Spätzünder: Endlich erfolgreich – allem Widerstand zum Trotz

Spätzünder wie Paul Cézanne erreichen oft erst im fortgeschrittenen Alter ihren Durchbruch und zeigen, dass Erfolg keine Altersgrenze kennt.

Spätzünder Erfolg

Der berühmte Maler Paul Cézanne war ein echter Spätzünder, was seinen künstlerischen Erfolg angeht. Erst mit 56 Jahren schaffe er es, sich Anerkennung in der Kunstszene zu verschaffen. © Wikimedia

In einer Zeit, in der der schnelle und große Erfolg in den jungen Jahren eines Menschen ausreichend gefeiert wird, geraten Spätzünder manchmal ins Hintertreffen. David Brooks brachte es in einem Artikel in „The Atlantic“ treffend auf den Punkt: „Heute leben wir in einer Gesellschaft, die darauf ausgerichtet ist, sogenannte Frühstarter zu fördern.“ Tatsächlich sind viele unserer bekanntesten Überflieger bereits in jungen Jahren auf der Überholspur – von Bill Gates über Mark Zuckerberg bis hin zu Taylor Swift und Michael Jordan.

Doch die Geschichten von Menschen wie Paul Cézanne (1839-1906), die erst im fortgeschrittenen Alter zu ihrer wahren Form finden, sind inspirierend und lehrreich. Cézanne, ein Künstler, der anfangs von Misserfolgen geplagt war, illustriert eindrucksvoll das Phänomen der „Spätzünder“. 1861, im Alter von 22 Jahren, zog Cézanne nach Paris, scheiterte jedoch an der Aufnahme in die École des Beaux-Arts. Zwischen 1864 und 1869 wurden seine Gemälde kontinuierlich vom Salon de Paris abgelehnt. Erst 1895, im Alter von 56 Jahren, erhielt Cézanne seine erste Einzelausstellung.

Die zermürbenden Jahre der Zurückweisung und die Kunst des Durchhaltens

Diese Jahre der Ablehnung mündeten in einer tiefen Krise. Cézanne zog sich zurück. In einem persönlichen Brief offenbarte Cézanne seine Frustration und seinen Entschluss: „Ich habe beschlossen, in Stille zu arbeiten, bis zu dem Tag, an dem ich theoretisch die Ergebnisse meiner Bemühungen verteidigen könnte.“ Die Phase der Ablehnung sollte lange anhalten und belastete den Künstler sehr. Doch Cézanne gab nicht auf. Erst im Alter von 56 Jahren, 1895, mit seiner ersten Einzelausstellung sollte sich das Blatt wenden.

Zwei Jahre später kaufte ein Museum in Berlin erstmals ein Gemälde von Cézanne. Endlich bekam der Künstler, der viele Jahre lang unter Kritik und Missachtung litt, die so wichtige Anerkennung.

Spätzünder triumphieren eindrucksvoll im mittleren Alter

Die Geschichte von Cézanne ist beispielhaft für viele Spätzünder, die oft erst in fortgeschrittenem Alter ihren Durchbruch feiern. Einige Statistiken untermauern diese Beobachtung.

  • Eine dänische Studie aus dem Jahr 2019 fand heraus, dass Nobelpreisträger ihre bahnbrechenden Entdeckungen durchschnittlich im Alter von 44 Jahren machen.
  • Laut einer PNAS-Studie ist der durchschnittliche Patentanmelder in den USA 47 Jahre alt.
  • Eine in der American Economic Review veröffentlichte Studie ergab, dass das Durchschnittsalter eines Unternehmers bei 45 Jahren liegt.

Spätzünder folgen eigenen, unkonventionellen Pfaden

Die Geschichten von Spätzündern zeigen, dass der Weg zum Erfolg nicht linear verlaufen muss. Rich Karlgaard, Journalist und Autor des Buches „Late Bloomers„, betont, dass Spätzünder oft ganz eigene Wege gehen müssen. Diese individuellen Pfade sind geprägt von einer tiefen intrinsischen Motivation und einer hohen Toleranz gegenüber Misserfolgen.

Gesellschaft huldigt jugendlichem Erfolg, vernachlässigt Spätzünder

Die heutige Gesellschaft tendiert dazu, frühzeitige Erfolge zu glorifizieren. Magazine feiern junge Superstars mit Listen wie „30 Under 30“, während ältere Menschen oft mit Diskriminierung konfrontiert sind. Mark Zuckerberg beispielsweise sagte 2007, junge Menschen seien „einfach schlauer“. Solche Aussagen von Altersdiskriminierung bzw. Ageismus spiegeln eine vorherrschende, aber möglicherweise irreführende Auffassung von Talent und Erfolg wider.

Übrigens: Der Gerontologe Robert Neil Butler prägte den Begriff Ageismus Ende der 1960er Jahre. Mehr dazu findest du im Handbuch „Ageismus – Altersbilder und Altersdiskriminierung in Deutschland“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Was du dir merken solltest:

  • Spätzünder finden oft erst später ihren Erfolg: Paul Cézanne scheiterte zunächst und erlangte erst mit 56 Jahren Anerkennung.
  • Erfolg auf Umwegen: Spätzünder folgen oft unkonventionellen Pfaden, getrieben von starker innerer Motivation und der Fähigkeit, Rückschläge zu verkraften.
  • Gesellschaft muss Umdenken: Die heutige Kultur feiert junge Erfolge und übersieht dabei ältere Talente.

Übrigens: Um besser mit Scheitern und Misserfolgen umgehen zu lernen, können wir unser Gehirn überlisten. Dabei können Rituale helfen, uns umzuprogrammieren. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel.

Bild (zugeschnitten): Paul Cézanne – Selbstporträt mit weißem Turban, 1881-1882, zu bewundern in der Neuen Pinakothek in München. © Wikimedia unter Public Domain

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert