Zwei von drei deutschen Betrieben sind KI-Verweigerer – 88 Prozent sehen keinen Nutzen
Laut IAB erkennen 88 Prozent der Betriebe ohne KI-Nutzung und entsprechende Pläne keine Einsatzmöglichkeiten – trotz möglicher Vorteile.
Rechnungen, Angebote und Terminplanung: KI könnte viele Büroarbeiten erleichtern. Doch zwei Drittel der deutschen Betriebe verzichten bislang darauf. © Pexels
Künstliche Intelligenz kann Texte schreiben, Rechnungen vorbereiten und Arbeitsabläufe beschleunigen. Doch zwei von drei deutschen Betrieben verzichten bislang auf KI. Noch erstaunlicher: 88 Prozent der Unternehmen, die KI weder nutzen noch ihren Einsatz planen, sehen dafür keine geeignete Verwendung. Selbst Betriebe, deren Beschäftigte besonders stark von KI profitieren könnten, erkennen häufig keinen Nutzen.
Das geht aus einer Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, die im IAB-Forum veröffentlicht wurde. Grundlage ist eine Befragung aus dem zweiten Halbjahr 2025. Damals nutzte bereits jeder vierte Betrieb generative KI – fünfmal so viele wie 2023. Weitere neun Prozent planten den Einstieg. Besonders verbreitet war die Technologie in größeren Unternehmen und bei wissensintensiven Dienstleistern.
Warum Betriebe auf KI verzichten
Neben fehlenden Einsatzmöglichkeiten gibt es weitere Hindernisse. Vor allem mangelndes Fachwissen und technische Schwierigkeiten bremsen die Einführung. Unter den Betrieben, die KI weder nutzen noch ihren Einsatz planen, nennen die Befragten folgende Gründe:
- 36 Prozent fehlt das notwendige Wissen über KI.
- 34 Prozent haben nicht genügend Fachkräfte für die Einführung.
- 33 Prozent halten ihre Hard- und Software für ungeeignet.
- 32 Prozent haben Datenschutz- und Sicherheitsbedenken.
- 32 Prozent beklagen rechtliche Unsicherheiten.
- 30 Prozent halten KI für zu teuer.
Schlechte Erfahrungen schrecken dagegen nur wenige ab. Lediglich sieben Prozent der Nichtnutzer haben KI bereits ausprobiert, ohne dass die Ergebnisse ihre Erwartungen erfüllten. In der Informations- und Kommunikationsbranche liegt dieser Anteil bei knapp einem Viertel.
Selbst Unternehmen mit großem KI-Potenzial erkennen kaum Einsatzmöglichkeiten
In vielen Betrieben könnten KI-Sprachmodelle Aufgaben beschleunigen, ohne die Qualität der Arbeit zu verschlechtern. Trotzdem sehen selbst unter den Nichtnutzern mit besonders hohem KI-Potenzial 85 Prozent keine geeigneten Einsatzmöglichkeiten. Bei Betrieben mit geringem Potenzial sind es 91 Prozent.
Bei der tatsächlichen Nutzung fallen die Unterschiede größer aus: In Betrieben mit besonders geringem beruflichen KI-Potenzial setzen lediglich 13 Prozent die Technologie ein. In der Gruppe mit dem höchsten Potenzial sind es 41 Prozent. Nach Einschätzung der IAB-Autoren erkennen manche Unternehmen mögliche Anwendungen bislang nicht oder können sie noch nicht in ihre Arbeitsabläufe integrieren.

Auch Handwerksbetriebe können von KI profitieren
Ein Gerüstbauer kann seine körperliche Arbeit nicht von einem KI-Sprachmodell erledigen lassen. Angebote schreiben, Rechnungen vorbereiten oder Termine für den Auf- und Abbau koordinieren – bei solchen Aufgaben kann die Technologie jedoch helfen.
Gerade kleine Betriebe sehen dafür häufig keinen Bedarf. Fast 90 Prozent der Kleinstbetriebe ohne KI-Nutzung und entsprechende Pläne erkennen keine geeigneten Einsatzmöglichkeiten. Unter den Nichtnutzern mit mindestens 200 Beschäftigten sind es weniger als zwei Drittel. Größere Unternehmen haben meist vielfältigere Aufgaben und damit mehr Möglichkeiten, KI sinnvoll einzusetzen.
Ältere Betriebe haben häufiger technische Probleme
Im verarbeitenden Gewerbe erschweren bestehende Maschinen, IT-Systeme und Produktionsabläufe häufig den Einsatz von KI. Manche technischen und organisatorischen Hindernisse nennen Industriebetriebe um bis zu 15 Prozentpunkte häufiger als Dienstleister.
Jüngere Betriebe kommen mit solchen Herausforderungen offenbar besser zurecht. Sie berichten um fünf bis zehn Prozentpunkte seltener von fehlendem Wissen, Fachkräftemangel oder technischen Schwierigkeiten. Dieser Unterschied bleibt auch bestehen, wenn Unternehmensgröße und Branche berücksichtigt werden. Ein möglicher Grund sind modernere IT-Systeme und weniger festgelegte Arbeitsabläufe.
Datenschutz und rechtliche Unsicherheit bremsen KI
Auch rechtliche Vorgaben halten Unternehmen vom KI-Einsatz ab. Rund ein Drittel der Nichtnutzer nennt Datenschutzbedenken oder rechtliche Unsicherheiten. Besonders häufig betrifft das Branchen mit sensiblen Informationen, etwa das Gesundheits- und Finanzwesen. Neben dem europäischen KI-Gesetz spielen Fragen zur Haftung und zum Umgang mit personenbezogenen Daten eine Rolle.
Seit der Befragung im zweiten Halbjahr 2025 haben sich die technischen Möglichkeiten weiterentwickelt. Neuere KI-Systeme können bereits mehrere Arbeitsschritte selbstständig erledigen. Ob dadurch inzwischen mehr Betriebe geeignete Anwendungen erkennen, ist offen.
Die IAB-Autoren empfehlen Unternehmen deshalb, KI zunächst bei einzelnen Aufgaben auszuprobieren und den wirtschaftlichen Nutzen zu prüfen. Welche Anwendungen sinnvoll sind, hängt stark von den jeweiligen Arbeitsabläufen ab.
Kurz zusammengefasst:
- Zwei von drei deutschen Betrieben nutzten im zweiten Halbjahr 2025 keine Künstliche Intelligenz und planten auch keinen Einsatz.
- 88 Prozent dieser Betriebe sahen keine geeigneten Anwendungsmöglichkeiten für KI, obwohl die Technologie viele Büro- und Verwaltungsaufgaben erleichtern könnte.
- Fehlendes Wissen (36 Prozent), Fachkräftemangel (34 Prozent) und technische Probleme (33 Prozent) gehören zu den häufigsten weiteren Hindernissen beim KI-Einsatz.
Übrigens: Selbst dort, wo Künstliche Intelligenz bereits zum Büroalltag gehört, bleibt der erhoffte Produktivitätsschub häufig aus. Warum trotz KI weiterhin rund ein Drittel der Arbeitszeit durch Meetings, E-Mails und schlechte Organisation verloren geht, mehr dazu in unserem Artikel.
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