Teilzeitquote in Deutschland erreicht Höchststand – vor allem eine Branche verliert Vollzeitjobs
Die Teilzeitquote in Deutschland erreicht mit 40,3 Prozent einen Rekord, während vor allem in der Industrie Vollzeitstellen verloren gehen.
Teilzeitbeschäftigte arbeiten heute im Schnitt 18,88 Stunden pro Woche – 1991 waren es noch 16,50 Stunden. (Symbolbild) © Unsplash
Mehr als vier von zehn Beschäftigten arbeiten hierzulande inzwischen in Teilzeit. Damit erreicht die Teilzeitquote in Deutschland einen neuen Höchststand. Doch hinter dem Rekord steckt nicht allein der Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten. Während Gesundheitswesen, Sozialbereich und Bildung Beschäftigte hinzugewinnen, verliert vor allem die Industrie viele Vollzeitstellen. Dadurch verändert sich das Verhältnis zwischen Voll- und Teilzeit deutlich – und das in einer Phase, in der auch das gesamte Arbeitsvolumen in Deutschland zurückgeht.
Die aktuellen Zahlen stammen aus der Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für das zweite Quartal 2026. Diese regelmäßig fortgeschriebene Untersuchung erfasst Beschäftigung und geleistete Arbeitsstunden in Deutschland. Demnach stieg die Teilzeitquote binnen eines Jahres um 0,4 Prozentpunkte auf 40,3 Prozent. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten nahm um 0,5 Prozent zu, während die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 0,9 Prozent sank.
Teilzeitquote in Deutschland steigt auf mehr als 40 Prozent
In absoluten Zahlen wird die Verschiebung noch deutlicher. Rund 16,9 Millionen Beschäftigte arbeiteten im zweiten Quartal 2026 in Teilzeit, etwa 25,1 Millionen in Vollzeit. Gegenüber dem Vorjahresquartal kamen damit rechnerisch rund 85.000 Teilzeitbeschäftigte hinzu. Bei den Vollzeitbeschäftigten ging die Zahl hingegen um rund 239.000 zurück.
Hinter dem Anstieg der Teilzeitquote stehen nach Angaben des IAB vor allem Veränderungen zwischen den Branchen. Beschäftigung wächst unter anderem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in Erziehung und Unterricht. Dort ist Teilzeitarbeit traditionell weit verbreitet. Im Verarbeitenden Gewerbe sieht die Lage anders aus: Dort gehen Arbeitsplätze verloren, und ein großer Teil dieser Stellen entfällt auf Vollzeitbeschäftigte.
„Die Konjunktur hat sich zuletzt gefestigt, die Arbeitszeit der Beschäftigten zieht deshalb wieder etwas an. Aber die Krisenbranche Industrie verliert viele Vollzeitstellen, so dass insgesamt dennoch weniger Stunden gearbeitet wurden“, sagt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“.
Teilzeitquote in Deutschland hat sich seit 1991 mehr als verdoppelt
Der Rekord bei der Teilzeitquote ist allerdings keine kurzfristige Erscheinung. Die lange IAB-Zeitreihe reicht bis 1991 zurück und dokumentiert einen tiefen Wandel auf dem Arbeitsmarkt. Im zweiten Quartal 1991 lag die Teilzeitquote noch bei rund 18,5 Prozent. Damals arbeiteten etwa 6,5 Millionen Menschen in Teilzeit. 2026 sind es rund 16,9 Millionen und damit mehr als zweieinhalbmal so viele.
Bei den Vollzeitstellen verlief die Entwicklung in die andere Richtung. Im zweiten Quartal 1991 gab es rund 28,8 Millionen Vollzeitbeschäftigte, heute sind es etwa 25,1 Millionen. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass Vollzeitstellen direkt in Teilzeitstellen umgewandelt wurden. Bevölkerung, Erwerbsbeteiligung und Branchenstruktur haben sich in diesen 35 Jahren ebenfalls verändert.
Auch die durchschnittlichen Arbeitszeiten liefern einen überraschenden Vergleich. Teilzeitbeschäftigte arbeiten heute im Schnitt sogar länger als Anfang der 1990er-Jahre. Die betriebsübliche Wochenarbeitszeit entwickelte sich so:
- Teilzeit: von 16,50 Stunden im Jahr 1991 auf 18,88 Stunden 2026
- Vollzeit: von 39,06 auf 38,32 Stunden
- alle Beschäftigten zusammen: zuletzt 30,50 Stunden pro Woche
Mehr Erwerbstätige leisten insgesamt kaum mehr Stunden
Noch auffälliger ist der Blick auf alle Erwerbstätigen. Ihre Zahl stieg von rund 38,9 Millionen im zweiten Quartal 1991 auf knapp 45,7 Millionen im zweiten Quartal 2026. Das gesamte unbereinigte Arbeitsvolumen lag in beiden Quartalen dennoch bei rund 14,4 Milliarden Stunden. Pro Erwerbstätigem wurden 2026 im zweiten Quartal durchschnittlich 314,7 Stunden gearbeitet.
Auch kurzfristig geht das Arbeitsvolumen zurück. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 sank es um 0,5 Prozent. Saison- und kalenderbereinigt betrug das Minus gegenüber dem Vorquartal 0,7 Prozent. „Nach Corona gab es noch einmal eine Erholung, aber mittlerweile geht es mit dem Arbeitsvolumen bergab“, so Weber.
Kurz zusammengefasst:
- Die Teilzeitquote in Deutschland erreichte im zweiten Quartal 2026 mit 40,3 Prozent einen Rekord. 1991 lag sie noch bei rund 18,5 Prozent.
- Während rund 85.000 Teilzeitbeschäftigte hinzukamen, gingen binnen eines Jahres rechnerisch etwa 239.000 Vollzeitstellen verloren, vor allem belastet der Stellenabbau in der Industrie.
- Deutschland hat heute deutlich mehr Erwerbstätige als 1991, das gesamte unbereinigte Arbeitsvolumen liegt im Vergleich der zweiten Quartale aber weiterhin bei rund 14,4 Milliarden Stunden.
Übrigens: Während die Teilzeitquote in Deutschland auf einen Rekord steigt, sprechen arbeitspsychologische Analysen gegen die Annahme, dass weniger Arbeitszeit automatisch weniger Leistung bedeutet. Bei gut organisierten Modellen können schon 25 bis 30 Wochenstunden produktiv sein. Mehr dazu in unserem Artikel.
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