Anfeuern im Sport: Studie zeigt, welche Zurufe wirklich mitreißen
Beim Anfeuern im Sport zählt nicht nur, was gerufen wird, sondern wie. Eine Studie zeigt, warum manche Zurufe Athleten sofort erreichen und andere im Lärm untergehen.
Beim Marathon gehören Zurufe vom Streckenrand fest dazu. Viele dieser Rufe folgen laut Studie klaren Mustern und klingen deshalb oft besonders mitreißend. © Pexels
Wer schon einmal bei einem Lauf am Rand gestanden hat, kennt den Unterschied. Manche Zurufe kommen sofort an, geben Tempo und bleiben hängen. Andere gehen zwischen Applaus, Musik und Gesprächen fast unter. Dahinter steckt offenbar mehr als spontane Begeisterung.
Eine Studie im Fachjournal Phonetica zeigt, dass Anfeuern im Sport häufig klaren akustischen Mustern folgt. Beteiligt war auch das Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e.V. (GWZ) über das Berliner Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft.
Beim Sport folgt Anfeuern oft klaren Regeln
Für die Untersuchung wertete das Team 30 deutschsprachige Erwachsene aus. Darunter waren 20 Frauen und 10 Männer im Alter von 19 bis 50 Jahren. Sie riefen Vornamen in drei Varianten. Erst neutral, dann eingebettet in einen Satz und schließlich als Zuruf zu Marathonläufern in Videos. Insgesamt kamen so 12.900 Namensrufe zusammen. Die Namen hatten zwischen einer und fünf Silben. Dadurch ließ sich gut vergleichen, wie sich die Stimme im Alltag und beim motivierenden Rufen verändert.
Anfeuern klingt deutlich anders als normale Sprache. Die Rufe waren meist höher, lauter, länger und rhythmischer. Besonders auffällig war das Tempo. Viele Zurufe wurden langsamer gesprochen als neutrale Sprache. Das wirkt zunächst widersprüchlich. Wer jemanden antreiben will, müsste eigentlich schneller rufen. Stattdessen dehnten viele Sprecher Silben oder trennten sie bewusst. Studienleiterin Marzena Żygis erklärt: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Erhöhung der Tonhöhe der wichtigste Parameter ist, um Unterstützung zu signalisieren.“
Diese vier Rufmuster machen Zurufe besonders wirksam
Die Auswertung ergab vier typische Muster, die in den Aufnahmen immer wieder auftauchten. Das erste Muster besteht aus einzeln gerufenen Namen mit kurzen Pausen. Das klingt etwa so: „Lena! … Lena! … Lena!“ Jeder Ruf steht für sich. Das lässt ihn besonders klar und markant wirken.
Das zweite Muster zerlegt den Namen in einzelne Silben. Aus „Lena“ wird dann „Le-na! Le-na!“. Das gibt dem Zuruf mehr Rhythmus. Es passt gut zu einer gleichmäßigen Laufbewegung. Das dritte Muster verbindet beide Formen. Der Name wird teils als Ganzes gerufen, teils in Silben aufgeteilt. So entsteht ein Wechsel, der lebendig und druckvoll klingt.
Ein fast gesungener Ruf fällt besonders stark auf
Das vierte Muster klingt fast wie ein kurzer Gesang. Die Stimme zieht einzelne Silben länger, zugleich springt die Tonhöhe stärker. Der Name bekommt so eine kleine Melodie. Dieses Muster fällt besonders auf, weil es sich deutlich von normaler Sprache absetzt. Auch einsilbige Namen konnten dabei gedehnt werden.
Besonders häufig waren das erste Muster und die Mischform. 13 Personen nutzten vor allem einzeln gesetzte Rufe mit Pausen. 12 griffen meist zur Mischform. Zwei trennten Namen fast nur in Silben. Drei ergänzten ihre Zurufe regelmäßig mit einer singenden Melodie. Das macht deutlich, dass Menschen beim Anfeuern nicht völlig zufällig rufen. Viele greifen auf ähnliche Formen zurück, auch ohne das bewusst zu planen.
Die Tonhöhe sticht besonders deutlich hervor
Am stärksten fiel die Stimme selbst ins Gewicht. Beim Anfeuern stieg die Tonhöhe deutlich an. Auch der Tonumfang wurde größer. Das war laut Studie der wichtigste Marker. Wer motivieren will, hebt oft die Stimme an. Dazu kam mehr Lautstärke. Auch das ließ sich messen. Die Namen klangen im Anfeuer-Modus kräftiger als in den neutralen Vergleichsformen.
Gleichzeitig bekamen viele Namen mehr Länge. Vor allem bei längeren Namen wurde das Ende oft gedehnt. Ein kurzer, harter Ruf war also eher nicht die Regel. Häufiger entstand ein Zuruf, der trägt und sich rhythmisch entfaltet.
Anfeuerungsrufe weichen also den Wissenschaftlern zufolge „in fast allen Parametern signifikant von neutraler Sprache ab“. Dazu gehören eine höhere Tonhöhe, eine größere Tonhöhenspanne und eine langsamere Sprechgeschwindigkeit. Ein wirksamer Zuruf bündelt oft drei Dinge:
- eine höhere Stimme
- einen klaren Rhythmus
- eine wiederholte Struktur
Żygis erklärt, die rhythmische Wiederholung könne sogar dazu beitragen, Bewegungsabläufe zu unterstützen und Ausdauer zu vermitteln. Wichtig bleibt die Einordnung. Gemessen wurde hier die akustische Form des Anfeuerns. Untersucht wurde nicht direkt, ob Athleten durch diese Rufe am Ende messbar schneller werden.
Kurz zusammengefasst:
- Anfeuern im Sport folgt oft festen akustischen Mustern und wirkt deshalb häufig gezielter, als es auf den ersten Blick scheint.
- In der Untersuchung mit 30 Erwachsenen und 12.900 Namensrufen tauchten vier typische Formen immer wieder auf: einzelne Rufe, zerlegte Silben, Mischformen und fast gesungene Zurufe.
- Besonders wichtig ist die Tonhöhe: Viele wirksame Zurufe klingen höher, lauter, länger und rhythmischer als normale Sprache, auch wenn nicht direkt gemessen wurde, ob Athleten dadurch wirklich schneller werden.
Übrigens: Forscher haben genauer entschlüsselt, wie der Körper Kälte wahrnimmt und warum Menthol im Mund kühl wirkt, obwohl die Temperatur kaum sinkt. Das könnte auch für neue Therapien wichtig sein, weil schon leichte Kälte bei manchen Menschen starke Schmerzen auslöst. Mehr dazu in unserem Artikel.
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