Erstes Elektro-Frachtschiff seiner Art trägt 11.900 Tonnen – und spart 500.000 Liter Diesel
Die MV Yampu fährt rund 40 Prozent der Zeit mit Batterie und soll dadurch jährlich mehr als 500.000 Liter Diesel sparen.
Die MV Yampu entlädt in Birkenhead ihre erste Kalksteinladung – ein Vorgang, den der neue Frachter künftig millionenfach tonnenweise bewältigen soll. © The CSL Group
Frachtschiffe bewegen enorme Lasten – und verbrennen dafür gewöhnlich große Mengen Diesel. Vor der Küste Südaustraliens fährt nun ein 125 Meter langer Massengutfrachter, der einen Teil dieser Arbeit mit Batteriestrom erledigt. Das Elektro-Frachtschiff MV Yampu kann bis zu 11.900 Tonnen tragen und soll rund 40 Prozent seiner Betriebszeit elektrisch zurücklegen. Gegenüber seinem Vorgänger sollen dadurch jedes Jahr mehr als 500.000 Liter Diesel wegfallen.
Gebaut wurde die Yampu von der Reederei The CSL Group für den Transport von Kalkstein. Sie pendelt zwischen dem Steinbruch Klein Point auf der Yorke-Halbinsel und dem Adbri-Zementwerk in Adelaide. Dort lädt das Schiff auch seine Batterien. Nach Angabe des Unternehmens ist es der weltweit erste batteriebetriebene, selbstentladende Massengutfrachter dieser Art. Vollständig elektrisch fährt die Yampu allerdings noch nicht.
Die Batterie ersetzt jedes Jahr mehr als 500.000 Liter Diesel
Im Schiff steckt ein Batteriesystem mit 6.758 Kilowattstunden Kapazität. Geladen wird es beim Anlegen am Adbri-Standort Birkenhead in Adelaide. So kann die Yampu rund 40 Prozent ihrer Betriebszeit mit Batteriestrom absolvieren.
Gegenüber ihrem Vorgänger, der Accolade II, soll der Dieselverbrauch dadurch um mehr als 500.000 Liter pro Jahr sinken. Gleichzeitig rechnen CSL und Adbri mit rund 40 Prozent weniger direkten Emissionen. Einen Dieselmotor braucht die Yampu derzeit trotzdem noch, denn vollständig elektrisch fährt sie noch nicht.
Jedes Jahr transportiert die Yampu 2,7 Millionen Tonnen Kalkstein
Auf ihrer festen Route übernimmt das Schiff eine große Aufgabe. Pro Jahr soll es rund 2,7 Millionen Tonnen Kalkstein vom Steinbruch Klein Point nach Adelaide bringen. Die Transportkapazität der Verbindung steigt damit laut Adbri um etwa 35 Prozent.
Der Kalkstein landet im Werk Birkenhead und dient dort als Rohstoff für die Zementproduktion. Adbri liefert den daraus hergestellten Zement unter anderem für Häuser, Schulen, Krankenhäuser, Straßen und große Infrastrukturprojekte in South Australia und Victoria.
Als Selbstentlader löscht das Schiff seine Ladung eigenständig
Die Yampu ist ein sogenannter selbstentladender Massengutfrachter. Solche Schiffe besitzen ein eigenes System, mit dem sie ihre lose Ladung am Ziel aus dem Laderaum befördern können. Genau diese Kombination aus Batteriebetrieb und Selbstentladung macht die Yampu nach Angaben von CSL und Adbri zum weltweit ersten Schiff ihrer Art.
CSL-Chef Louis Martel sieht darin einen Schritt zu einem niedrigeren Kraftstoffverbrauch im kommerziellen Schiffsverkehr. „Die MV Yampu stellt einen bedeutenden Schritt auf unserem Weg zur Dekarbonisierung dar und zeigt, wie praktische Innovation echte ökologische Vorteile bringen kann, während zugleich die Anforderungen des kommerziellen Betriebs erfüllt werden“, sagt Martel.
Das Elektro-Frachtschiff ist schon für reinen Batteriebetrieb ausgelegt
Die heutige Kombination aus Batterie und Diesel soll nicht das Ende der Entwicklung sein. CSL und Adbri haben das Schiff so ausgelegt, dass es künftig vollständig mit Batteriestrom betrieben werden kann. Einen Termin für die Umstellung auf 100 Prozent Elektroantrieb nennen die Unternehmen bislang nicht.
Auch Adbri-Chef Paul Headd verbindet mit dem Schiff niedrigere Emissionen und eine langfristig abgesicherte Versorgung des Zementwerks. Die Yampu wurde eigens für diese Strecke gebaut und fährt mit australischer Besatzung.
Die wichtigsten technischen Daten der MV Yampu
- Länge: 125 Meter
- Tragfähigkeit: 11.900 Tonnen
- Batteriekapazität: 6.758 Kilowattstunden
- Batteriebetrieb heute: rund 40 Prozent der Betriebszeit
- Jährliche Transportmenge: rund 2,7 Millionen Tonnen Kalkstein
- Mehr Transportkapazität: rund 35 Prozent gegenüber dem Vorgängerschiff
- Dieselersparnis: mehr als 500.000 Liter pro Jahr
- Direkte Emissionen: laut Unternehmen rund 40 Prozent weniger
- Besonderheit: weltweit erster batteriebetriebener selbstentladender Massengutfrachter
- Zukunft: für vollständigen Batteriebetrieb ausgelegt
Kurz zusammengefasst:
- Die MV Yampu kann bis zu 11.900 Tonnen tragen und fährt derzeit rund 40 Prozent ihrer Betriebszeit mit Batteriestrom.
- Mit ihrer 6.758-kWh-Batterie soll sie gegenüber dem Vorgängerschiff jährlich mehr als 500.000 Liter Diesel einsparen.
- Das Elektro-Frachtschiff transportiert rund 2,7 Millionen Tonnen Kalkstein pro Jahr und ist für einen späteren vollständigen Batteriebetrieb ausgelegt.
Übrigens: Während die MV Yampu einen Teil ihres Betriebs bereits mit Batteriestrom erledigt, verfolgt Südkorea für große Frachter einen völlig anderen Weg – mit einem kompakten Atomreaktor an Bord. Wie ein solcher Mega-Frachter jahrelang ohne Tankstopp auskommen soll, mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © The CSL Group
