Essen statt cremen: Vitamin C erreicht die Haut dort, wo Pflege nie hinkommt

Vitamin C gelangt über das Blut in alle Hautschichten. Schon rund 250 mg täglich über die Ernährung erhöhen messbar Hautdichte und Zellerneuerung.

Frau vor den Spiegel

Vitamin C gelangt über das Blut bis tief in die Haut und stärkt dort Struktur und Erneuerung. Bereits zwei vitamin-C-reiche Früchte pro Tag erhöhten die Hautdichte messbar. © Freepik

Hautpflege findet im Badezimmer statt – könnte man meinen. Cremes, Seren, Ampullen sollen pflegen, schützen, glätten. Doch vieles, was die Haut wirklich stärkt, kommt aus der Küche. Vitamin C gelangt nicht über die Hautoberfläche, sondern über den Blutkreislauf in jede Hautschicht. Dort steht es den Zellen direkt zur Verfügung. Steigt der Vitamin-C-Spiegel im Körper, steigt er auch im Gewebe. Schon kleine Änderungen beim Essen führten dabei zu messbaren Effekten auf die Hautstruktur.

Darauf verweist eine kontrollierte Untersuchung von Forschenden der University of Otago, veröffentlicht im Journal of Investigative Dermatology. Die Ergebnisse verknüpfen Blutwerte mit Hautmessungen und Funktionstests und zeigen, warum Ernährung für die Haut oft mehr bewirkt als Pflegeprodukte.

Aktiver Transport von Vitamin C in die Hautzellen

Vitamin C findet sich in allen Hautbereichen. Besonders hoch liegt der Gehalt in der äußeren Schicht. Messungen zeigen: Die Epidermis enthält im Mittel etwa doppelt so viel Vitamin C wie die darunterliegende Dermis. Der Stoff gelangt aktiv aus dem Blut in die Zellen. Spezielle Transporter übernehmen diese Aufgabe. Dieser Weg arbeitet effizienter als bei vielen anderen Organen.

Die Zahlen machen den Unterschied greifbar. In der Epidermis lagen im Schnitt rund 325 Nanomol Vitamin C pro Gramm Gewebe. In der Dermis betrug der Wert etwa 194 Nanomol pro Gramm. Alter, Geschlecht oder Sonnenexposition spielten dabei kaum eine Rolle. Entscheidend blieb die Versorgung über das Blut.

Fibroblasten speichern deutlich mehr Vitamin C

In der Dermis arbeiten vor allem Fibroblasten. Diese Zellen bauen Kollagen auf. Ihr innerer Vitamin-C-Gehalt liegt deutlich höher als der von Zellen in der Epidermis. Hochgerechnet erreichen Fibroblasten Konzentrationen von rund 6 Millimol. Keratinozyten in der Oberhaut kommen nur auf etwa ein Siebtel davon. Diese Verteilung erklärt, warum Vitamin C für Festigkeit und Struktur der Haut so wichtig bleibt.

Die Verbindung zwischen Blut und Haut fiel besonders eng aus. Steigt der Vitamin-C-Spiegel im Plasma, steigt er auch im Gewebe. Studienleiterin Professorin Margreet Vissers, Pathologin und Leiterin des Centre for Redox Biology and Medicine an der University of Otago, sagt: „Wir waren überrascht von der engen Verbindung zwischen den Vitamin-C-Werten im Blut und in der Haut – sie war stärker als in jedem anderen Organ, das wir untersucht haben.“

Zwei Früchte täglich, messbare Effekte

In einer zweiten Phase änderten die Teilnehmenden ihren Speiseplan. Sie aßen acht Wochen lang täglich zwei Gold-Kiwis. Das entsprach rund 250 Milligramm Vitamin C pro Tag. Zu Beginn lagen die Blutwerte vieler Teilnehmender im unteren Bereich. Nach einigen Wochen erreichten sie den Sättigungsbereich.

Parallel stiegen die Vitamin-C-Werte in der Haut. In Hautproben nahm der Gehalt deutlich zu. In einer Gruppe wuchs der Wert von etwa 99 auf 150 Nanomol pro Gramm Gewebe. Der Anstieg zeigte sich bei allen Personen, deren Blutspiegel zuvor noch nicht gesättigt war.

Ultraschall belegt strukturelle Veränderungen der Haut

Ultraschallmessungen zeigten eine dichtere Dermis. Der Wert stieg von rund 0,15 auf 0,23 Messeinheiten. Das deutet auf mehr strukturelle Proteine hin, vor allem Kollagen. Gleichzeitig nahm die Zellneubildung in der Epidermis zu. Marker für Zellteilung lagen nach acht Wochen deutlich höher.

„Ein besonders deutlicher Befund war der Anstieg der Hautdichte, der auf mehr Kollagen und eine schnellere Erneuerung der Oberhaut hinweist“, erklärt Vissers. Andere Effekte fielen geringer aus. Die Elastizität sank leicht. Der Schutz vor UV-Strahlung änderte sich kaum.

Blutversorgung schlägt Hautpflegeprodukte

Vitamin C gilt seit Jahren als beliebter Inhaltsstoff in Kosmetik. Aufgetragenes Vitamin C muss jedoch die Hornschicht überwinden. Diese Barriere hält wasserlösliche Stoffe zurück. Über das Blut gelangt Vitamin C dagegen gezielt in die Hautzellen. Dort steht es sofort für Stoffwechselprozesse bereit.

Die Haut priorisiert diese Versorgung. Zellen nehmen Vitamin C aktiv auf, sobald es im Blut verfügbar ist. „Wir konnten erstmals zeigen, dass Vitamin C aus dem Blut alle Hautschichten erreicht und mit einer verbesserten Hautfunktion verbunden ist“, so Vissers.

Vitamin C muss regelmäßig nachgeliefert werden

Der Körper speichert Vitamin C kaum. Eine gleichmäßige Zufuhr bleibt daher wichtig. Rund 250 Milligramm pro Tag reichen aus. Frisches Obst und Gemüse liefern diese Menge problemlos. Geeignete Quellen sind unter anderem:

LebensmittelVitamin C (mg/100 g)
Acerola1.600–1.700
Hagebutte1.200–1.500
Sanddorn200–450
Schwarze Johannisbeere170–180
Kiwi (Gold)160–180
Paprika (gelb)180–200
Paprika (rot)140–160
Petersilie130–160
Grünkohl100–120
Kiwi (grün)90–100
Brokkoli (roh)85–90
Rosenkohl85–100
Erdbeeren55–65
Zitrone45–50
Orange45–50

Kurz zusammengefasst:

  • Vitamin C erreicht die Haut über das Blut und nicht über Cremes: Steigt der Vitamin-C-Spiegel im Blut, steigt er auch in allen Hautschichten – enger gekoppelt als in anderen Organen.
  • Schon kleine Mengen wirken messbar: Etwa 250 Milligramm Vitamin C täglich erhöhten in Studien die Hautdichte, förderten Kollagenbildung und beschleunigten die Zellerneuerung.
  • Regelmäßige Zufuhr ist entscheidend: Da der Körper Vitamin C kaum speichert, unterstützt eine vitaminreiche Ernährung die Hautstruktur nachhaltiger als äußere Pflege.

Übrigens: Bei Vitamin D gilt ein ähnliches Prinzip wie bei anderen Nährstoffen – erst ein ausgeprägter Mangel wird wirklich gefährlich. Große Gesundheitsdaten zeigen klar, ab welchem Blutwert das Risiko für schwere Atemwegsinfektionen steigt. Mehr dazu in unserem Artikel.

Bild: © Freepik

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