Klimawandel verschärft Wohnkrise in Kanada: Indigene Gemeinschaften fordern radikale Lösungen

Der Klimawandel verschärft die Wohnkrise im Norden Kanadas. Indigene Gemeinschaften und Experten fordern dringend Maßnahmen zum Schutz von Infrastruktur und Lebensgrundlagen.

Der Klimawandel verschärft die Wohnkrise im Norden Kanadas durch Naturkatastrophen wie Waldbrände (Symbolbild). © Unsplash

Der Klimawandel verschärft die Wohnkrise in Kanada. Tausende Menschen verlassen ihre Häuser, besonders in arktischen Regionen. Regierungen müssen auf indigene und lokale Gemeinschaften hören und ihren Rat befolgen, um unterstützend zu wirken. Arthur Tobac, Direktor der K’asho Got’įnę Housing Society in Fort Good Hope, verließ sein Zuhause aufgrund eines herannahenden Waldbrands. Alle 500 Einwohner flohen. Trotz Eindämmungsversuchen breitete sich das Feuer über 5.000 Hektar aus.

Diese Katastrophe zeigt die Verknüpfung der Klimakrise mit der Wohnkrise. Beide hängen eng zusammen. Laut nature bedroht der Klimawandel die Infrastruktur und Lebensgrundlage in Nordkanada durch Waldbrände, Küstenerosion, Überschwemmungen, niedrige Wasserstände, Permafrostauftauung und starke Winde. Die abgelegene Lage vieler indigener Gemeinden, eine Folge kolonialer Politik, erhöht das Risiko der Vertreibung und des Verlusts von Infrastruktur.

Indigene Warnungen seit Jahrzehnten ignoriert

Verantwortliche in Fort Good Hope warnen seit Jahrzehnten vor den katastrophalen Folgen industrieller Entwicklung auf Klima, indigene Lebensweise und Infrastruktur. Doch die Bundesregierung ignorierte in ihrem Haushalt 2024 den Einfluss des Klimawandels auf die Wohnkrise im Norden. Die Gesetzgebende Versammlung der Nordwest-Territorien (NWT) erklärt, dass Wohnen ein grundlegendes Recht ist. Dennoch sind fast die Hälfte der Wohnungen unzureichend, ungeeignet oder unerschwinglich. In Fort Good Hope leben über 40 Prozent der Bevölkerung in unzureichendem Wohnraum, 10 Prozent sind obdachlos und viele Häuser fallen in den Mackenzie River, da dessen Ufer erodieren.

Fort Good Hope in Kanada
Fort Good Hope in Kanada. © mattcatpurple via Wikimedia unter CC BY 2.0

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es im Norden Kanadas einen dauerhaften Mangel an Wohnraum. Die Wohnbehörde der Nordwest-Territorien (Housing NWT) erkannte dieses Problem in ihrem strategischen Bericht 2021 an. Dennoch bleibt die Anpassung der Wohnungspolitik eine Herausforderung, da der Staat in den meisten Gemeinden der Hauptanbieter von Wohnraum ist. Die Abhängigkeit von Lieferketten, die durch Waldbrände, Überschwemmungen und niedrige Wasserstände gestört werden, macht die Gemeinden zusätzlich anfällig.

Gemeinschaftsgeführte Ansätze als Lösung

Kurzfristige Evakuierungen behindern die langfristige Planung indigener Gemeinschaften in einer veränderten Landschaft. Die kanadische Verfassung erkennt das Recht der indigenen Völker auf Selbstverwaltung an. Dennoch behindern unzuverlässige Finanzierung, Bauvorschriften und Planungsgesetze die indigenen Regierungen. Diese spiegeln nicht die Bedürfnisse der nördlichen Gemeinschaften wider.

Kanadas Generalstaatsanwalt kündigte im April 2024 eine Prüfung von Housing NWT an. Doch die Gemeinschaften können nicht warten. Sie sollen in der Lage dazu sein, ihre Bedürfnisse durch Eigenbau, Selbstreparatur und gemeinschaftsgeführte Wohnplanung zu decken. Es wird dringend finanzielle Unterstützung für autarke, mobile und netzunabhängige Wohnungen benötigt.

Selbstverwaltete Wohnorganisationen machen trotz dieser Einschränkungen große Fortschritte. Fort Good Hope gründete 2020 die K’asho Got’įnę Housing Society. Diese erhielt nationale Anerkennung und Finanzierung für ihren innovativen, gemeinschaftsgeführten Ansatz. Andere indigene Organisationen in Nordkanada arbeiten ebenfalls daran, den chronischen Wohnbedarf mit lokaler Expertise zu lindern.

Kolonialismus und Kapitalismus als Ursachen

James Caesar, ein ehemaliger Manager der K’asho Got’įnę Housing Society, erklärt, dass es sich eigentlich um „eine Krise des Kolonialismus und Kapitalismus“ handelt. Indigene Gemeinschaften kämpfen weiterhin mit Ungleichheiten, während sie als Opfer einer kolonialen Wirtschaft positioniert werden. Diese Wirtschaft strebt unaufhörlich nach der Enteignung indigener Ländereien für den Rohstoffabbau. Indigene Selbstbestimmung, wie sie von der globalen Land-Back-Bewegung vorgeschlagen wird, sei der Schlüssel zur Transformation der Systeme, die sowohl die Wohn- als auch die Klimakrise antreiben.

Die einzige tragfähige politische Antwort besteht darin, den Führungen der nördlichen indigenen Gemeinschaften zu folgen. Kanada muss gemeinschaftsgeführte Strategien zur Bewältigung von Wohnungsnot und Klimawandel erarbeiten und territoriale sowie föderale Regierungen in die Notfallplanung einbinden.

Was du dir merken solltest:

  • Der Klimawandel verschärft die Wohnkrise im Norden von Kanada, besonders in arktischen Regionen, indem er Infrastruktur und Lebensgrundlagen durch Waldbrände, Küstenerosion und Permafrostauftauung bedroht.
  • Indigene Gemeinschaften warnen seit Jahrzehnten vor den Folgen industrieller Entwicklung und fordern Selbstverwaltung und gemeinschaftsgeführte Ansätze zur Lösung der Wohnkrise und zur Anpassung an den Klimawandel.
  • Die kanadische Regierung muss indigene und lokale Gemeinschaften stärker einbinden und unterstützen, um nachhaltige, autarke und widerstandsfähige Wohnlösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Bild: © Unsplash

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