Wer täglich 9.000 Schritte geht, schneidet bei Konzentrationstests besser ab

Wie viele Schritte pro Tag hängen mit besserer Konzentration zusammen? US-Forscher fanden bei 3.093 Erwachsenen auffällige Unterschiede.

Fitnessarmbänder zählen jeden Schritt: Schon rund 9.000 Schritte täglich hängen mit besserer Konzentration zusammen. © Symbolbild/Pexels

Fitnessarmbänder zählen jeden Schritt: Schon rund 9.000 Schritte täglich hängen mit besserer Konzentration zusammen. (Symbolbild) © Pexels

Viel Bewegung im Alltag scheint nicht nur dem Körper, sondern auch dem Kopf gutzutun. Eine Untersuchung mit 3.093 Erwachsenen zeigt: Rund 9.000 Schritte täglich gehen mit einer besseren Konzentration einher. Menschen, die viel zu Fuß unterwegs sind, lassen sich offenbar weniger leicht ablenken und schneiden bei Tests zur Selbstkontrolle besser ab.

Wissenschaftler verglichen Menschen mit durchschnittlich 5.108, 8.875 und 14.161 Schritten pro Tag. Bereits die mittlere Gruppe erzielte bei mehreren Aufmerksamkeitstests bessere Ergebnisse als die Teilnehmer mit der geringsten Bewegung, wie das Wissenschaftsportal ScienceAlert berichtet.

Wie viele Schritte pro Tag machen einen Unterschied bei der Konzentration?

Das Forschungsteam um den Psychiater Olaoluwa Okusaga vom Baylor College of Medicine in Houston nutzte Daten des amerikanischen Forschungsprogramms All of Us. Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 93 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei rund 58 Jahren. Wie viel sich die Teilnehmer im Alltag bewegten, zeichneten Fitnessarmbänder von Fitbit über unterschiedlich lange Zeiträume auf.

Neben der körperlichen Aktivität interessierten die Wissenschaftler vor allem drei geistige Fähigkeiten:

  • Aufmerksamkeit: Über längere Zeit konzentriert bleiben, ohne gedanklich abzuschweifen.
  • Ablenkungskontrolle: Störende Informationen ausblenden und sich auf eine Aufgabe konzentrieren.
  • Selbstkontrolle: Einer sofortigen Belohnung widerstehen, um später einen größeren Vorteil zu erhalten.

Bei Aufmerksamkeitstests schneiden Vielgeher messbar besser ab

Besonders bei längerer Konzentration schnitten die aktiveren Teilnehmer besser ab. Wer mehr Schritte am Tag zurücklegte, erreichte im Aufmerksamkeitstest höhere Werte. Gegenüber Menschen mit durchschnittlich 5.108 Schritten täglich ergaben sich folgende Unterschiede:

  • 8.875 Schritte pro Tag: Die Teilnehmer erzielten im Durchschnitt 1,76 Punkte mehr.
  • 14.161 Schritte pro Tag: Der Vorsprung stieg auf 2,17 Punkte.

Die Unterschiede waren gering, blieben aber auch nach Berücksichtigung von Alter, Bildung, Einkommen, Familienstand und Geburtsort bestehen. „In mehreren Bereichen der geistigen Leistungsfähigkeit erzielten Menschen aus den aktiveren Gruppen tendenziell bessere Testergebnisse“, erklärt Okusaga. Ob sich die höheren Testwerte auch bei der Arbeit oder im Alltag bemerkbar machen, wurde nicht untersucht.

Mehr Bewegung hängt auch mit besserer Selbstkontrolle zusammen

Bei der Arbeit konzentriert bleiben, spontane Impulse unterdrücken oder für ein langfristiges Ziel auf eine sofortige Belohnung verzichten: Solche Fähigkeiten verlangen dem Gehirn einiges ab. Auch hier erzielten die körperlich aktiveren Teilnehmer bessere Ergebnisse. Besonders bei der Selbstkontrolle fiel es ihnen in den Tests leichter, einen späteren Vorteil einer unmittelbaren Belohnung vorzuziehen.

Allerdings galt der Zusammenhang nicht für alle geistigen Fähigkeiten. Beim Erkennen von Gefühlen anhand menschlicher Gesichtsausdrücke schnitten die aktiveren Teilnehmer nicht signifikant besser ab. Mehr Schritte waren somit vor allem mit besseren Leistungen bei Aufmerksamkeit, Ablenkungskontrolle und Entscheidungen über Belohnungen verbunden.

Auch der Blutdruck hängt mit Entscheidungen zusammen

Neben der täglichen Bewegung untersuchten die Wissenschaftler auch den Blutdruck. Dabei fiel auf: Teilnehmer mit einem höheren systolischen Blutdruck, also dem oberen Messwert, schnitten bei Entscheidungen zwischen sofortigen und späteren Belohnungen etwas schlechter ab. Für den unteren, diastolischen Blutdruck fanden sie dagegen keinen statistisch bedeutsamen Zusammenhang.

Ein niedrigerer systolischer Blutdruck erklärte rechnerisch allerdings nur rund fünf Prozent des Zusammenhangs zwischen Schrittzahl und Belohnungsentscheidungen. Die Wissenschaftler vermuten deshalb weitere körperliche Vorgänge, die Bewegung und geistige Leistungsfähigkeit miteinander verbinden könnten:

  • Zuckerstoffwechsel: Bewegung kann dem Körper helfen, Zucker besser zu verwerten. Das Gehirn benötigt Glukose als wichtigen Energielieferanten.
  • Entzündungsprozesse: Regelmäßige körperliche Aktivität könnte Entzündungen verringern, die auch die Gehirnfunktion beeinträchtigen können.
  • Anpassungsfähigkeit des Gehirns: Bewegung könnte die Fähigkeit des Gehirns fördern, neue Verbindungen aufzubauen und sich an veränderte Anforderungen anzupassen.

Ob diese Vorgänge tatsächlich für die besseren Testergebnisse verantwortlich sind, haben die Wissenschaftler nicht untersucht.

Warum 9.000 Schritte keine feste Grenze für bessere Konzentration sind

Die Bewegungsdaten reichen bis ins Jahr 2009 zurück. Wie sich die Konzentrationsfähigkeit der Teilnehmer über die Jahre entwickelte, lässt sich daraus allerdings nicht ablesen. Denn die Wissenschaftler überprüften ihre geistige Leistungsfähigkeit nur einmal, im September 2023. Auch Veränderungen der täglichen Schrittzahl standen nicht in einem statistisch bedeutsamen Zusammenhang mit den Testergebnissen.

Weitere Unsicherheiten ergeben sich aus der Zusammensetzung der Teilnehmergruppe: Rund zwei Drittel waren Frauen, die meisten verfügten über eine höhere Bildung. Zudem konnten die Wissenschaftler Rauchen und starkes Übergewicht bei ihrer Auswertung nicht berücksichtigen. Eine optimale tägliche Schrittzahl für bessere Konzentration lässt sich deshalb nicht festlegen. „Unsere Untersuchung war eine Beobachtungsstudie und sollte keine optimale tägliche Schrittzahl für die geistige Gesundheit bestimmen“, fasst Okusaga zusammen.

Kurz zusammengefasst:

  • Aufmerksamkeit: Menschen mit durchschnittlich 8.875 oder 14.161 Schritten täglich schnitten bei Konzentrationstests besser ab als Teilnehmer mit 5.108 Schritten.
  • Selbstkontrolle: Körperlich aktivere Menschen konnten störende Reize besser ausblenden und bei Entscheidungen eher auf spätere Belohnungen warten.
  • Aussagekraft: Die Unterschiede waren gering, und eine optimale Schrittzahl oder eine ursächliche Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit ließ sich nicht nachweisen.

Übrigens: Mehr Bewegung hängt nicht automatisch mit einem besseren Gedächtnis zusammen. In einer anderen Untersuchung verbesserte regelmäßiger Sport nach zwölf Wochen zwar die Stimmung, brachte aber keinen messbaren Gedächtnisvorteil. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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