Nach einer Grippe können Langzeitfolgen über ein Jahr bleiben – Studie zeigt auffällige Parallelen zu Long Covid

Auch Monate nach einer Grippe können Langzeitfolgen bleiben. Eine deutsche Studie zeigt dabei auffällige Parallelen zu Long Covid.

Erschöpfung und geringe Belastbarkeit gehören zu den häufigsten Beschwerden, die nach einer Grippe noch über Monate bestehen können. © Pexels

Erschöpfung und geringe Belastbarkeit gehören zu den häufigsten Beschwerden, die nach einer Grippe noch über Monate bestehen können. © Pexels

Eine Grippe ist meist nach einigen Tagen überstanden, doch nicht jeder fühlt sich danach wieder gesund. Erschöpfung, Atemnot und eine deutlich geringere Belastbarkeit können noch Monate bestehen bleiben. Solche Langzeitfolgen treten offenbar keineswegs nur nach Corona auf. Eine aktuelle deutsche Untersuchung mit fast 47.000 Teilnehmern kommt zu dem Ergebnis, dass auch Influenza und andere Atemwegsinfektionen ähnliche Beschwerden hinterlassen können. Bei einem großen Teil der Betroffenen hielten sie sogar länger als ein Jahr an.

Die Studie stammt von der Universitätsmedizin Halle und erschien im Deutschen Ärzteblatt. Grundlage waren Angaben aus der bundesweiten DigiHero-Studie für den Zeitraum von September 2024 bis August 2025. Knapp die Hälfte der Befragten, rund 48 Prozent, erinnerte sich an mindestens eine Atemwegsinfektion. Rund 4.300 Menschen berichteten anschließend über Beschwerden, die mindestens zwölf Wochen anhielten. Damit fallen sie unter das sogenannte postakute Infektionssyndrom, kurz PAIS.

Wie eine Grippe Langzeitfolgen über Monate hinterlassen kann

PAIS umfasst Beschwerden, die nach der akuten Infektion nicht verschwinden. Sie können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und betreffen häufig die körperliche Leistungsfähigkeit. „Von ausgeprägter Erschöpfung und geringer körperlicher Belastbarkeit bis hin zu Atemnot gibt es eine Vielzahl von Symptomen, die bei PAIS auftreten können“, sagt Prof. Rafael Mikolajczyk, Direktor des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik in Halle.

Am häufigsten berichteten die Betroffenen über:

  • schnelle Erschöpfung und fehlende Energie,
  • geringere körperliche Belastbarkeit,
  • Atemnot bei Anstrengung,
  • eine deutlich langsamere Erholung nach alltäglicher Belastung.

Fast 90 Prozent der Menschen mit länger anhaltenden Beschwerden gaben an, dass diese ihren Alltag mäßig bis sehr stark beeinträchtigten. Damit geht es nicht bloß um ein paar zusätzliche Tage Müdigkeit nach einem Infekt.

Das Risiko steigt mit dem Alter spürbar an

Zunächst berichteten 19 Prozent der Menschen mit einer Atemwegsinfektion über Beschwerden von mindestens zwölf Wochen Dauer. Nach einer genaueren Einordnung der Angaben kamen die Forscher auf ein PAIS-Risiko von rund 16 Prozent. Ein Teil der Symptome ließ sich nach Einschätzung der Befragten nicht eindeutig auf den vorausgegangenen Infekt zurückführen.

Das Alter spielte dabei eine klare Rolle. Bei den 20- bis 29-Jährigen lag der Anteil mit länger anhaltenden Beschwerden bei 13 Prozent. Unter den 60- bis 69-Jährigen waren es 21 Prozent. Jüngere Menschen berichteten zwar häufiger von Atemwegsinfekten, ältere entwickelten danach jedoch öfter anhaltende Symptome.

Bei Grippe ähneln Langzeitfolgen denen von Long Covid

Nur bei etwa einem Viertel der gemeldeten Infektionen war bekannt, welcher Erreger dahinterstand. Dort zeigte sich jedoch ein auffälliges Muster: Nach Corona und nach Influenza ähnelten sich Beschwerden und Dauer stark. Erschöpfung, Atemnot, Energielosigkeit und verminderte Belastbarkeit traten bei beiden Erkrankungen in ähnlicher Form auf.

Auch bei der Erholung zeigten sich kaum Unterschiede. Innerhalb eines Jahres waren nur rund 17 Prozent der länger Erkrankten wieder vollständig beschwerdefrei. Bei der großen Mehrheit bestanden die Symptome darüber hinaus. Das rückt die Grippe näher an ein Problem heran, das seit der Corona-Pandemie vor allem unter dem Begriff Long Covid bekannt ist.

Viele Betroffene suchen wegen der Beschwerden ärztliche Hilfe

Mehr als die Hälfte der möglicherweise von PAIS Betroffenen, insgesamt 58 Prozent, suchte medizinische Hilfe. Von ihnen erhielten 82 Prozent eine Behandlung. Welche Therapien angewandt wurden und wie erfolgreich sie waren, wurde in der Untersuchung allerdings nicht näher erfasst.

„PAIS ist ein relativ häufiges und klinisch relevantes Phänomen nach Atemwegsinfektionen und dabei nicht auf einen bestimmten Erreger beschränkt“, sagt Co-Erstautorin Friederike Peter. Die Forscher weisen jedoch auch auf Grenzen ihrer Daten hin. Die Angaben beruhen auf Erinnerungen der Teilnehmer. Stärkere Infekte könnten daher häufiger im Gedächtnis geblieben sein. Außerdem lässt sich nicht ausschließen, dass Menschen mit länger bestehenden Beschwerden eher eine frühere Infektion damit in Verbindung bringen.

Die Corona-Pandemie machte ein älteres Phänomen bekannt

Langanhaltende Beschwerden nach Infektionen sind medizinisch schon länger bekannt. Durch Long Covid bekam das Thema jedoch wesentlich mehr Aufmerksamkeit. Die Daten aus Halle sprechen dafür, ähnliche Verläufe auch nach Influenza und anderen Atemwegsinfekten stärker zu berücksichtigen.

„Insgesamt gehen wir von einem Risiko von 16 Prozent aus, nach einer Atemwegsinfektion innerhalb des abgefragten Zeitraums langanhaltende Beschwerden entwickelt zu haben, die den Kriterien für PAIS entsprechen“, sagt Studienautor Jonas Frost. Damit betrifft das Problem nach Einschätzung der Forscher einen erheblichen Teil der Erkrankten.

Kurz zusammengefasst:

  • Auch eine Grippe kann Langzeitfolgen auslösen, die länger als zwölf Monate bestehen und Long Covid ähneln.
  • Rund 16 Prozent entwickelten nach einer Atemwegsinfektion Beschwerden, die zu einem postakuten Infektionssyndrom passen.
  • Mit zunehmendem Alter stieg das Risiko; Erschöpfung, Atemnot und geringe Belastbarkeit gehörten zu den häufigsten Beschwerden.

Übrigens: Während eine Grippe noch lange Beschwerden hinterlassen kann, arbeiten Forscher bereits an neuen Therapien gegen das Virus selbst. Ein Antikörper-Cocktail schützte Mäuse sogar vor mehreren Grippe- und Vogelgrippeviren. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Pexels

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