Alien-Signale übersehen? Forscher suchen jetzt auf einer völlig neuen Frequenz

Eine ALMA-Analyse sucht Alien-Signale erstmals in kaum erforschten hohen Radiofrequenzen – bislang ohne Fund.

Unter einem funkelnden Sternenhimmel suchen die ALMA-Antennen in Chile nach Signalen aus bislang kaum erforschten Bereichen des Radiospektrums.

Unter einem funkelnden Sternenhimmel suchen die ALMA-Antennen in Chile nach Signalen aus bislang kaum erforschten Bereichen des Radiospektrums. © ESO/C. Malin (christophmalin.com)

Vielleicht suchen Astronomen seit Jahrzehnten auf dem falschen Funkkanal nach Alien-Signalen. Die meisten Programme konzentrieren sich auf einen schmalen Bereich des Radiospektrums. Höhere Frequenzen blieben dagegen fast unberührt. Eine Astronomin hat nun erstmals Archivdaten des ALMA-Teleskops gezielt nach möglichen technischen Signalen durchsucht.

Die Untersuchung stammt von Louisa Mason von der University of Manchester. Ihre Ergebnisse stellte sie auf dem National Astronomy Meeting der Royal Astronomical Society in Birmingham vor. Mason nutzte keine eigens angefertigten Aufnahmen. Stattdessen wertete sie vier ältere Beobachtungen des Radioteleskops ALMA in Chile aus.

Alien-Signale könnten auf höheren Frequenzen funken

Bisher suchen viele SETI-Projekte vor allem zwischen 1,42 und 1,66 Gigahertz. Dieser Abschnitt trägt den Beinamen „Wasserloch“. Er liegt zwischen den natürlichen Funkfrequenzen von Wasserstoff und Hydroxyl. Beide Stoffe bilden zusammen Wasser.

Astronomen halten diesen Bereich seit Langem für einen denkbaren Treffpunkt im All. Eine technisch entwickelte Zivilisation könnte die Bedeutung von Wasserstoff, Hydroxyl und Wasser ebenfalls erkennen. Sie könnte dort senden oder nach fremden Botschaften lauschen. Diese Annahme hat die Suche über Jahrzehnte geprägt.

Mason richtet den Blick dagegen auf Millimeter- und Submillimeterwellen. Diese liegen bei deutlich höheren Frequenzen. SETI-Programme haben dort bisher kaum systematisch gesucht. „Seit Jahrzehnten konzentrieren sich SETI-Suchen auf einen relativ kleinen Teil des Radiospektrums“, sagt Mason. „Wir wollten fragen, was passiert, wenn wir an einem völlig anderen Ort suchen.“

ALMA öffnet einen kaum untersuchten Funkbereich

ALMA steht in der chilenischen Atacama-Wüste und besteht aus zahlreichen miteinander verbundenen Antennen. Das Teleskop beobachtet vor allem kaltes Gas, Staub und weit entfernte Galaxien. Seine Aufnahmen enthalten jedoch auch Signale aus großen Bereichen des Himmels.

Mason suchte in zwei kleinen Frequenzfenstern des sogenannten Bandes 3 nach sehr schmalbandigen Signalen. Solche Signale könnten auf eine technische Quelle hindeuten. Natürliche Vorgänge im All erzeugen meist breiter verteilte Radioemissionen. Einen Kandidaten für eine Technosignatur fand sie oberhalb der festgelegten Nachweisgrenze nicht.

Die Aussagekraft bleibt begrenzt. Die Analyse umfasste nur vier Archivbeobachtungen und zwei kleine Frequenzbereiche. Das Ausbleiben eines Signals schließt intelligentes Leben daher nicht aus. Es bedeutet lediglich, dass sich in diesen Daten kein passender Kandidat fand.

Alte Teleskopdaten erfassen Millionen Sterne

Die Untersuchung lieferte noch eine zweite Erkenntnis. Radioteleskope erfassen bei jeder Beobachtung weit mehr Sterne als das eigentliche Zielobjekt. Dieses unbeabsichtigte Mitbeobachten nennen Astronomen „stellar bycatch“, also stellaren Beifang.

Bisher schätzen Teams die Zahl dieser Sterne oft mit dem Weltraumkatalog Gaia. Darin fehlen jedoch besonders lichtschwache, weit entfernte oder schwer erkennbare Sterne. Mason nutzte deshalb das Besançon-Modell der Milchstraße. Dieses Modell bildet die Sternverteilung in unserer Galaxie rechnerisch nach.

Bei einer früheren SETI-Auswertung von 1327 Teleskopausrichtungen veränderte die neue Methode das Ergebnis erheblich. Gaia erfasste dort rund 288.000 Sterne. Das Galaxienmodell kam dagegen auf mehr als 6,1 Millionen Sterne. Damit könnten frühere Suchprogramme einen deutlich größeren Teil der Milchstraße abgedeckt haben als angenommen.

Archivdaten weiten die Suche nach Alien-Signalen aus

„Eines der spannendsten Ergebnisse dieser Arbeit ist die Erkenntnis, dass wir viel mehr Sterne untersucht haben als zunächst gedacht“, sagt Mason. „Selbst eine sehr kleine Beobachtung kann eine enorme Zahl und Vielfalt von Sternen enthalten, die wir ursprünglich gar nicht untersuchen wollten.“

Künftige SETI-Projekte könnten deshalb zwei bislang wenig genutzte Möglichkeiten verbinden. Sie könnten höhere Radiofrequenzen absuchen und zugleich vorhandene Teleskoparchive systematisch auswerten. ALMA-Aufnahmen aus anderen Forschungsprojekten würden damit eine zweite Verwendung erhalten: die Suche nach schmalbandigen Alien-Signalen aus Millionen bislang übersehener Sternsysteme.

Kurz zusammengefasst:

  • Die Suche nach Alien-Signalen konzentriert sich bislang meist auf einen schmalen Bereich zwischen 1,42 und 1,66 Gigahertz.
  • Eine erste ALMA-Auswertung prüfte höhere, kaum erforschte Radiofrequenzen, fand in vier Archivbeobachtungen aber keine Technosignatur.
  • Galaxienmodelle deuten darauf hin, dass frühere SETI-Beobachtungen Millionen mehr Sterne erfasst haben könnten als bisher angenommen.

Übrigens: Vielleicht lauschen wir nicht nur auf den falschen Radiofrequenzen, sondern suchen auch nach der falschen Technik. Außerirdische könnten Quantenkommunikation nutzen, deren stark gebündelte Signale für unsere Teleskope unsichtbar bleiben – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © ESO/C. Malin (christophmalin.com)

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