Metformin bei Herzinsuffizienz: Große Studie zerstört Hoffnung auf zusätzlichen Herzschutz

Metformin senkt bei Herzinsuffizienz das Risiko für Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Verschlechterung nicht zusätzlich.

Metformin gehört zu den wichtigsten Medikamenten gegen Typ-2-Diabetes. Einen zusätzlichen Schutz vor schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen bei Herzinsuffizienz konnte eine große Studie jedoch nicht belegen.

Metformin gehört zu den wichtigsten Medikamenten gegen Typ-2-Diabetes. Einen zusätzlichen Schutz vor schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen bei Herzinsuffizienz konnte eine große Studie jedoch nicht belegen. © Unsplash

Metformin ist eines der meistgenutzten Diabetesmedikamente der Welt – und ihm wird bis heute erstaunlich viel zugetraut. Forscher untersuchen, ob es Alterungsprozesse beeinflusst, das Gehirn schützt oder sogar bei Krebs eine Rolle spielen könnte. Besonders verlockend war die Idee eines zusätzlichen Herzschutzes. Denn Diabetes und Herzinsuffizienz treten häufig gemeinsam auf. Genau diese Hoffnung bekommt nun einen deutlichen Dämpfer.

Neue Daten vom diesjährigen Kongress der European Society of Cardiology in München bremsen nun ausgerechnet die Hoffnung auf zusätzlichen Herzschutz. In der Met-HeFT-Untersuchung senkte Metformin bei Patienten mit Herzinsuffizienz das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse nicht signifikant. Erfasst wurden Todesfälle, eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz, Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Warum Ärzte auf einen zusätzlichen Herzschutz hofften

Die Hoffnung auf einen zusätzlichen Nutzen von Metformin kam nicht aus dem Nichts. In kleineren Untersuchungen und Beobachtungsstudien schnitten Patienten mit Herzinsuffizienz teilweise besser ab, wenn sie Metformin einnahmen. Offen blieb jedoch, ob tatsächlich das Medikament dafür verantwortlich war.

„Beobachtungsstudien und kleine, kurzfristige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Metformin bei Patienten mit Herzinsuffizienz über die Blutzuckersenkung hinaus herzschützende Wirkungen haben könnte“, erklärt Studienleiter Henrik Wiggers vom Universitätsklinikum Aarhus. Genau dafür fehlte bislang ein belastbarer Langzeittest.

940 Patienten stellen Metformin auf die Probe

An Met-HeFT nahmen deshalb 940 Patienten aus 23 Zentren in Dänemark teil. Sie litten alle an einer chronischen Herzinsuffizienz und hatten Beschwerden durch die Erkrankung. Zusätzlich bestand Typ-2-Diabetes, Prädiabetes oder ein erhöhtes Risiko für Diabetes.

Auch die Pumpkraft ihrer Herzen war deutlich eingeschränkt. Die sogenannte Ejektionsfraktion lag bei höchstens 40 Prozent. Dieser Wert beschreibt, wie viel Blut die linke Herzkammer bei jedem Herzschlag weiterpumpt. Bei einem gesunden Herzen liegt er normalerweise deutlich höher.

Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 70 Jahre alt, nur 16 Prozent waren Frauen. Per Zufall bekam eine Hälfte Metformin, die andere ein wirkstofffreies Placebo. So ließ sich möglichst zuverlässig prüfen, ob Metformin tatsächlich einen zusätzlichen Unterschied macht.

Nach fast vier Jahren bleibt der erhoffte Vorteil aus

Im Durchschnitt wurden die Patienten 3,7 Jahre begleitet. Entscheidend war, wie häufig jemand starb, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitt oder sich die Herzinsuffizienz deutlich verschlechterte.

In der Metformin-Gruppe traf mindestens eines dieser Ereignisse 25,1 Prozent der Teilnehmer. In der Placebo-Gruppe waren es 23,4 Prozent. Metformin schnitt damit rechnerisch sogar etwas schlechter ab. Der Unterschied war jedoch klein genug, dass er statistisch auch durch Zufall entstanden sein kann.

Deshalb lässt sich aus den Daten kein zusätzlicher Schutz ableiten. Metformin verhinderte in dieser Untersuchung weder Todesfälle noch Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Verschlechterungen der Herzinsuffizienz nachweisbar häufiger als das Placebo.

Auch bei anderen Zeichen der Herzbelastung ändert sich wenig

Die Wissenschaftler prüften außerdem weitere mögliche Vorteile. Sie betrachteten etwa Todesfälle unabhängig von der Ursache und ungeplante Behandlungen wegen der Herzinsuffizienz. Auch hier ergab sich kein signifikanter Unterschied.

Dasselbe galt für NT-proBNP. Dieser Stoff lässt sich im Blut messen und steigt häufig an, wenn das Herz unter Druck gerät und stärker arbeiten muss. Ärzte nutzen den Wert deshalb unter anderem zur Einschätzung einer Herzinsuffizienz. Auch bei diesem Marker brachte Metformin keinen klaren Vorteil.

Metformin bleibt als Diabetesmedikament wichtig

Ein anderes Ergebnis ist ebenso wichtig: Hinweise auf einen zusätzlichen Schaden durch Metformin fanden die Wissenschaftler nicht. „Metformin war mit keinem Schaden verbunden und bleibt für die Senkung des Blutzuckers von Nutzen“, so Wiggers. Für einen davon unabhängigen Herzschutz gebe es jedoch „keine signifikanten Hinweise“.

Damit verliert Metformin nicht seine bekannte Aufgabe. Das Medikament senkt weiterhin den Blutzucker bei Typ-2-Diabetes. Die Met-HeFT-Ergebnisse sprechen lediglich gegen die zusätzliche Hoffnung, dass es Patienten mit Herzinsuffizienz darüber hinaus vor schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen schützt.

Ein wichtiger Haken steckt in der Teilnehmergruppe

Bei der Einordnung gibt es allerdings eine Besonderheit. Nur rund zehn Prozent der Teilnehmer hatten bereits Typ-2-Diabetes. Viele andere hatten Prädiabetes, eine Insulinresistenz oder ein erhöhtes Risiko, später Diabetes zu entwickeln.

Der Grund ist praktisch nachvollziehbar: Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes nehmen Metformin bereits dauerhaft. Für die Teilnahme an der Untersuchung hätten sie diese Behandlung zunächst absetzen müssen. Patienten und Ärzte waren dazu offenbar häufig nicht bereit.

Studienleiter Wiggers nennt das selbst als Einschränkung. Aussagen speziell für Menschen, die bereits an Typ-2-Diabetes leiden, sind deshalb weniger gut abgesichert als Aussagen für die gesamte untersuchte Gruppe.

Auch weitere Studien finden keinen zusätzlichen Herzschutz

Met-HeFT stand beim ESC-Kongress nicht allein. Wissenschaftler fassten zusätzlich mehrere randomisierte und placebokontrollierte Untersuchungen zu Metformin zusammen. Drei Studien mit insgesamt 1077 Patienten betrafen Herzinsuffizienz. Vier weitere mit 1123 Patienten untersuchten Menschen mit ischämischer Herzerkrankung, also Erkrankungen durch eine unzureichende Blutversorgung des Herzmuskels.

Auch diese gemeinsame Auswertung brachte keinen überzeugenden Vorteil. Weder bei Herzinsuffizienz mit eingeschränkter Pumpkraft noch bei bestehender ischämischer Herzerkrankung senkte Metformin die Herz-Kreislauf-Risiken signifikant.

Metformin bleibt damit ein wichtiges Medikament zur Blutzuckersenkung. Einen zusätzlichen Schutz des Herzens konnten die randomisierten Daten jedoch nicht belegen.

Kurz zusammengefasst:

  • Metformin senkt den Blutzucker, brachte bei Herzinsuffizienz aber keinen zusätzlichen Schutz vor Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer Verschlechterung der Erkrankung.
  • In der Met-HeFT-Studie mit 940 Patienten unterschied sich Metformin nach durchschnittlich 3,7 Jahren nicht signifikant von einem Placebo.
  • Auch eine zusätzliche Metaanalyse fand keinen eigenständigen Herzschutz; Metformin bleibt damit vor allem ein bewährtes Medikament zur Blutzuckersenkung.

Übrigens: Während Metformin bei Herzinsuffizienz keinen zusätzlichen Herzschutz brachte, entdecken Forscher an anderer Stelle neue mögliche Wirkungen des Diabetesmittels. In Mäusen reagierte sogar das Gehirn auf geringe Mengen Metformin – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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