Mücken haben Lieblingsmenschen – Ihre Haut verrät, ob Sie ins Beuteschema passen

Warum stechen Mücken manche Menschen häufiger? Jede Art folgt einer eigenen Duftspur aus Hautgeruch und Bakterien.

Zu sehen ist eine Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) auf menschlicher Haut. Ob sie zusticht, hängt offenbar auch von der persönlichen Mischung aus Hautgeruch und Bakterien ab.

Zu sehen ist eine Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) auf menschlicher Haut. Ob sie zusticht, hängt offenbar auch von der persönlichen Mischung aus Hautgeruch und Bakterien ab. © Unsplash

Ein leises Surren in der Nacht, ein kurzer Stich, am Morgen eine juckende Stelle. Doch von diesem lästigen Plagegeist geht eine gewaltige globale Gefahr aus: Mücken übertragen Malaria, Dengue und das West-Nil-Virus und gehören damit zu den tödlichsten Tieren der Welt. Aber warum stechen Mücken manche Menschen häufiger als andere? Ein Versuch mit 119 Erwachsenen führt die Spur auf unsere Haut. Dort entscheidet offenbar die persönliche Mischung aus Geruchsstoffen und Bakterien darüber, welche Mückenart besonders gern zufliegt.

Forscher der Florida International University verfolgten diese Spur bei drei verbreiteten Mückenarten. Ihre Ergebnisse erschienen im Fachjournal iScience des Cell-Verlags. „Menschen sind für Mücken nicht gleichermaßen attraktiv“, schreiben die Wissenschaftler. Jede Art scheint dabei ihre eigenen Favoriten zu haben. Welche Rolle Hautgeruch und Bakterien spielen, untersuchten sie mit einem kontrollierten Geruchstest.

Warum stechen Mücken manche Menschen häufiger?

Für den Versuch legten die Teilnehmer einen Unterarm in ein sogenanntes Olfaktometer. Das Gerät leitete ihren Körpergeruch zu den Mücken. Die Tiere konnten sich dem Duft nähern oder in ihrem Ausgangsbereich bleiben. Gezählt wurde also nicht die Zahl der Stiche, sondern wie stark die einzelnen Personen Mücken anzogen.

Zum Einsatz kamen drei Arten: die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus und die Südliche Hausmücke Culex quinquefasciatus. Alle drei können Krankheitserreger übertragen. Untersucht wurden ausschließlich Weibchen, denn nur sie benötigen Blut für die Entwicklung ihrer Eier.

Drei Mückenarten wählen verschieden

Schon beim ersten Vergleich zeigte sich: Wer viele Gelbfiebermücken anzog, war für die anderen Arten nicht automatisch ebenso interessant. Auch Teilnehmer mit niedrigen Anflugwerten blieben nicht bei allen Arten gleichermaßen unbeliebt.

Eine schwache Übereinstimmung fanden die Wissenschaftler lediglich zwischen Aedes aegypti und Aedes albopictus. Insgesamt verteilten sich die Favoriten jedoch unterschiedlich. „Die Mückenarten bevorzugten gewöhnlich nicht dieselben Teilnehmer“, schreiben die Autoren. Den einen Menschen, auf den jede Mücke gleichermaßen fliegt, gab es im Versuch nicht.

Körpergeruch lenkt Mücken sehr gezielt

Warum sich die Arten so unterschiedlich entschieden, hängt offenbar mit der Chemie unserer Haut zusammen. Menschen geben dort Hunderte flüchtige Verbindungen ab. Fachleute bezeichnen sie als VOCs. Viele entstehen erst, wenn Hautbakterien geruchlose Absonderungen verändern.

Diese Mischung unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Schweiß allein erklärt die Anziehung deshalb nicht. Entscheidend ist vielmehr, welche Stoffe auf der Haut entstehen, wie stark sie vorkommen und wie eine Mückenart darauf reagiert.

Entomologe Donald Barnard demonstriert in einem Olfaktometer, wie stark weibliche Gelbfiebermücken auf den Geruch seiner Hand reagieren – ein kontrollierter Blick auf ihr Beuteschema. © Peggy Greb/United States Department of Agriculture via Wikimedia unter Public Domain
© Peggy Greb/United States Department of Agriculture via Wikimedia unter Public Domain Entomologe Donald Barnard demonstriert in einem Olfaktometer, wie stark weibliche Gelbfiebermücken auf den Geruch seiner Hand reagieren – ein kontrollierter Blick auf ihr Beuteschema. © Peggy Greb/United States Department of Agriculture via Wikimedia unter Public Domain

Manche Arten meiden bestimmte Gerüche

Bei Aedes aegypti und Culex quinquefasciatus fiel vor allem das Fehlen bestimmter Stoffe auf. Besonders attraktive Teilnehmer wiesen niedrige Mengen mehrerer Verbindungen auf, die möglicherweise abschreckend wirken. Dazu gehörten bestimmte zyklische Alkohole und Monoterpene.

Diese Mücken könnten ihre Wirte daher weniger nach einem einzelnen Lockstoff auswählen. Möglicherweise fliegen sie bevorzugt zu Menschen, deren Haut für sie kaum abstoßende Signale aussendet. Der Favorit wäre dann nicht der verführerischste, sondern der am wenigsten abschreckende Mensch.

Tigermücken folgen anderen Lockstoffen

Die Asiatische Tigermücke orientierte sich offenbar anders. Bei ihr hing eine starke Anziehung eher mit vorhandenen Duftstoffen zusammen. Dazu zählten bestimmte Ketone. Die Art scheint also gezielt Verbindungen zu verfolgen, die ihr einen geeigneten Wirt ankündigen.

Damit trennt sich das Beuteschema der drei Arten bereits auf chemischer Ebene. Zwei Arten meiden möglicherweise bestimmte Gerüche. Die Tigermücke reagiert dagegen stärker auf lockende Stoffe. Eine einzige Erklärung für häufige Mückenstiche reicht deshalb nicht aus.

Drei Hautbakterien tauchen auffällig oft auf

Neben den Geruchsstoffen untersuchte das Team auch das Hautmikrobiom. Insgesamt fanden die Wissenschaftler 246 bakterielle Taxa. Die Zusammensetzung unterschied sich stark zwischen den 119 Teilnehmern. Über alle Personen hinweg gehörte nur eine Bakterienart zum gemeinsamen Mikrobiom.

Bei den besonders attraktiven Teilnehmern tauchten jedoch drei Bakterien wiederholt auf: Corynebacterium kefirresidentii, Cutibacterium granulosum und Staphylococcus epidermidis. Im gemeinsamen Kernmikrobiom der wenig attraktiven Gruppe fehlten sie. „Diese bakteriellen Taxa könnten Mücken allgemein die Anwesenheit eines attraktiven Wirts signalisieren“, so die Wissenschaftler.

Bakterien allein erklären noch keine Stiche

Daraus folgt jedoch nicht, dass diese drei Bakterien einen Menschen automatisch zum Mückenmagneten machen. Die Untersuchung fand zunächst einen Zusammenhang. Ob die Mikroben selbst lockende Stoffe erzeugen oder nur gemeinsam mit anderen Bakterien wirken, bleibt offen.

Auch die Menge einzelner Bakterien könnte eine Rolle spielen. Ebenso denkbar sind Wechselwirkungen zwischen Mikroben, Hautfett, Schweiß und Umwelt. Für einen belastbaren Ursache-Wirkungs-Nachweis müssten die Bakterien gezielt verändert und die Reaktion der Mücken erneut gemessen werden.

Männer locken nur eine Art etwas stärker

Bei der Gelbfiebermücke zeigte sich außerdem eine leichte Vorliebe für männliche Teilnehmer. Die beiden anderen Arten unterschieden dagegen nicht erkennbar zwischen Männern und Frauen. Daraus lässt sich keine allgemeine Regel für Mückenstiche ableiten.

Auch Blutgruppen, Kleidung oder Ernährungsgewohnheiten standen nicht im Zentrum des Versuchs. Gemessen wurde allein die Reaktion auf den Geruch eines Unterarms. Im Freien kommen Körperwärme, Kohlendioxid, Bewegung, Feuchtigkeit und Wind hinzu.

Was gegen Mücken hilft

Mücken lassen sich am Körper, im Schlafzimmer und rund ums Haus abwehren. Am wirksamsten ist meist eine Kombination mehrerer Maßnahmen.

  • Repellents, Kleidung und der T-Shirt-Trick: Mittel mit Icaridin oder DEET gehören zu den am besten belegten Schutzmaßnahmen. Lange, locker sitzende Kleidung erschwert Stiche zusätzlich. Im Schlafzimmer kann ein getragenes T-Shirt als Lockmittel dienen: Nach dem Duschen mit einem möglichst neutralen Duschgel wird es in einer entfernten Zimmerecke platziert. Der darin gespeicherte Schweiß- und Körpergeruch soll die Mücken vom Bett weglocken. Weitere getragene Kleidungsstücke sollten nicht offen herumliegen, weil sich die Duftspur sonst im Raum verteilt.
  • Wohnräume und Brutplätze: Fliegengitter und Moskitonetze verhindern, dass Mücken überhaupt bis zur schlafenden Person gelangen. Ein Ventilator kann ebenfalls helfen, denn die Tiere sind schwache Flieger und meiden stärkere Luftströmungen. Auf Balkon und Terrasse sollten Regentonnen abgedeckt sowie Wasserreste in Eimern, Vogeltränken und Blumentopfuntersetzern regelmäßig entfernt werden. Schon kleine Mengen stehenden Wassers können den Larven als Brutplatz dienen.
  • Neue technische und medizinische Ansätze: Lasergeräte wie die „Photon Matrix“ sollen Mücken per Sensor erkennen und gezielt treffen. Für einen zuverlässigen Einsatz im Alltag fehlen bislang unabhängige Belege. Auch Nitisinon ist keine Schutzmaßnahme für zu Hause. Der verschreibungspflichtige Wirkstoff kann das Blut für Mücken tödlich machen, wird jedoch gegen seltene Stoffwechselkrankheiten eingesetzt. Eine gezielte Veränderung der Hautbakterien bleibt ebenfalls Zukunftsmusik. Derzeit lässt sich das persönliche Duftprofil nicht sicher so verändern, dass Mücken dauerhaft fernbleiben.

Kurz zusammengefasst:

  • Jede Mückenart hat eigene Favoriten und reagiert auf eine andere Mischung aus Hautgeruch und Bakterien.
  • Bestimmte Duftstoffe können Mücken anlocken, andere wirken offenbar abschreckend.
  • Die Studie mit 119 Erwachsenen erfasste Anflüge im Labor, nicht die Zahl tatsächlicher Stiche.

Übrigens: Neben Hautgeruch und Bakterien könnte auch die Blutgruppe beeinflussen, wie attraktiv ein Mensch für bestimmte Mückenarten ist. Besonders Blutgruppe 0 landet offenbar häufiger auf ihrem Speiseplan – mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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