Für einen neuen Job umziehen: Bei 200 bis 400 Kilometern steigt das Gehalt um 947 Euro

Wer für einen neuen Job 200 bis 400 Kilometer umzieht, verdient im Schnitt 947 Euro brutto mehr. Kürzere Umzüge lohnen sich oft kaum.

Für einen neuen Job umziehen kann sich lohnen: Bei 200 bis 400 Kilometern Entfernung steigt das monatliche Bruttogehalt im Schnitt um 947 Euro. © Pexels

Ein Jobwechsel mit Umzug kann neue Karrierechancen eröffnen. Ob sich der Ortswechsel finanziell auszahlt, hängt auch von der Entfernung und den Wohnkosten ab. © Pexels

Wie weit muss man für einen neuen Job umziehen, damit sich der Ortswechsel finanziell lohnt? Offenbar weiter, als viele vermuten dürften. Wer für seine Arbeit 200 bis 400 Kilometer umzieht, verzeichnet im Durchschnitt 947 Euro mehr Bruttogehalt pro Monat. Bei kürzeren Entfernungen fällt der Zuwachs wesentlich geringer aus. Und manchmal bleibt von der Gehaltserhöhung nach Abzug der höheren Wohnkosten überhaupt nichts übrig.

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Sie untersuchten 1.186 berufsbedingte Umzüge anhand von Daten des Sozio-ökonomischen Panels aus den Jahren 2001 bis 2020. Über alle Entfernungen hinweg lag der durchschnittliche monatliche Bruttoeinkommenszuwachs bei 286 Euro. Besonders auffällig: Ab einer Entfernung von 200 Kilometern fallen die finanziellen Vorteile erheblich größer aus.

Wie stark das Gehalt bei unterschiedlichen Umzugsdistanzen steigt

Die Entfernung zum neuen Wohnort beeinflusst den finanziellen Vorteil erheblich. Die durchschnittlichen monatlichen Bruttoeinkommenszuwächse unterscheiden sich nach Umzugsdistanz:

  • Bis 50 Kilometer: Zwischen 105 und 305 Euro, je nach Distanzgruppe.
  • 50 bis 200 Kilometer: Ebenfalls innerhalb dieser Spanne, allerdings ohne statistisch gesicherten Einkommenszuwachs.
  • 200 bis 400 Kilometer: Durchschnittlich 947 Euro mehr.
  • Über 400 Kilometer: Durchschnittlich 643 Euro mehr.

Bei Fernumzügen lagen die geschätzten Einkommensgewinne damit teilweise bis zu neunmal höher als bei kürzeren Strecken.

Größere Entfernung eröffnet deutlich mehr Jobmöglichkeiten

Wer seinen Arbeitsplatz nur in der näheren Umgebung sucht, muss mit einem begrenzten Stellenangebot auskommen. Eine überregionale Suche eröffnet dagegen Zugang zu weiteren Arbeitgebern und Branchen. Damit wachsen die Chancen auf eine Beschäftigung, die besser zu den eigenen Fähigkeiten passt und möglicherweise höher bezahlt wird.

Allerdings bringt ein Fernumzug zusätzliche Belastungen mit sich. Neben den finanziellen Ausgaben können der Verlust vertrauter Kontakte und die Entfernung zu Familie und Freunden schwer wiegen. Höhere Gehälter könnten diese Nachteile teilweise ausgleichen.

Ab 400 Kilometern sinkt der Gehaltszuwachs wieder

Dass die Einkommensgewinne jenseits von 400 Kilometern geringer ausfallen, könnte an den Belastungen eines Fernumzugs liegen. Für die Pflege persönlicher Beziehungen macht es möglicherweise kaum einen Unterschied, ob der neue Wohnort 350 oder 500 Kilometer entfernt liegt. Auch zusätzliche Umzugskosten steigen nicht zwangsläufig im gleichen Verhältnis zur Entfernung.

Ein weiterer möglicher Grund sind beruflich erzwungene Wohnortwechsel. Manche Beschäftigte ziehen um, um ihren Arbeitsplatz zu behalten oder einen beruflichen Abstieg zu vermeiden. Solche Entscheidungen versprechen häufig geringere Gehaltsvorteile als ein freiwilliger Wechsel zu einer besser bezahlten Stelle.

Höhere Wohnkosten können den Gehaltsvorteil vollständig aufzehren

Entscheidend für den finanziellen Gewinn ist das Einkommen nach Abzug der Wohnkosten. Eine höhere Miete, steigende Nebenkosten oder zusätzliche Kreditbelastungen können eine Gehaltserhöhung erheblich schmälern. Besonders teuer kann der Wechsel aus einem langjährigen Mietvertrag in eine neu angemietete Wohnung werden.

Für die Berechnung des wohnkostenbereinigten Nettoeinkommens standen Daten zu 675 berufsbedingten Umzügen zur Verfügung. Bei Entfernungen über 200 Kilometer blieb der finanzielle Vorteil im Durchschnitt positiv. Bei kürzeren Umzügen verschwand er dagegen weitgehend oder kehrte sich leicht ins Negative um.

BiB-Wissenschaftler Elias Hofmann erklärt: „Bei kürzeren Umzügen zehren die höheren Wohnkosten dagegen die ohnehin geringeren Einkommensgewinne oft wieder auf.“

Männer gewinnen beim Gehalt, Frauen verlieren im Durchschnitt

Zwischen Männern und Frauen bestehen erhebliche Unterschiede. Männer verzeichneten nach einem berufsbedingten Umzug durchschnittlich 595 Euro zusätzliches Bruttoeinkommen pro Monat. Bei Frauen lag die durchschnittliche Veränderung dagegen bei minus 45 Euro.

Allerdings profitierten beide Geschlechter in vergleichbarem Umfang von größeren Umzugsdistanzen. Die allgemeinen Unterschiede beim Einkommensverlauf verschwanden dadurch nicht.

Für die Auswertung verglichen die Wissenschaftler Einkommen über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren vor und nach einem Umzug. Sie berücksichtigten unter anderem Alter, Bildung und Beschäftigungsdauer. Die Berechnungen belegen einen statistischen Zusammenhang, jedoch keinen unmittelbaren Ursache-Wirkungs-Effekt zwischen Entfernung und Gehaltsentwicklung.

Gutverdiener können sich Fernumzüge häufiger leisten

Menschen mit höherer Bildung und bereits gutem Einkommen wechseln für ihren Beruf häufiger über größere Entfernungen den Wohnort. Ihnen stehen meist mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, um Umzugskosten und mögliche Übergangszeiten zu bewältigen. Beschäftigte mit geringeren Einkommen haben diese Möglichkeiten seltener.

Die höheren Gehaltsgewinne bei Fernumzügen könnten deshalb bestehende Einkommensunterschiede zwischen Bildungsgruppen weiter vergrößern.

Allerdings entscheiden bei einem Wohnortwechsel nicht ausschließlich finanzielle Überlegungen. Manche Beschäftigte nutzen den neuen Arbeitsplatz, um in eine größere Wohnung oder ein angenehmeres Wohnumfeld zu ziehen. Höhere Wohnkosten können dann mit einer besseren Wohnqualität und größerer Lebenszufriedenheit einhergehen.

Kurz zusammengefasst:

  • Fernumzüge bringen oft mehr Gehalt: Wer für den Beruf 200 bis 400 Kilometer umzieht, verzeichnet laut BiB-Untersuchung durchschnittlich 947 Euro mehr Bruttoeinkommen pro Monat.
  • Höhere Wohnkosten können den Gehaltsvorteil aufzehren: Bei Umzügen bis 200 Kilometer bleibt nach Abzug der Wohnkosten häufig kaum ein finanzieller Gewinn übrig.
  • Männer und Frauen profitieren unterschiedlich: Männer verdienen nach einem berufsbedingten Umzug durchschnittlich 595 Euro mehr im Monat, während Frauen im Schnitt 45 Euro verlieren.

Übrigens: Fast 1.000 Euro mehr Gehalt im Monat – und trotzdem kommt ein Umzug für viele Deutsche nicht infrage. Jeder Vierte würde selbst für einen attraktiveren Job seinen Wohnort nicht verlassen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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