Größter Fusionsreaktor der Welt erhält letztes Modul für 5000-Tonnen-Kammer

Mit dem letzten Modul erreicht ITER einen entscheidenden Bauabschnitt. Die Kammer soll Plasma über 100 Millionen Grad einschließen.

Das neue Modul schwebt in die Tokamak-Grube von ITER: Es ist eines von neun Bauteilen, die später die riesige Schutzkammer für das über 100 Millionen Grad heiße Plasma bilden.

Das neue Modul schwebt in die Tokamak-Grube von ITER: Es ist eines von neun Bauteilen, die später die riesige Schutzkammer für das über 100 Millionen Grad heiße Plasma bilden. © ITER

Ein Stahlkoloss von rund 400 Tonnen schwebt in die Montagegrube von ITER. Elf Meter hoch, mehr als sechs Meter breit – und trotzdem muss er so präzise passen wie ein Bauteil in einem Uhrwerk. Mit diesem letzten Modul ist eine entscheidende Bauphase des größten experimentellen Fusionsreaktors der Welt abgeschlossen.

Warum dieser Aufwand? Im Inneren der Anlage soll später Plasma mit mehr als 100 Millionen Grad Celsius eingeschlossen werden. Neun solcher Module bilden dafür eine ringförmige Vakuumkammer mit rund 5000 Tonnen Gesamtgewicht.

Hyundai schließt wichtige Bauphase am ITER-Fusionsreaktor ab

HD Hyundai Heavy Industries fertigte vier der neun Sektoren für die Vakuumkammer. Dazu gehört auch der zuletzt montierte Abschnitt. Der Konzern lieferte alle vier Bauteile bis 2024 nach Frankreich.

Bevor ein Sektor in die zentrale Reaktorgrube gelangt, ergänzen Fachleute weitere Komponenten. Dazu zählen thermische Schutzschichten und supraleitende Magnete. Erst danach entsteht ein vollständiges Sektormodul.

Die thermischen Schilde bremsen den Wärmetransport aus der Vakuumkammer. Das ist nötig, weil die supraleitenden Magnete bei extrem niedrigen Temperaturen arbeiten. Sie erzeugen später das Magnetfeld für den Einschluss des Plasmas.

Der Tokamak besitzt eine ringförmige Bauweise. In seinem Inneren soll das heiße Plasma schweben, ohne die Wände zu berühren. Die Magnetfelder halten es auf Abstand und stabilisieren seine Bewegung.

Riesige Stahlteile müssen exakt zusammenpassen

Jeder Sektor misst 11,3 Meter in der Höhe und 6,6 Meter in der Breite. Seine Masse liegt bei etwa 400 Tonnen. Trotz dieser Dimensionen dürfen die Verbindungsflächen nur geringe Abweichungen aufweisen.

„Obwohl jeder Sektor der Vakuumkammer eine 11,3 Meter hohe, 6,6 Meter breite und etwa 400 Tonnen schwere Großkonstruktion ist, verlangt er eine außergewöhnlich hohe Fertigungsgenauigkeit“, meldet HD Hyundai Heavy Industries. Nur so lassen sich die einzelnen Teile sauber miteinander verbinden.

Bei der Produktion galten französische Regeln für nukleare Druckgeräte. Hinzu kamen internationale Standards der Nukleartechnik und technische Vorgaben der ITER-Organisation. Hyundai übertrug dafür Erfahrungen aus dem Schiffbau und dem Bau großer Offshore-Anlagen auf das Fusionsprojekt.

Den ersten Auftrag erhielt das Unternehmen im Jahr 2010. Er umfasste zwei Sektoren aus dem südkoreanischen Lieferanteil. 2016 übernahm Hyundai zwei weitere Bauteile, die ursprünglich der Europäischen Union zugeteilt waren.

Erfahrungen aus KSTAR fließen in ITER ein

Der Konzern arbeitete bereits am südkoreanischen Forschungsreaktor KSTAR. Hyundai beteiligte sich an der Konstruktion der Hauptstruktur und fertigte die Vakuumkammer sowie den äußeren Kälteschutzbehälter. Die Anlage wurde 2007 fertiggestellt.

„Die erfolgreiche Fertigung und Installation der ITER-Sektoren ist ein wichtiger Meilenstein“, sagte Won Kwang-shik, Senior Executive Vice President von HD Hyundai Heavy Industries. Sie belege die technische Leistungsfähigkeit der südkoreanischen Industrie und die Ergebnisse internationaler Zusammenarbeit.

Am 22. Juli kamen rund 150 Vertreter aus Politik, Forschung und Industrie zum „KOREA-ITER Fusion Day“ in Cadarache zusammen. Dort informierten sie sich über den Baufortschritt und die Beiträge südkoreanischer Unternehmen.

ITER entsteht als Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Union, Südkoreas, der USA, Japans, Chinas, Russlands und Indiens. Die Anlage soll erproben, ob sich Kernfusion technisch in großem Maßstab kontrollieren lässt.

Kurz zusammengefasst:

  • ITER hat mit dem letzten Sektormodul einen entscheidenden Bauabschnitt des weltweit größten experimentellen Fusionsreaktors abgeschlossen.
  • Neun Module bilden eine rund 5000 Tonnen schwere Vakuumkammer, die Plasma mit mehr als 100 Millionen Grad einschließen soll.
  • HD Hyundai Heavy Industries fertigte vier der neun Sektoren und musste dabei höchste Präzisions- und Sicherheitsstandards erfüllen.

Übrigens: Während ITER noch seine gewaltige Vakuumkammer zusammensetzt, hat ein US-Startup bereits Strom direkt aus heißem Plasma gewonnen. Der Versuch blieb klein, könnte Fusionskraftwerke aber effizienter machen – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © ITER

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