Russlands Starlink-Alternative kämpft mit Problemen – zwei Satelliten drohen zu verglühen

Russlands Starlink-Alternative Rassvet hat Probleme: Ein Satellit ist verloren, zwei weitere könnten in der Atmosphäre verglühen.

Eine Falcon-9-Rakete von SpaceX bringt im April 2025 weitere Starlink-Satelliten ins All. Russlands Rassvet-Netz soll langfristig eine eigene Alternative zum US-System schaffen. © U.S. Space Force SLD45 by Robert Mason via Wikimedia Commons unter Public domain

Eine Falcon-9-Rakete von SpaceX bringt im April 2025 weitere Starlink-Satelliten ins All. Russlands Rassvet-Netz soll langfristig eine eigene Alternative zum US-System schaffen. © U.S. Space Force SLD45 by Robert Mason via Wikimedia Commons unter Public domain

Russland will mit einem eigenen Satellitennetz unabhängiger von ausländischer Kommunikationstechnik werden und eine Alternative zu Starlink von SpaceX aufbauen. Doch schon während der ersten Ausbauphase häufen sich Probleme. Ein Rassvet-Satellit ist nach wenigen Wochen wieder in die Erdatmosphäre eingetreten, zwei weitere verlieren offenbar an Höhe. Für Moskau wird damit aus einem technischen Problem auch eine Frage des Zeitplans: Bis Ende 2027 sollen fast 300 Satelliten einsatzbereit sein.

Hinter Russlands Starlink-Alternative steht das Raumfahrtunternehmen Bureau 1440. Das ukrainische Medium Defense Express berichtet unter Berufung auf öffentlich verfügbare Trackingdaten über die Schwierigkeiten. Zwei Gruppen von Rassvet-3-Satelliten starteten 2026 ins All, die erste am 23. März und die zweite am 19. Juli. Einige der Raumfahrzeuge sollen nach dem Start offenbar nicht jene Umlaufbahnen erreicht haben, die für den späteren Betrieb vorgesehen waren.

Russlands Starlink-Alternative verliert bereits einen Satelliten

Besonders deutlich wurde das beim Satelliten Rassvet-3 Nummer 4. Der Satellit konnte seine Umlaufbahn nach dem Start nicht ausreichend anheben. Am 6. Juni trat er wieder in die Erdatmosphäre ein und ging verloren. Nun richten sich die Blicke auf zwei weitere Satelliten aus der zweiten Startgruppe.

Rassvet-3 Nummer 17 und Nummer 23 wurden am 19. Juli ausgesetzt. Seitdem registrierten die Beobachter laut Bericht kein Manöver, mit dem die beiden Satelliten ihre Flughöhe erhöht hätten. Im Durchschnitt bewegen sie sich rund 290 Kilometer über der Erde. Der tiefste Punkt ihrer Umlaufbahn liegt bei etwa 277 Kilometern.

Das ist für einen längerfristigen Betrieb sehr niedrig. Auch mehrere Hundert Kilometer über der Erdoberfläche befinden sich noch Teilchen der oberen Atmosphäre. Sie erzeugen Widerstand und bremsen Satelliten nach und nach ab. Je tiefer ihre Bahn sinkt, desto stärker wirkt dieser Effekt. Ohne Kurskorrekturen verlieren die Raumfahrzeuge deshalb weiter an Höhe.

Zwei Rassvet-Satelliten könnten weiter absinken

Sollten die Triebwerke nicht aktiviert werden, könnte sich die Umlaufbahn so weit absenken, dass ein Wiedereintritt nicht mehr verhindert werden kann. „Wenn die Satelliten ihre Antriebe nicht aktivieren und höher steigen, könnte irgendwann ein Punkt erreicht sein, an dem der Wiedereintritt unvermeidbar wird“, berichtet das ukrainische Portal United24Media unter Berufung auf die ausgewerteten Bahndaten.

Doch auch andere Satelliten des Programms befinden sich offenbar niedriger als ursprünglich angekündigt. Für Rassvet war eine Umlaufbahn von ungefähr 800 Kilometern vorgesehen. Die Satelliten der ersten Gruppe fliegen dem Bericht zufolge größtenteils in etwa 500 bis 550 Kilometern Höhe. Einige haben selbst dieses Niveau bislang nicht erreicht.

Warum Bureau 1440 die Bahnen nicht weiter angehoben hat, ist bislang offen. Für das geplante Netz entsteht dadurch zusätzlicher Druck, denn Rassvet soll aus Hunderten miteinander kommunizierenden Satelliten bestehen. Sie sollen schnelles Breitbandinternet bereitstellen und Russland ein eigenes System nach dem Vorbild von Starlink verschaffen.

Russland muss bis Ende 2027 fast 300 Satelliten ins All bringen

Der Zeitplan ist ehrgeizig. Bereits 2027 soll das Netz erste Dienste anbieten. Bis zum Jahresende sollen rund 292 Satelliten betriebsbereit sein. Dafür braucht Bureau 1440 zahlreiche weitere Starts, während technische Ausfälle ersetzt und die bereits gestarteten Raumfahrzeuge in geeignete Umlaufbahnen gebracht werden müssen.

Zusätzlich könnten Probleme bei der Raketenproduktion den Ausbau erschweren. Am 15. August wurde nach Angaben von United24Media das Progress-Raketen- und Raumfahrtzentrum im russischen Samara von ukrainischen FP-5-Flamingo-Marschflugkörpern getroffen. Dort entstehen Raketen der Sojus-Familie, darunter auch die Sojus-2.1b, mit der die bisherigen Rassvet-Satelliten gestartet wurden.

Zeitplan könnte schwerer zu erreichen sein

Die Produktionskapazität für Trägerraketen galt dem Bericht zufolge schon zuvor als Engpass. Die Sojus-Raketen werden außerdem für weitere russische Raumfahrtmissionen eingesetzt, darunter militärische sowie Kommunikations- und Aufklärungssatelliten. Schäden an der Produktionsstätte könnten daher den Startplan von Rassvet zusätzlich unter Druck setzen.

Bureau 1440 muss damit mehrere Probleme parallel bewältigen: weitere Satelliten bauen, ausreichend Raketen bereitstellen und die Geräte nach dem Start zuverlässig auf ihre vorgesehenen Bahnen bringen. „Sollten diese Rückschläge anhalten, könnte Russlands Plan, bis Ende 2027 fast 300 Rassvet-Satelliten zu betreiben, deutlich schwerer zu erreichen sein“ so United24.

Kurz zusammengefasst:

  • Russland baut mit Rassvet ein eigenes Satellitennetz nach dem Vorbild von Starlink auf, doch ein Satellit ist bereits verloren gegangen und zwei weitere verlieren offenbar an Höhe.
  • Die beiden gefährdeten Satelliten kreisen derzeit in rund 290 Kilometern Höhe und könnten ohne Bahnkorrektur wieder in die Erdatmosphäre eintreten.
  • Bis Ende 2027 sollen rund 292 Rassvet-Satelliten einsatzbereit sein, während technische Probleme und mögliche Engpässe bei Sojus-Raketen den Zeitplan erschweren.

Übrigens: Schon 2024 sorgte Russlands Raumfahrtpolitik für Streit, als im UN-Sicherheitsrat ein russischer Vorstoß gegen Waffen im All scheiterte. Die USA hatten Moskau damals militärische Aktivitäten im Orbit vorgeworfen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © U.S. Space Force SLD45 by Robert Mason via Wikimedia Commons unter Public domain

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