Wie gesund Erdnüsse wirklich sind: Neue Studie liefert Hinweise auf verringertes Diabetesrisiko

Erdnüsse verändern mit ihrem hohen Fettgehalt die Blutfettwerte. Ein bestimmtes Fettmuster im Blut steht laut einer neuen Studie mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung.

Geröstete Erdnüsse liefern reichlich Fett, darunter ungewöhnlich langkettige gesättigte Fettsäuren. Diese könnten laut einer neuen Studie für den Stoffwechsel eine positive Bedeutung haben.

Geröstete Erdnüsse liefern reichlich Fett, darunter ungewöhnlich langkettige gesättigte Fettsäuren. Diese könnten laut einer neuen Studie für den Stoffwechsel eine positive Bedeutung haben. © Unsplash

Erdnüsse enthalten reichlich Fett und liefern entsprechend viele Kalorien. Trotzdem gelten sie als wertvoller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Doch warum sind Erdnüsse gesund, obwohl sie gesättigte Fettsäuren enthalten? Eine neue Untersuchung liefert darauf eine überraschende Antwort. Denn bestimmte Fette aus Erdnüssen verändern die Zusammensetzung der Blutfette auf eine bislang wenig erforschte Weise. Diese Veränderungen könnten sogar mit einem verringerten Risiko für Typ-2-Diabetes zusammenhängen.

Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und der Universität Barcelona untersuchten dafür Blutproben aus zwei Studien. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal The American Journal of Clinical Nutrition. Dabei entdeckten sie ein charakteristisches Muster aus verschiedenen Fettverbindungen im Blut. Menschen mit stärker ausgeprägtem Muster erkrankten in einer Langzeituntersuchung etwas seltener an Typ-2-Diabetes.

Warum Erdnüsse trotz ihres hohen Fettgehalts gesund sind

Fett ist nicht gleich Fett: Im Allgemeinen gelten ungesättigte Fettsäuren als gesund, gesättigte Fettsäuren dagegen nicht. Doch so einfach ist es nicht, denn nicht alle gesättigten Fettsäuren wirken im Körper gleich. Während kurzkettige Fettsäuren häufig mit ungünstigen Stoffwechselwerten zusammenhängen, bringen lange Fettsäureketten andere Eigenschaften mit sich. Erdnüsse enthalten vergleichsweise viel von diesen sehr langkettigen gesättigten Fettsäuren. Daneben liefern sie dem Körper reichlich einfach ungesättigte Fettsäuren. Diese besondere Kombination unterscheidet sie von vielen anderen Lebensmitteln.

Was mit diesen Fetten nach dem Verzehr passiert, untersuchte das Forschungsteam zunächst an jungen Erwachsenen. An der sechsmonatigen Ernährungsstudie nahmen ursprünglich 63 gesunde Personen zwischen 18 und 33 Jahren teil. Sie erhielten täglich entweder 25 Gramm geröstete Erdnüsse, 32 Gramm Erdnussbutter oder eine vergleichbare Kontrollbutter mit Erdnussöl. Für die Blutfettanalyse standen Daten von 62 Personen zur Verfügung.

Diese Spuren hinterlassen Erdnussfette im Blut

Vor Beginn der Studie und nach sechs Monaten untersuchten die Wissenschaftler Blutproben der Teilnehmer mit hochauflösenden Messverfahren. Dabei erfassten sie zahlreiche Fettverbindungen, weit über die Analyse üblicher Cholesterinwerte hinaus. Insgesamt veränderten sich über die Studienzeit 51 untersuchte Fettsäureanteile innerhalb verschiedener Fettgruppen. Besonders häufig stiegen anteilig Verbindungen mit sehr langen gesättigten Fettsäuren.

Auffällig waren vor allem zwei Fettsäuren mit 22 beziehungsweise 24 Kohlenstoffatomen. Der Körper baut sie unter anderem in sogenannte Ceramide ein. Das sind Fettmoleküle, die beispielsweise zur Struktur von Zellmembranen gehören. „Dabei handelt es sich nicht nur um einen einfachen Anstieg der Fettwerte, sondern um eine komplexe Veränderung des Lipidoms“, erklärt Erstautorin Inés Domínguez-López. Gemeint ist die gesamte Zusammensetzung der Fette im Blut.

Erdnusskonsum war mit geringerem Diabetesrisiko verbunden

Anschließend untersuchte das Team, ob dieses Muster mit späteren Erkrankungen zusammenhing. Dafür nutzte es Daten der deutschen EPIC-Potsdam-Langzeitstudie, eine umfassende prospektive Kohortenstudie mit mehr als 27.000 Teilnehmenden, die mit ihren seit 1994 gewonnenen Erkenntnissen eine bedeutende Rolle für die weltweite Ernährungsforschung spielt. In die aktuelle Diabetesauswertung gingen Blutproben und Gesundheitsdaten von 1911 Personen ein, darunter 774 Menschen, die im Beobachtungszeitraum an Typ-2-Diabetes erkrankten.

Das Ergebnis: Ein stärker erdnussgeprägtes Blutfettmuster war mit einem rund elf Prozent geringeren relativen Diabetesrisiko verbunden. Dieser Wert bezog sich auf eine statistisch definierte Zunahme des Musters. Er bedeutet nicht, dass eine tägliche Portion Erdnüsse das Erkrankungsrisiko um elf Prozent senkt. Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen fanden die Forscher keinen entsprechenden statistisch gesicherten Zusammenhang.

Diabetesrisiko: Sind es die Erdnüsse oder das Körpergewicht?

Besonders interessant war der Einfluss des Körpergewichts. Berücksichtigten die Wissenschaftler den Body-Mass-Index (BMI), schwächte sich der Zusammenhang zwischen Blutfettmuster und Diabetesrisiko erheblich ab. Rein rechnerisch ließen sich rund 89 Prozent des beobachteten Effekts durch den BMI erklären. Auch Bauch- und Hüftumfang lieferten ähnliche Hinweise. Ob Erdnüsse selbst das Gewicht günstig beeinflussen, bleibt dadurch allerdings offen.

„Durch die Charakterisierung des PeLS haben wir einen potenziellen biologischen Marker entdeckt, der die Qualität von Nahrungsfetten mit Stoffwechselparametern in Verbindung bringt“, erklärt DIfE-Forscher Matthias Schulze. PeLS ist die wissenschaftliche Bezeichnung für das entdeckte Blutfettmuster. Es könnte künftig helfen, Zusammenhänge zwischen Nahrungsfetten und Stoffwechselerkrankungen genauer zu untersuchen.

Erdnüsse können andere, ungesunde Fettquellen ersetzen

Für die Ernährung liefern die Ergebnisse interessante Anhaltspunkte. Erdnüsse könnten eine günstige Fettquelle sein, insbesondere wenn sie Lebensmittel mit weniger vorteilhafter Fettzusammensetzung ersetzen. Trotz ihres hohen Energiegehalts führen sie laut früheren Untersuchungen nicht zwangsläufig zu einer Gewichtszunahme. Ihre sättigende Wirkung könnte dazu beitragen, dass Menschen an anderer Stelle weniger essen.

Allerdings hatte die sechsmonatige Untersuchung keine vollständig erdnussfreie Kontrollgruppe. Zudem handelte es sich bei der Auswertung zum Diabetesrisiko um Beobachtungsdaten. Ein ursächlicher Schutz durch Erdnüsse ist damit nicht bewiesen. Offen bleibt ebenso, ob sich die Ergebnisse auf ältere oder bereits erkrankte Menschen übertragen lassen. Die beobachteten Veränderungen der Blutfette stammen überwiegend von jungen, gesunden Erwachsenen.

Kurz zusammengefasst:

  • Erdnüsse enthalten besondere, sehr langkettige Fettsäuren, die die Zusammensetzung der Blutfette verändern und sich von vielen anderen gesättigten Fetten unterscheiden.
  • Ein bestimmtes Blutfettmuster war mit einem rund elf Prozent geringeren relativen Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden, wobei das Körpergewicht einen großen Einfluss auf diesen Effekt hatte.
  • Erdnüsse können trotz ihres hohen Fettgehalts Teil einer gesunden Ernährung sein, allerdings ist bislang nicht bewiesen, dass ihr regelmäßiger Verzehr vor Diabetes schützt. Sie können aber andere, ungesündere Fettlieferanten ersetzen.

Übrigens: Nussallergien gehören zu den bekanntesten Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Erdnüsse können auch hier schon im Säuglingsalter einen erstaunlichen Nutzen haben. Denn wer Babys früh an Erdnussprodukte gewöhnt, kann ihr Risiko für eine Erdnussallergie um bis zu 80 Prozent senken. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Unsplash

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