227.169 Bücher in drei Tagen: Grüffelo-Oma bricht Rekord – jetzt kommt sie nach Deutschland
Die neue Grüffelo-Geschichte verkauft sich in Großbritannien 227.169 Mal in drei Tagen und erscheint nun auch in Deutschland.
Nach mehr als 20 Jahren bekommt die Grüffelo-Familie Zuwachs: Mit der „Grüffelo-Oma“ erscheint erstmals wieder eine neue Geschichte aus dem tiefen, dunklen Wald. © Axel Scheffler
Kaum ein Bilderbuchmonster ist so bekannt wie der Grüffelo. Seit mehr als 20 Jahren gab es keine neue Geschichte über ihn – und nun zeigt sich, wie groß seine Anziehungskraft noch immer ist. „Gruffalo Granny“ von Julia Donaldson und Axel Scheffler wurde in Großbritannien in den ersten drei Verkaufstagen 227.169 Mal verkauft.
Damit schoss das Buch direkt auf Platz eins der britischen Gesamtcharts. Pan Macmillan spricht vom schnellstverkauften Bilderbuch der Verlagsgeschichte. Für Julia Donaldson und Axel Scheffler ist es zudem die erste gemeinsame Nummer eins in den britischen Gesamtcharts.
Nun erscheint das Buch auch auf Deutsch: Am 24. September kommt „Die Grüffelo-Oma“ bei Beltz & Gelberg heraus. Für den deutschen Markt trifft die Neuerscheinung damit auf eine Kinderbuchfigur, die seit Jahrzehnten fest etabliert ist.
Erste neue Grüffelo-Geschichte seit mehr als 20 Jahren
Der erste „Grüffelo“ erschien 1999, fünf Jahre später folgte „Das Grüffelo-Kind“. Danach kamen zahlreiche neue Ausgaben, Übersetzungen und Begleitprodukte auf den Markt – eine weitere Geschichte über die Monsterfamilie aber nicht.
Der deutsche Verlag Beltz kündigte die Fortsetzung im Februar an. Illustrator Axel Scheffler erklärte damals, er habe eine Rückkehr in den tiefen, dunklen Wald lange ausgeschlossen. Dann habe Julia Donaldson ihm unerwartet einen neuen Text geschickt, den er nicht habe ablehnen können.
Das Interesse war bereits vor Verkaufsstart groß. Laut einem Interview mit dem Tagesspiegel waren in Großbritannien mehr als 100.000 Exemplare vorbestellt.
Diesmal kommt die Grüffelo-Oma in den Wald
In der neuen Geschichte kündigt sich die Grüffelo-Oma zu Besuch an. Ihr Sohn und ihre Enkelin ziehen los, um Zutaten für ein Festessen zu sammeln. Dabei begegnen ihnen mehrere alte Bekannte:
- der Fuchs,
- die Eule,
- die Schlange
- und schließlich die kleine Maus.
Laut Beltz droht ausgerechnet die Maus selbst auf dem Speiseplan zu landen. Wie schon in den früheren Geschichten setzt sie auf Klugheit statt auf körperliche Stärke.
Diesmal spielt dabei das Erzählen eine besondere Rolle. Die Maus versucht, sich mit Geschichten aus ihrer gefährlichen Lage zu retten – ein Motiv, das gut zur ursprünglichen Grüffelo-Idee passt: Schon dort verschafft sie sich mit Fantasie und Einfallsreichtum Respekt bei deutlich stärkeren Tieren.
Warum der Grüffelo bei Kindern so gut funktioniert
Dass der Grüffelo seit mehr als 25 Jahren Kinder erreicht, liegt auch am Aufbau der Geschichten. Julia Donaldson schreibt in Reimen und arbeitet mit wiederkehrenden Sätzen und Situationen. Dadurch entsteht ein Rhythmus, den Kinder schnell wiedererkennen und teilweise mitsprechen können.
Donaldson legt großen Wert darauf, dass ihre Texte auch beim Vorlesen funktionieren. Wie sie dem Guardian erklärte, überarbeitet sie Passagen, sobald beim Vorlesen der Rhythmus nicht stimmt.
Hinzu kommt ein einfaches, aber starkes Prinzip: Die kleinste Figur der Geschichte ist zugleich die cleverste. Die Maus begegnet Fuchs, Eule und Schlange, obwohl alle körperlich überlegen sind – und rettet sich immer wieder mit Einfallsreichtum. Donaldson entwickelte die Grundidee nach eigener Aussage aus einer Geschichte, in der eine schwächere Figur einen mächtigeren Gegner mit List überwindet.
Auch die Bilder von Axel Scheffler halten die Balance zwischen Bedrohung und Komik. Der Grüffelo besitzt zwar Hauer, Klauen und furchterregende Zähne, wirkt aber zugleich überzeichnet und zunehmend weniger bedrohlich. So entsteht Spannung, ohne dass die Geschichte ihren spielerischen Charakter verliert.
Die Grüffelo-Oma kann lesen und schreiben
Axel Scheffler hat die neue Figur deutlich von Sohn und Enkelin abgesetzt. Die Grüffelo-Oma trägt graues Fell und einen Gehstock. Noch auffälliger ist eine andere Eigenschaft: Sie kann lesen und schreiben.
Im Gespräch mit dem Tagesspiegel bezeichnet Scheffler sie deshalb scherzhaft als eine Art nächste „Evolutionsstufe“ der Grüffelos. Vater und Enkelin wurden bislang nicht mit diesen Fähigkeiten gezeigt.
Eine Besonderheit geht in der deutschen Übersetzung leicht unter: Das Grüffelo-Kind ist eine Tochter. Im englischen Original ist das durch das Pronomen „she“ eindeutig. Im Deutschen fällt dieser Hinweis weg, weil es „das Kind“ heißt. Scheffler spricht im Tagesspiegel-Interview ausdrücklich von der Tochter des Grüffelo.
Deutsche Ausgabe kostet 16 Euro
Übersetzt wurde „Die Grüffelo-Oma“ von Monika Osberghaus. Die gebundene Ausgabe umfasst 38 Seiten, kostet 16 Euro und ist für Kinder ab vier Jahren empfohlen.
Der deutsche Verkaufsstart folgt zwei Wochen nach dem erfolgreichen Auftakt in Großbritannien. Mehr als 25 Jahre nach dem ersten Buch zeigt der Rekord, dass der Grüffelo längst nicht nur eine bekannte Kinderbuchfigur ist, sondern weiterhin ein außergewöhnlich großes Publikum erreicht.
Kurz zusammengefasst:
- „Gruffalo Granny“ verkaufte sich in Großbritannien in den ersten drei Tagen 227.169 Mal und erscheint am 24. September als „Die Grüffelo-Oma“ auf Deutsch.
- Der Grüffelo begeistert Kinder seit mehr als 25 Jahren mit Reimen, Wiederholungen, Spannung und einer kleinen Maus, die stärkere Gegner mit Klugheit besiegt.
- Die neue Grüffelo-Oma bringt erstmals seit mehr als 20 Jahren eine neue Geschichte in die Reihe und kann als Besonderheit lesen und schreiben.
Übrigens: Während der Grüffelo zeigt, wie stark Geschichten Kinder fesseln können, lesen immer weniger Menschen überhaupt noch zum Vergnügen. Eine Langzeitstudie dokumentiert einen deutlichen Rückgang und mögliche Folgen für Bildung und Gesellschaft – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Axel Scheffler
