Warum Labradore und Menschen ähnliche Gewichtsprobleme haben

Warum nehmen manche schneller zu als andere? Forscher haben ein Hunger-Gen entdeckt, das Menschen und Labradore gleichermaßen betrifft.

Problem mit dem Gewicht betrifft Menschen und Labradore

Labradore und Menschen teilen eine überraschende Gemeinsamkeit. © Unsplash

Warum neigen manche Menschen dazu, schneller zuzunehmen als andere – selbst wenn sie sich gesund ernähren und Sport treiben? Wissenschaftler der University of Cambridge haben eine genetische Ursache gefunden, die nicht nur Menschen betrifft, sondern auch Labradore. Ein bestimmtes Gen, DENND1B, beeinflusst das Hungerempfinden und macht es schwerer, ein gesundes Gewicht zu halten. Doch es gibt Wege, das Risiko zu kontrollieren.

Gene beeinflussen das Essverhalten

Die Forscher der University of Cambridge untersuchten Labradore, weil diese Rasse besonders oft zu Übergewicht neigt. Sie fanden heraus, dass bestimmte Gene darüber entscheiden, wie stark ein Hund auf Futter reagiert. „Hunde mit einem hohen genetischen Risiko für Übergewicht zeigten deutlich mehr Interesse an Futter“, sagte die Wissenschaftlerin Natalie Wallis.

Das gleiche Gen spielt auch beim Menschen eine Rolle. Wer die genetische Veranlagung trägt, hat oft ein verstärktes Hungergefühl und eine geringere natürliche Sättigung. Betroffene müssen deshalb besonders diszipliniert sein, um ihr Gewicht zu halten.

Strenge Diät kann genetisches Risiko ausgleichen

Die Studie zeigt aber auch, dass die Veranlagung allein nicht über das Gewicht entscheidet. Hunde mit der genetischen Disposition für Übergewicht wurden nicht automatisch dick – solange ihre Besitzer ihre Ernährung und Bewegung konsequent kontrollierten.

Das gilt auch für Menschen: Eine genetische Neigung zu Übergewicht bedeutet nicht zwangsläufig, dass jemand dick wird. Es ist jedoch schwerer, schlank zu bleiben, weil der Körper stärker auf Nahrung reagiert. „Diese Gene sind keine direkten Ziele für Medikamente zur Gewichtsreduktion, weil sie auch andere wichtige Körperfunktionen steuern“, erklärte Alyce McClellan von der University of Cambridge. Trotzdem liefern die Ergebnisse neue Einblicke in die Mechanismen, die das Körpergewicht beeinflussen.

Warum Hunde perfekte Studienobjekte sind

Nicht nur Menschen kämpfen mit Übergewicht – auch viele Haustiere sind betroffen. Inzwischen gelten 40 bis 60 Prozent aller Hunde als übergewichtig. Labradore sind besonders anfällig, was die Forscher dazu brachte, ihre Gene genauer zu untersuchen.

Hunde eignen sich besonders gut für solche Studien, weil sie innerhalb einer Rasse genetisch sehr ähnlich sind. Dadurch lassen sich genetische Faktoren leichter isolieren als beim Menschen, wo Umwelteinflüsse und Lebensstil eine große Rolle spielen. Die Wissenschaftler nahmen Speichelproben von Labradoren, maßen ihren Körperfettanteil und beobachteten ihr Essverhalten. Dabei fanden sie heraus, dass Hunde mit einer bestimmten Genvariante durchschnittlich acht Prozent mehr Körperfett hatten als solche ohne diese genetische Veränderung.

Was das für Menschen bedeutet

Die Forscher überprüften, ob die bei den Hunden gefundenen Gene auch beim Menschen eine Rolle spielen. Dazu analysierten sie Daten großer Bevölkerungsstudien sowie Gruppen von Patienten mit schwerer, früh einsetzender Adipositas. Die Ergebnisse bestätigten: Die gleichen genetischen Mechanismen, die Labradore anfällig für Übergewicht machen, beeinflussen auch den Menschen.

„Unsere Studien an Hunden haben eine wichtige Erkenntnis gebracht“, sagte Dr. Eleanor Raffan von der University of Cambridge.

Schlanke Menschen sind nicht moralisch überlegener. Wer ein hohes genetisches Risiko für Übergewicht hat, muss viel härter daran arbeiten, schlank zu bleiben.

Dr. Eleanor Raffan

So lässt sich das Hungergefühl austricksen

Ob Mensch oder Hund – wer genetisch bedingt öfter Hunger hat, kann mit einfachen Strategien gegensteuern. Die Forscher empfehlen Hundebesitzern, die tägliche Futterration über den Tag zu verteilen, Futter in Spielzeug zu verstecken oder den Hund im Garten nach Futter suchen zu lassen. Diese Methoden verlängern das Sättigungsgefühl und helfen, Heißhunger zu vermeiden.

Für Menschen sind folgende Tipps hilfreich: Mehr Ballaststoffe, proteinreiche Mahlzeiten und eine bewusste Nahrungsaufnahme können dabei helfen, das genetisch bedingte Hungergefühl zu regulieren.

Kurz zusammengefasst:

  • Forscher der University of Cambridge haben entdeckt, dass das Gen DENND1B sowohl bei Labradoren als auch bei Menschen das Hungergefühl beeinflusst und das Risiko für Übergewicht erhöht.
  • Obwohl eine genetische Veranlagung das Essverhalten beeinflusst, können strenge Kontrolle von Ernährung und Bewegung das Risiko für Übergewicht verringern.
  • Hunde eignen sich besonders gut für Adipositas-Studien, weil ihre genetische Ähnlichkeit innerhalb einer Rasse klare Erkenntnisse zu den Mechanismen von Übergewicht liefert.

Bild: © Unsplash

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