Frühe Wechseljahre: Studie sieht Zusammenhang mit Unfruchtbarkeit

Eine aktuelle Studie sieht für Frauen mit primärer Unfruchtbarkeit oder Endometriose ein höheres Risiko für frühere Wechseljahre.

Frau ist verzweifelt

Eine neue Studie verbindet Unfruchtbarkeit mit früheren Wechseljahren. Für betroffene Frauen kann das auch Hinweise auf spätere Gesundheitsrisiken geben. © Unsplash

Für die meisten Frauen scheinen die Wechseljahre weit entfernt, solange der Zyklus funktioniert. Doch der Zeitpunkt der Menopause hängt offenbar nicht nur von Zyklusfunktion und Alter ab. Eine neue Untersuchung legt nahe, dass Unfruchtbarkeit ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für einen früheren Beginn der Wechseljahre sein kann. Besonders auffällig war der Zusammenhang bei Frauen mit ungeklärter Unfruchtbarkeit oder Endometriose.

Die Ergebnisse sind vor allem deshalb relevant, weil Wechseljahre nicht nur Hitzewallungen oder Schlafprobleme bedeuten. Sie stehen auch mit langfristigen Gesundheitsrisiken in Verbindung. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und mögliche Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit.

Ein Jahr früher in die Menopause

Die Studie erschien im Fachjournal Menopause der Menopause Society. Das Forschungsteam wertete dafür Daten von knapp 700 Frauen aus. Etwa die Hälfte von ihnen hatte eine Diagnose wegen primärer Unfruchtbarkeit. Das heißt, dass die Frauen trotz Kinderwunsch nie schwanger geworden waren.

Frauen mit einer solchen Vorgeschichte kamen im Schnitt etwa ein Jahr früher in die natürliche Menopause als Frauen ohne diese Diagnose. Besonders deutlich zeigte sich das Risiko bei zwei Gruppen: Frauen mit ungeklärter Unfruchtbarkeit und Frauen mit Endometriose hatten ein erhöhtes Risiko für eine frühe Menopause vor dem 45. Lebensjahr.

Für eine sehr frühe Menopause vor dem 40. Lebensjahr fanden die Forscher dagegen keinen Zusammenhang. Das ist wichtig, weil Medizin und Alltagssprache hier oft durcheinandergeraten. Fachleute unterscheiden zwischen einer vorzeitigen Menopause vor 40 und einer frühen Menopause vor 45. Die neue Studie weist vor allem auf das Risiko vor dem 45. Geburtstag hin.

Auch ein Jahr kann gesundheitlich wichtig sein

Auf den ersten Blick klingt ein Jahr Unterschied gering. Medizinisch kann der Zeitpunkt der Menopause aber viel über die hormonelle Gesundheit verraten. Mit der Menopause sinkt die Produktion bestimmter Geschlechtshormone, vor allem von Östrogen. Dieser hormonelle Einschnitt betrifft nicht nur die Fruchtbarkeit, sondern auch andere Organsysteme.

Eine frühe Menopause kann daher mit diesen Langzeitfolgen in Verbindung stehen:

  • ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • eine geringere Knochendichte und ein höheres Osteoporose-Risiko
  • mögliche neurokognitive Beschwerden
  • ein höheres Risiko für Krebserkrankungen
  • Beschwerden durch hormonelle Umstellungen

Frauen verbringen heute im Schnitt mehr als ein Drittel ihres Lebens nach der Menopause. Beginnt diese Phase früher, verlängert sich auch die Zeit, in der hormonelle Veränderungen die Gesundheit beeinflussen können.

Unfruchtbarkeit betrifft nach Angaben der Menopause Society weltweit etwa jeden sechsten Menschen. Dabei steht meist zunächst der Kinderwunsch im Vordergrund. Doch Fruchtbarkeitsprobleme in jungen Jahren können auch etwas über die Gesundheit im Alter aussagen. Frühere Untersuchungen hatten bereits nach einem Zusammenhang zwischen Unfruchtbarkeit und Menopause gesucht, kamen aber nicht zu einheitlichen Ergebnissen. Die neue Arbeit richtet nun den Fokus auf die verschiedenen Ursachen von Unfruchtbarkeit und den Zusammenhang mit einer früheren Menopause.

Zwei Typen von Unfruchtbarkeit fallen besonders auf

Es gibt viele mögliche Hintergründe für Unfruchtbarkeit. Dazu gehören genetische Faktoren, hormonelle Einflüsse, Bedingungen während der Entwicklung im Mutterleib und Lebensstil. Auch andere bekannte Risikofaktoren spielen eine Rolle. Im Artikel werden Tabakkonsum, ein niedriger Body-Mass-Index, Kinderlosigkeit und eine frühe erste Regelblutung genannt. Mehrere Geburten und die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel standen dagegen in anderen Studien eher mit einer späteren Menopause in Verbindung. Laut Studie löst auch nicht direkt die Unfruchtbarkeit die Wechseljahre aus. Es gibt aber einen Zusammenhang, der medizinisch relevant sein kann.

Es scheint zudem nicht jede Form von Unfruchtbarkeit in gleichem Maß mit früheren Wechseljahren verbunden zu sein. In der Studie stachen vor allem ungeklärte Unfruchtbarkeit und Endometriose heraus. Bei ungeklärter Unfruchtbarkeit finden Ärzte trotz Untersuchungen keinen eindeutigen Grund, warum eine Schwangerschaft ausbleibt. Für Betroffene kann das besonders belastend sein, weil eine klare Ursache fehlt.

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der schleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Viele Betroffene haben starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex und oft Probleme mit der Fruchtbarkeit. Die Erkrankung kann über Jahre unerkannt bleiben. Im Zusammenhang mit einer frühen Menopause gewinnt sie nun eine weitere gesundheitliche Bedeutung.

Dr. Stephanie Faubion, medizinische Direktorin der Menopause Society, ordnet die Ergebnisse so ein: „Diese Studie zeigt, dass Frauen mit primärer Unfruchtbarkeit, insbesondere Frauen mit ungeklärter Unfruchtbarkeit oder einer Vorgeschichte von Endometriose, ein Risiko für eine frühe Menopause hatten.“

Was Frauen unter 45 beachten sollten

Frauen mit primärer Unfruchtbarkeit sollten vor allem Zyklusveränderungen ernst nehmen. Bleibt die Periode plötzlich aus oder verändert sich der Zyklus deutlich, kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein.

Das betrifft besonders Frauen unter 45, bei denen Beschwerden auftreten, die zu den Wechseljahren passen. Dazu gehören etwa:

  • unregelmäßige oder ausbleibende Blutungen
  • Hitzewallungen und Nachtschweiß
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Scheidentrockenheit
  • ungewohnte Erschöpfung

Hormontherapie kann eine Option sein

Die Menopause Society nennt in diesem Zusammenhang auch eine mögliche Hormontherapie, falls sie medizinisch angezeigt ist. Eine solche Behandlung kommt nicht für jede Frau infrage. Sie hängt von Alter, Beschwerden, Risikoprofil und persönlicher Vorgeschichte ab. Deshalb gehört die Entscheidung für oder wider in die ärztliche Beratung.

Wichtig bleibt die Abgrenzung: Die Studie liefert keinen Grund zur Panik für alle Frauen mit Kinderwunschproblemen. Sie zeigt auch nicht, dass jede Betroffene früher in die Wechseljahre kommt. Vielmehr weist sie auf eine Gruppe hin, bei der Ärzte genauer hinsehen sollten. Das gilt besonders dann, wenn Unfruchtbarkeit ungeklärt bleibt oder eine Endometriose vorliegt.

Faubion verweist auch auf mögliche Folgen. „Da eine frühe Menopause mit nachteiligen langfristigen Gesundheitsfolgen verbunden ist, könnten diese Frauen von einer Beratung profitieren, dass sie ein Risiko für eine frühe Menopause haben.“ Das könne ihnen helfen, auf Anzeichen zu achten und bei Bedarf eine Behandlung zu suchen.

Für die Praxis bedeutet das: Fruchtbarkeit und spätere hormonelle Gesundheit lassen sich nicht völlig getrennt betrachten. Wenn Unfruchtbarkeit, Zyklusprobleme und Beschwerden wie Hitzewallungen zusammentreffen, kann dahinter mehr stecken als eine vorübergehende Schwankung.

Kurz zusammengefasst:

  • Eine neue Studie deutet darauf hin, dass unfruchtbare Frauen im Schnitt etwa ein Jahr früher in die Menopause kommen.
  • Besonders auffällig war der Zusammenhang bei ungeklärter Unfruchtbarkeit und Endometriose; ein erhöhtes Risiko für eine Wechseljahre vor dem 40. Lebensjahr fanden die Forscher jedoch nicht.
  • Frühe Wechseljahre können Herz, Knochen und Gehirn langfristig belasten und steigern das Krebsrisiko, daher sollten Frauen mit entsprechender Vorgeschichte neue Zyklusveränderungen ärztlich abklären lassen.

Übrigens: Auch bei Männern gibt es die Diagnose „ungeklärte Unfruchtbarkeit“. Forscher der Universität Osaka haben herausgefunden, was deren Spermien lahmlegt – und wie sie wieder in Bewegung kommen. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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