alle zwischen 12 und 16 Jahre alt und gaben an, drei bis vier Stunden täglich mit Fernsehen, Computerspielen, Social Media oder Streaming zu verbringen – eine Stunde mehr, als die schwedische Gesundheitsbehörde im Jahr 2024 empfohlen hatte. Gleichzeitig wurden ihre Schlafgewohnheiten und depressive Beschwerden regelmäßig erfasst.
Bildschirmzeit beeinflusst Schlaf auf vier verschiedene Arten
Die Forscher wollten herausfinden, ob hohe Bildschirmzeit den Schlaf beeinflusst – und ob schlechter Schlaf wiederum depressive Symptome begünstigt. Dafür untersuchten sie vier Bereiche: Schlafqualität, Schlafdauer, den natürlichen Schlafrhythmus („Chronotyp“) und den sozialen Jetlag – also die Diskrepanz zwischen sozialen und biologischen Zeiten, die sich besonders an unterschiedlichen Schlafzeiten an Schultagen und Wochenenden zeigt.
Das Ergebnis: Drei der vier Schlafbereiche verschlechterten sich durch häufige Bildschirmnutzung. Die Jugendlichen schliefen kürzer, hatten eine schlechtere Schlafqualität und entwickelten einen verschobenen Schlafrhythmus. Nur beim sozialen Jetlag konnte kein eindeutiger Zusammenhang festgestellt werden.
Mädchen erleben Schlafmangel durch Bildschirme anders Jungen
Bei Mädchen hatte vor allem die Schlafqualität einen starken Einfluss auf die psychische Gesundheit: Sie allein erklärte 57 Prozent des Zusammenhangs zwischen Bildschirmzeit und Depression. Die Schlafdauer machte 38 Prozent aus, der verschobene Rhythmus 45 Prozent. Ein direkter Zusammenhang ohne den Umweg über den Schlaf wurde bei Mädchen nicht gefunden.
Bei Jungen war der Effekt anders gelagert: Zwar zeigte sich auch bei ihnen eine Verschlechterung der Schlafdauer und des Schlafrhythmus, doch dies führte nicht zu einem Anstieg depressiver Symptome. Stattdessen gab es einen schwachen, aber direkten Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und depressiven Beschwerden.
Die Studienautoren vermuten, dass Schlafmangel bei Jungen eher zu Unruhe, impulsivem Verhalten und weiteren externalisierenden – also nach außen verlagerten – Symptomen führt. Die psychologischen Folgen könnten bei Jungen daher andere sein als bei Mädchen.
Schwedische Empfehlung: Maximal drei Stunden pro Tag
Die Studie stützt mit ihren neuen Daten die sogenannte „Screen-Sleep-Displacement“-Theorie, so die Forscher. Diese Theorie besagt, dass Bildschirmzeit insbesondere am Abend den Schlaf in mehreren Aspekten verdrängt. Dies wiederum kann, vor allem bei Mädchen, die psychische Gesundheit beeinträchtigen.
Die Studie stützt somit die Empfehlung der schwedischen Gesundheitsbehörde von maximal drei Stunden Bildschirmzeit pro Tag, so die Forscher. Die Daten deuten darauf hin, dass bereits eine Stunde mehr Bildschirmzeit pro Tag messbare negative Auswirkungen auf den Schlaf und das psychische Wohlbefinden von Teenagern hat.
Auf Kinder wirkt sich exzessive Bildschirmzeit noch einmal anders aus als auf Teenager. Darauf lässt zumindest eine Studie aus den USA schließen, die einen Anstieg manischer Symptome erkannt hat.
Kurz zusammengefasst:
- Bildschirmzeit am Abend kann die Schlafqualität, Schlafdauer und den Schlafrhythmus von Teenagern negativ beeinflussen.
- Schlechter Schlaf wirkt sich negativ auf die psychische Gesundheit aus und erhöht das Risiko für depressive Symptome – vor allem bei Mädchen.
- Die schwedische Gesundheitsbehörde empfiehlt maximal 3 Stunden Bildschirmzeit pro Tag – eine Zahl, die von der Studie gestützt wird.
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