Wer sich gut mit KI auskennt, fürchtet häufiger um seinen Job

Je besser Beschäftigte KI kennen, desto häufiger halten sie den eigenen Job für ersetzbar – besonders bei digitaler Arbeit.

Beschäftigte mit guten KI-Kenntnissen fürchten häufiger um ihren Arbeitsplatz. Besonders groß ist die Sorge, wenn sich die eigene Arbeit stark digitalisieren lässt.

Beschäftigte mit guten KI-Kenntnissen fürchten häufiger um ihren Arbeitsplatz. Besonders groß ist die Sorge, wenn sich die eigene Arbeit stark digitalisieren lässt. © Pexels

Ausgerechnet Beschäftigte mit besonders guten KI-Kenntnissen sorgen sich häufiger um ihren eigenen Job. Je besser sie KI kennen, desto häufiger fürchten sie einen Jobverlust. Unter Erwerbstätigen mit sehr hohen selbst eingeschätzten KI-Kenntnissen sind es 42,8 Prozent. Bei sehr geringen Kenntnissen liegt der Anteil bei nur 6,2 Prozent.

Besonders deutlich wird die Sorge, wenn die Arbeit fast vollständig am Bildschirm entsteht. Bei stark digitalen Tätigkeiten halten sogar 54,2 Prozent der besonders KI-Erfahrenen ihren eigenen Arbeitsplatz für ersetzbar. Unter Beschäftigten mit sehr geringen KI-Kenntnissen sind es lediglich 7,1 Prozent. Der KI-Monitor 2026 der Technischen Universität Darmstadt legt damit einen auffälligen Zusammenhang offen: Wer die Möglichkeiten der Technik gut kennt, erkennt offenbar auch eher, welche Teile der eigenen Arbeit automatisiert werden könnten.

Wer vor allem digital arbeitet, sieht den eigenen Job stärker bedroht

Bei der Sorge um den eigenen Arbeitsplatz stechen zwei Merkmale besonders hervor: Wie gut Beschäftigte KI kennen und wie stark sich ihre Arbeit digital abbilden lässt. Eine statistische Auswertung des KI-Monitors berücksichtigt dabei mehrere Einflussfaktoren gleichzeitig. Am stärksten hängt die Einschätzung mit der KI-Affinität zusammen, also mit Wissen und Nutzungsintensität. Fast ebenso stark wirkt die Digitalisierbarkeit des Arbeitsergebnisses.

Konkret betrifft das vor allem Tätigkeiten, deren Ergebnisse vollständig am Computer entstehen können. Dazu gehören etwa Texte, Analysen, Präsentationen oder Programmcode. Je leichter sich solche Arbeit digital abbilden lässt, desto häufiger halten Beschäftigte den eigenen Job für ersetzbar. Alter spielt in der Auswertung eine kleinere Rolle; für Bildung und Geschlecht ergibt sich kein statistisch belastbarer eigenständiger Effekt

Diagramm zu den Faktoren, die beeinflussen, wie ersetzbar Beschäftigte ihren eigenen Arbeitsplatz durch KI einschätzen.
© Technische Universität Darmstadt / KI-Monitor 2026 Wie stark Beschäftigte den eigenen Job durch KI bedroht sehen, hängt vor allem von ihrer KI-Affinität und der Digitalisierbarkeit ihrer Arbeit ab. © Technische Universität Darmstadt / KI-Monitor 2026

Viele erwarten Jobverluste – aber meist bei anderen

Grundsätzlich rechnen viele Beschäftigte mit deutlichen Veränderungen am Arbeitsmarkt. 59,7 Prozent der Erwerbstätigen halten es für wahrscheinlich, dass KI in den kommenden fünf Jahren Arbeitsplätze in vielen Berufen ersetzt. Beim eigenen Arbeitsplatz sind es jedoch nur 15,7 Prozent. Weitere 61,4 Prozent halten einen Ersatz ihres eigenen Jobs für eher oder sehr unwahrscheinlich. 

Zwischen der Sorge um andere und der Einschätzung der eigenen Lage liegen damit 44 Prozentpunkte. Der Report bezeichnet dieses Muster als „Optimism Bias“. Mit wachsendem KI-Wissen schrumpft diese Distanz deutlich. Bei eher geringen Kenntnissen beträgt sie 48,7 Prozentpunkte. Bei sehr hohen Kenntnissen sind es nur noch 23,5 Punkte. 

Jüngere sehen den eigenen Arbeitsplatz häufiger in Gefahr

Auch beim Alter gehen die Einschätzungen auseinander. In der Generation Z halten 21 Prozent der Erwerbstätigen den eigenen Arbeitsplatz für ersetzbar. Unter den Babyboomern sind es lediglich 7,7 Prozent. Beim Blick auf den Arbeitsmarkt insgesamt dreht sich das Verhältnis allerdings um: 74,3 Prozent der Babyboomer erwarten einen breiten Ersatz von Arbeitsplätzen, in der Generation Z sind es 61,4 Prozent. 

Zwischen Branchen gibt es ebenfalls Unterschiede. Die Autoren warnen allerdings ausdrücklich davor, daraus eine Rangliste gefährdeter Berufe abzuleiten. Als grobe Orientierung ergeben sich folgende Werte:

Diagramm zeigt, wie wahrscheinlich Beschäftigte verschiedener Branchen einen Jobverlust durch KI für den eigenen Arbeitsplatz halten.
© Technische Universität Darmstadt / KI-Monitor 2026 Je nach Branche schätzen Beschäftigte das Risiko eines Jobverlusts durch KI unterschiedlich ein. Besonders hoch ist die Sorge in IT-, Medien- und Wissensberufen. © Technische Universität Darmstadt / KI-Monitor 2026

Der entscheidendere Faktor dürfte nach Einschätzung der Autoren weniger die Branche als die Digitalisierbarkeit der konkreten Tätigkeit sein. 

Führungskräfte rechnen öfter mit dem Verlust des eigenen Jobs

Auch die Hierarchie macht einen Unterschied. 22,8 Prozent der Führungskräfte halten den eigenen Arbeitsplatz für ersetzbar. Bei Beschäftigten ohne Führungsverantwortung sind es 13,1 Prozent. Beim allgemeinen Jobverlust durch KI liegen beide Gruppen dagegen fast gleichauf: 60,4 Prozent der Führungskräfte und 59,6 Prozent der übrigen Beschäftigten rechnen mit Arbeitsplatzverlusten in vielen Berufen. 

Mehr KI-Wissen bedeutet dabei nicht automatisch mehr allgemeine Angst. Menschen mit hohen Kenntnissen sorgen sich bei mehreren konkreten Problemen sogar seltener, etwa bei falschen KI-Antworten oder mangelnder Nachvollziehbarkeit. Beim eigenen Arbeitsplatz läuft der Zusammenhang anders. Der Report beschreibt es mit den Worten: „Fundiertes Wissen führt also nicht automatisch zu größerer Gelassenheit; es schärft eher den Blick darauf, welche Tätigkeiten künftig automatisiert oder grundlegend verändert werden könnten.“ 

Bei der KI-Weiterbildung klafft eine große Lücke

Trotz der wachsenden Bedeutung von KI haben bislang nur wenige Beschäftigte eine entsprechende Weiterbildung absolviert. Nur rund 15 Prozent der Bevölkerung haben bislang an einem KI-Training teilgenommen. Unter Erwerbstätigen sind es 23,2 Prozent. Bei Arbeitssuchenden liegt der Anteil bei lediglich rund vier Prozent. Selbst geplante Schulungen eingerechnet, bleiben 70 Prozent der Bevölkerung ohne KI-Weiterbildung

Die Befragten schätzen ihre eigenen KI-Kenntnisse sehr unterschiedlich ein. Beschäftigte mit hohem KI-Wissen sehen zugleich häufiger einen möglichen Jobverlust durch KI.
© Technische Universität Darmstadt / KI-Monitor 2026 Die Befragten schätzen ihre eigenen KI-Kenntnisse sehr unterschiedlich ein. © Technische Universität Darmstadt / KI-Monitor 2026

Der KI-Monitor basiert auf einer repräsentativen YouGov-Onlinebefragung im Auftrag der TU Darmstadt. Mehr als 2.000 Menschen ab 16 Jahren nahmen zwischen dem 9. und 12. März 2026 teil. Die Angaben zu KI-Kenntnissen beruhen auf Selbsteinschätzungen und nicht auf Kompetenztests. Zudem beschreiben die Werte Erwartungen der Befragten. Sie sagen nicht voraus, welche Arbeitsplätze tatsächlich durch KI verschwinden werden. 

Kurz zusammengefasst:

  • Je besser Beschäftigte KI verstehen, desto häufiger halten sie den eigenen Arbeitsplatz für ersetzbar.
  • Besonders groß ist die Sorge vor Jobverlust bei stark digital geprägter Arbeit: Dort sehen sich KI-Erfahrene deutlich häufiger bedroht.
  • Die Befragung misst Erwartungen und Selbsteinschätzungen – sie sagt nicht voraus, welche Jobs tatsächlich durch KI verschwinden werden.

Übrigens: Während viele Beschäftigte einen Jobverlust durch KI fürchten, könnten KI-Texte künftig selbst verraten, mit welchem Modell sie erstellt wurden – Anthropic baut dafür unsichtbare Wasserzeichen in Claude ein. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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