KI kann Ältere zu mehr Bewegung motivieren, aber sie scheitert an Misstrauen
Kurze KI-Nachrichten können zu mehr Bewegung motivieren. Doch viele reagieren kritischer, sobald sie wissen, dass die Nachricht von einer Maschine stammt.
Eine aktuelle Studie zeigt: KI kann als persönlicher Trainer wirken und zu mehr Bewegung motivieren, doch viele bewerten die Nachrichten skeptischer, sobald sie den KI-Absender erkennen. © Freepik
Kurze Hinweise auf dem Smartphone sollen dabei helfen, Bewegung in den Alltag zu bringen. Inzwischen werden solche Nachrichten auch von Künstlicher Intelligenz erstellt. So motiviert KI zu Bewegung, indem sie gezielte Impulse für mehr Aktivität formuliert. Der Ansatz ist praktisch und lässt sich leicht einsetzen. Doch die Wirkung hängt nicht allein vom Inhalt ab. Entscheidend ist, ob erkennbar ist, dass die Botschaft von einer Maschine stammt.
Eine Studie der University of Michigan mit Teilnehmern ab 40 Jahren hat ergeben: Die meisten Menschen akzeptieren die Inhalte zunächst. Sobald der KI-Absender bekannt ist, fällt die Bewertung kritischer aus. Dann spielen Vertrauen und persönliche Erwartungen eine deutlich größere Rolle.
Der Absender macht den Unterschied
In der Untersuchung bewerteten 630 Teilnehmer insgesamt 80 kurze Nachrichten. Diese sollten dazu anregen, sich mehr zu bewegen und weniger zu sitzen. Fast 50.000 Einschätzungen kamen zusammen. Die Mehrheit fiel positiv aus. Nur rund 5 Prozent der Texte galten als kulturell problematisch. Etwa 6 Prozent wurden als qualitativ schwach bewertet.
Ein entscheidender Punkt zeigt sich bei der Herkunft der Texte. Etwa die Hälfte der Teilnehmer wusste vorab, dass die Nachrichten von KI stammen. Diese Gruppe bewertete die Inhalte kritischer. Besonders auffällig: Auch Menschen mit positiver Haltung gegenüber KI markierten häufiger Probleme.
Studienleiterin Allyson Tabaczynski erklärt: „Das erschien mir zunächst widersprüchlich.“ Sie ergänzt: „Wer eine positive Einstellung zu KI hat, kennt oft auch ihre Schwächen oder Verzerrungen besser.“
KI motiviert zu Bewegung – doch Alltag entscheidet über Akzeptanz
Die Kritik richtet sich selten gegen den Ton oder mögliche Beleidigungen, viel häufiger fehlt den Vorschlägen der Bezug zum Alltag. Sie wirken unpraktisch oder schlicht unpassend. Typische Rückmeldungen waren:
- Vorschlag zu tanzen → „Ich tanze nicht“
- Tipp, beim Kaffee stehen zu bleiben → „Ich trinke keinen Kaffee“
Solche Reaktionen machen deutlich, wo die Grenzen der Technik liegen. Die Inhalte sind oft korrekt formuliert, sie passen jedoch nicht zum Leben der Empfänger – und verlieren dann ihre Wirkung.
Klare Ansprache entscheidet über Wirkung
Auch die Art der Botschaft spielt eine wichtige Rolle. Texte, die direkt zu Bewegung auffordern, kommen besser an. Hinweise wie „Beweg dich heute etwas mehr“ wirken überzeugender als allgemeine Tipps. Auffällig ist:
- Klare Handlungsaufforderungen funktionieren besser
- Hinweise zum „weniger Sitzen“ schneiden schlechter ab
- Aktiv werden motiviert mehr als Bewegung nur einzuplanen
Diese Unterschiede entscheiden oft darüber, ob eine Nachricht motiviert oder ignoriert wird.
So sorgfältig entstanden die KI-Nachrichten
Die scheinbar einfachen Texte entstehen nicht automatisch. Das Forschungsteam überarbeitete die Inhalte in rund 18 Durchläufen. Dabei prüften sie, ob die Aussagen wissenschaftlich fundiert und für die Zielgruppe verständlich sind.
Die Forschenden bewerten die Ergebnisse als wichtigen Schritt. KI könne helfen, Gesundheitsprogramme auf viele Menschen auszuweiten. „Das ist ein erster Schritt, um Verhaltensänderungen in großem Maßstab zu unterstützen“, so Tabaczynski.
Vertrauen entscheidet über den Erfolg der Botschaften
KI kann Menschen durchaus motivieren, aktiver zu werden. Viele dieser Nachrichten erfüllen ihren Zweck. Ihre Wirkung entsteht aber nicht allein durch gute Formulierungen. Sie hängt auch davon ab, ob Menschen der Technik vertrauen und sich von der Botschaft gemeint fühlen.
Erst wenn Inhalt, Ton und Alltag zusammenpassen, kann aus einem kurzen Hinweis ein wirksamer Anstoß werden.
Kurz zusammengefasst:
- KI motiviert zu Bewegung, doch die Wirkung hängt stark davon ab, ob Nutzer wissen, dass die Nachricht von einer Maschine stammt.
- Inhalte werden vor allem dann kritisch bewertet, wenn sie nicht zum Alltag passen – weniger wegen Ton oder möglicher Beleidigung, sondern wegen fehlender Relevanz.
- Entscheidend für den Erfolg sind Vertrauen in KI, klare und konkrete Formulierungen sowie eine gute Anpassung an individuelle Gewohnheiten.
Übrigens: Während KI schon heute zu mehr Bewegung motivieren kann, zeigt eine neue Studie ein anderes Problem. In Konflikten geben einem Chatbots erstaunlich oft recht – selbst bei fragwürdigem Verhalten. Mehr dazu in unserem Artikel.
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