Nur jeder siebte Jugendliche in Deutschland bewegt sich genug – Mädchen besonders betroffen

Nur 15 Prozent der Jugendlichen in Deutschland bewegen sich täglich mindestens eine Stunde. Bei Mädchen sind es sogar nur neun Prozent.

Je älter Jugendliche werden, desto weniger bewegen sie sich. Besonders bei Mädchen nimmt die körperliche Aktivität im Laufe der Jugend deutlich ab – mit möglichen Folgen für die Gesundheit.

Je älter Jugendliche werden, desto weniger bewegen sie sich. Besonders bei Mädchen nimmt die körperliche Aktivität im Laufe der Jugend deutlich ab – mit möglichen Folgen für die Gesundheit. © Pexels

Je älter Jugendliche werden, desto weniger bewegen sie sich. In Deutschland erreichen Elfjährige noch an durchschnittlich 4,3 Tagen pro Woche mindestens eine Stunde körperliche Aktivität. Mit 17 Jahren sind es nur noch 3,4 Tage. Besonders bei Mädchen ist der Bewegungsmangel ausgeprägt: Nur neun Prozent der Mädchen in Deutschland sind an allen sieben Wochentagen mindestens eine Stunde körperlich aktiv. Bei Jungen sind es 17 Prozent – fast doppelt so viele.

Insgesamt schafft das nur etwa jeder siebte Jugendliche. Dabei ist regelmäßige Bewegung gerade in dieser Lebensphase wichtig für die körperliche Entwicklung, die psychische Gesundheit und die Vorbeugung späterer Erkrankungen.

Wie groß der Bewegungsmangel bei Jugendlichen in Deutschland tatsächlich ist, lässt sich aus einer internationalen Untersuchung im Fachjournal The Lancet Global Health ablesen. Dafür wertete ein Forschungsteam unter Beteiligung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 389 Befragungen mit mehr als 3,2 Millionen Jugendlichen aus 140 Ländern aus. Die statistische Modellierung leitete Seth Flaxman von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU). Weltweit hat sich die körperliche Aktivität Jugendlicher seit 2010 kaum verbessert.

Bewegungsmangel bei Jugendlichen in Deutschland trifft Mädchen besonders

Auch weltweit sind Mädchen seltener körperlich aktiv als Jungen. In Europa und anderen wohlhabenden Regionen nimmt ihre Aktivität während der Jugend besonders deutlich ab. Zwischen dem elften und 17. Lebensjahr sinkt die durchschnittliche Zahl aktiver Tage bei Mädchen um 1,2 bis 1,4 Tage pro Woche. Bei Jungen beträgt der Rückgang dagegen nur 0,5 bis 0,8 Tage.

„Jungen sind fast doppelt so häufig täglich aktiv wie Mädchen. Zudem bewegen sich ältere Jugendliche deutlich weniger als jüngere“, sagt Studienerstautorin Tessa Strain von der University of Edinburgh. Die Unterschiede bestehen in nahezu allen untersuchten Weltregionen. Besonders groß fallen sie unter anderem in Brasilien, Ägypten und Südkorea aus.

Fast die Hälfte der Jugendlichen bewegt sich an höchstens drei Tagen ausreichend

In Deutschland erreichen rund 45 Prozent der Jugendlichen an höchstens drei Tagen pro Woche mindestens eine Stunde körperliche Aktivität. Etwa fünf Prozent schaffen das an keinem einzigen Tag. Im weltweiten Vergleich fällt dieser Anteil deutlich höher aus: Dort erreicht jeder vierte Jugendliche an keinem Wochentag die Marke von 60 Minuten Bewegung.

Als aktiven Tag werteten die Wissenschaftler mindestens 60 Minuten Bewegung mittlerer bis hoher Intensität. Dazu zählen beispielsweise zügiges Radfahren, Laufen und viele Sportarten. Die aktuelle WHO-Empfehlung aus dem Jahr 2020 sieht durchschnittlich 60 Minuten solcher Aktivität pro Tag über die gesamte Woche vor.

Finnland liegt bei täglicher Bewegung weit vor Deutschland

Wie unterschiedlich häufig Jugendliche die tägliche Stundenmarke erreichen, verdeutlicht der internationale Vergleich. Besonders in Finnland gehört regelmäßige körperliche Aktivität deutlich häufiger zum Alltag als in Deutschland.

  • Finnland: 28 Prozent erreichen an allen sieben Tagen mindestens 60 Minuten Bewegung.
  • Kanada: 25 Prozent schaffen diese Marke täglich.
  • Österreich und Polen: jeweils 19 Prozent.
  • Niederlande: 18 Prozent.
  • Deutschland und Schweiz: jeweils etwa 15 Prozent.
  • Frankreich: elf Prozent.
  • Italien: neun Prozent.

Damit liegt Deutschland hinter mehreren europäischen Nachbarn, aber vor Frankreich und Italien. Die Werte beschreiben ausschließlich den Anteil der Jugendlichen mit sieben aktiven Tagen. Wie viele Stunden sie sich insgesamt pro Woche bewegen, bleibt dabei offen.

Weltweit erreichen 240 Millionen Jugendliche an keinem Tag eine Stunde

Außerhalb Europas fällt die Bilanz teilweise erheblich schlechter aus. Weltweit erreichen rund 240 Millionen der etwa 950 Millionen Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren an keinem Wochentag mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität. Das entspricht knapp einem Viertel. Nur 13,9 Prozent schaffen die Stundenmarke täglich. Im Durchschnitt kommen Jugendliche weltweit auf 2,7 aktive Tage pro Woche.

Seit 2010 hat sich daran kaum etwas geändert. Die WHO strebt bis 2030 eine Verringerung des Anteils unzureichend aktiver Jugendlicher um 15 Prozent gegenüber 2010 an. Doch bei einer Fortsetzung der bisherigen Entwicklung wird kein einziges Land dieses Ziel erreichen. Weltweit verfehlen nach den Berechnungen weiterhin rund 86 Prozent die Schwelle von sieben aktiven Tagen pro Woche.

Sichere Schulwege und Sportangebote erleichtern tägliche Bewegung

Wie häufig sich Jugendliche bewegen, hängt auch von ihren Lebensbedingungen ab. Sichere Fuß- und Radwege ermöglichen einen aktiven Schulweg. Öffentliche Sportplätze, Grünanlagen und bezahlbare Freizeitangebote schaffen weitere Bewegungsmöglichkeiten. Fehlen solche Angebote, wird regelmäßige körperliche Aktivität im Alltag schwieriger.

Auch das schulische Umfeld und gesellschaftliche Erwartungen beeinflussen die Bewegungsgewohnheiten. Die WHO spricht sich deshalb für Maßnahmen aus, die besonders wenig aktive Jugendliche erreichen. RPTU-Wissenschaftler Flaxman betont: „Wir können Jugendliche dabei unterstützen, jeden Tag aktiv zu sein, und durch inklusive politische Maßnahmen gerade diejenigen erreichen, die sich bislang gar nicht bewegen.“

Kurz zusammengefasst:

  • Nur etwa jeder siebte Jugendliche in Deutschland erreicht an allen sieben Wochentagen mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität – bei Mädchen sind es nur neun Prozent, bei Jungen 17 Prozent.
  • Mit zunehmendem Alter nimmt die Bewegung ab: Elfjährige erreichen die Stundenmarke durchschnittlich an 4,3 Tagen pro Woche, 17-Jährige nur noch an 3,4 Tagen.
  • Regelmäßige Bewegung fördert die körperliche und psychische Gesundheit: Sichere Schulwege, Sportangebote und Bewegungsmöglichkeiten im Alltag können Jugendlichen helfen, aktiver zu werden.

Übrigens: Regelmäßige Bewegung könnte auch der psychischen Gesundheit zugutekommen. Eine Auswertung von 33 Studien mit mehr als 96.000 Erwachsenen ergab, dass 7.000 Schritte täglich mit einem 31 Prozent geringeren Depressionsrisiko verbunden waren – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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