Eine Schlafgewohnheit könnte Ihr Herz schützen – darauf deutet eine Studie hin
Wer zu unregelmäßig schläft, hat laut Studie bei kurzen Nächten ein etwa doppelt so hohes Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse.
Wer mal früh und mal erst weit nach Mitternacht schlafen geht, belastet damit womöglich auch sein Herz – besonders dann, wenn die Nächte ohnehin kurz bleiben. © Pexels
Viele Menschen schlafen nicht zu wenig, sondern vor allem zu unregelmäßig. Mal geht es früh ins Bett, mal deutlich nach Mitternacht. Dieses ständige Verschieben könnte fürs Herz riskant sein. Darauf deutet eine neue Studie aus Finnland hin: Bei Menschen mittleren Alters war das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere schwere Herz-Kreislauf-Probleme deutlich höher, wenn ihre Schlafenszeiten stark schwankten.
Brisant ist dabei ein Detail, das im Alltag leicht untergeht. Nicht jede späte Nacht fiel ins Gewicht, sondern das dauernde Hin und Her bei der Bettzeit.
Unregelmäßiger Schlaf erhöht das Risiko fürs Herz deutlich
Die finnische Langzeitstudie begleitete mehr als 3200 Menschen im Alter von 46 Jahren. Ihre Schlafzeiten wurden zunächst eine Woche lang mit Messgeräten erfasst. Danach wurde ihre Gesundheit über rund zehn Jahre weiter beobachtet.
In dieser Zeit kam es bei 128 Teilnehmern zu einem schweren Herz-Kreislauf-Ereignis. Dazu zählten Herzinfarkt, Schlaganfall, ein Krankenhausaufenthalt wegen Herzschwäche oder ein kardiovaskulär bedingter Todesfall. Insgesamt betraf das rund vier Prozent der Gruppe.
Besonders auffällig war ein Detail: Nicht allein die Schlafdauer spielte eine Rolle, sondern vor allem die Regelmäßigkeit der Bettzeit.
Feste Bettzeiten stabilisieren das Herz messbar
Der Unterschied zeigt sich klar, sobald die Teilnehmer nach ihrem Schlafrhythmus eingeteilt werden. Menschen mit stark schwankenden Schlafenszeiten hatten ein deutlich höheres Risiko – allerdings unter einer wichtigen Bedingung: Der Effekt trat vor allem bei Personen auf, die weniger als knapp acht Stunden pro Nacht schliefen. In dieser Gruppe verdoppelte sich das Herzrisiko nahezu.
- Wer zu stark wechselnden Zeiten ins Bett ging, hatte bei kurzen Nächten ein rund doppelt so hohes Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse.
- Auch bei Menschen, deren Schlafmitte – also die Zeit zwischen Einschlafen und Aufwachen – von Nacht zu Nacht stark schwankte, war das Risiko etwa doppelt so hoch.
- Für die Aufstehzeit fand die Auswertung dagegen keinen klaren Zusammenhang.
Wechselnde Zeiten bringen den Körper aus dem Takt
Der menschliche Körper folgt einem festen biologischen Rhythmus. Hormone, Blutdruck und Stoffwechsel passen sich täglich an wiederkehrende Abläufe an. Wenn diese Abläufe ständig wechseln, gerät das System aus dem Gleichgewicht.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass besonders eine regelmäßige Schlafenszeit für die Herzgesundheit wichtig sein könnte“, sagt Medizinerin Laura Nauha von der University of Oulu.
Damit ist kein einzelner schlechter Abend gemeint. Entscheidend ist das Muster über viele Tage hinweg. Große Schwankungen bringen die innere Uhr durcheinander. Die Folge: Erholungsphasen verschieben sich, der Körper arbeitet gegen seinen eigenen Takt.
Alltag, Stress und Lebensstil wirken zusammen
Unregelmäßige Schlafzeiten entstehen selten zufällig. Häufig stehen sie im Zusammenhang mit Arbeit, Termindruck oder psychischer Belastung. Auch Schichtarbeit oder wechselnde Freizeitgewohnheiten spielen eine Rolle.
Diese Faktoren beeinflussen das Herz. Sie verändern Blutdruck, Stoffwechsel und Entzündungsprozesse im Körper. Dadurch lässt sich der Zusammenhang nicht auf einen einzelnen Auslöser reduzieren.
Die Auswertung berücksichtigte mehrere wichtige Gesundheitsfaktoren:
- Blutdruck
- Blutzucker (HbA1c)
- Cholesterinwerte
- Körpergewicht
- körperliche Aktivität
Trotz dieser Anpassungen blieb der Zusammenhang zwischen unregelmäßigen Schlafzeiten und erhöhtem Risiko bestehen.
Messgeräte liefern präzisere Einblicke in den Schlaf
Ein weiterer Vorteil der Untersuchung liegt in der Datenerhebung. Die Schlafzeiten wurden nicht geschätzt, sondern mit tragbaren Geräten gemessen. Dadurch lassen sich auch kleine Schwankungen zuverlässig erfassen.
Die Teilnehmer wurden anhand dieser Daten in drei Gruppen eingeteilt: regelmäßig, mittelmäßig regelmäßig und unregelmäßig. Entscheidend war, wie stark die Schlafzeiten innerhalb einer Woche schwankten.
Bei stark unregelmäßigen Mustern lagen die Unterschiede im Schnitt bei mehr als einer Stunde. Bei stabilen Routinen waren es nur rund 30 Minuten.
Kurz zusammengefasst:
- Wer regelmäßig zu unterschiedlichen Zeiten schlafen geht, lebt laut einer finnischen Langzeitstudie riskanter fürs Herz – vor allem bei Nächten unter knapp acht Stunden.
- Bei 3231 Menschen mittleren Alters zeigte sich über rund zehn Jahre: Stark schwankende Bettzeiten gingen mit etwa doppelt so hohem Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche einher.
- Entscheidend war nicht das späte Zubettgehen an einzelnen Tagen, sondern das ständige Hin und Her im Schlafrhythmus; für die Aufstehzeit fand die Studie keinen klaren Effekt.
Übrigens: Schlaf verrät womöglich nicht nur etwas über das Herz, sondern auch über das Tempo, mit dem das Gehirn altert. Eine große Studie deutet darauf hin, dass nächtliche Hirnsignale Jahre vor einer Diagnose auf ein höheres Demenzrisiko hinweisen können – mehr dazu in unserem Artikel.
Bild: © Pexels
