Tee kann das Herz schützen oder das Risiko erhöhen – entscheidend ist, wie heiß man ihn trinkt
Eine Studie mit 486.000 Menschen zeigt: Regelmäßiger Teekonsum hängt mit geringerem Gefäßrisiko zusammen, brühend heißer mit höherem.
Heiß aufgebrüht, aber besser nicht brühend heiß getrunken: Eine Studie mit fast 486.000 Menschen verbindet sehr heißen Tee mit einem um 16 Prozent höheren Risiko für Gefäßerkrankungen. © Pexels
Tee gehört zu den meistgetrunkenen Getränken der Welt. Seine Pflanzenstoffe können die Blutgefäße schützen und die Herzgesundheit unterstützen. Doch ausgerechnet die Hitze könnte diesen Vorteil zunichtemachen. Menschen, die ihren Tee brühend heiß trinken, haben laut einer großen Untersuchung ein um 16 Prozent höheres relatives Risiko für Gefäßerkrankungen.
Bei weniger heißem Tee fanden Wissenschaftler dagegen einen Zusammenhang mit einem geringeren Erkrankungsrisiko. Insgesamt lag das Risiko bei regelmäßigen Teetrinkern um rund elf Prozent niedriger. Ob Tee dem Herzen guttut, könnte somit auch von der Trinktemperatur abhängen.
Die Zahlen stammen aus einer Untersuchung mit 485.934 Erwachsenen aus China. Über durchschnittlich neun Jahre dokumentierten Wissenschaftler 14.863 neue Gefäßerkrankungen, darunter Herzinfarkte, Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen. Sie werteten aus, wie häufig die Teilnehmer Tee tranken, welche Sorten sie bevorzugten und welche Trinktemperatur sie angaben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie am 21. Oktober 2026 im Journal of Internal Medicine.
Warum brühend heißer Tee mit einem höheren Gefäßrisiko verbunden sein könnte
Warum besonders heißer Tee mit einem höheren Risiko für Gefäßerkrankungen einhergeht, ist bislang ungeklärt. Hitze kann die empfindlichen Schleimhäute im Mund, Rachen und in der Speiseröhre schädigen. Wiederholte Hitzebelastungen können dort Entzündungen und Zellschäden begünstigen. Ob solche Vorgänge auch Herz und Blutgefäße beeinflussen, ist allerdings nicht nachgewiesen.
Hinzu kommt eine Unsicherheit bei der Temperaturmessung. Die Wissenschaftler erfassten nicht, wie heiß der Tee tatsächlich war. Stattdessen gaben die Teilnehmer selbst an, ob sie ihn warm, heiß oder brühend heiß tranken. Zudem könnten weitere Lebensgewohnheiten das Erkrankungsrisiko beeinflusst haben. Die Untersuchung liefert deshalb keinen Beweis dafür, dass die Hitze selbst die Gefäßerkrankungen verursacht.
Getränke über 65 Grad können die Speiseröhre schädigen
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation stuft Getränke mit Temperaturen über 65 Grad Celsius als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen ein. Besonders betroffen ist die Speiseröhre. Wiederholte Hitzeschäden können die Schleimhaut angreifen und langfristig das Krebsrisiko erhöhen. Ein entsprechender Grenzwert für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist dagegen nicht bekannt.
Die Ärztin Leana Wen von der George Washington University empfiehlt gegenüber CNN, Tee vor dem Trinken ausreichend abkühlen zu lassen. Er sollte sich angenehm trinken lassen, ohne Mund oder Rachen zu verbrennen. Dabei zählt die tatsächliche Trinktemperatur, nicht die Temperatur beim Aufbrühen.
Pflanzenstoffe im Tee können die Blutgefäße schützen
Tee enthält natürliche Pflanzenstoffe wie Polyphenole und Flavonoide. Einige besitzen antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Sie können Zellen vor aggressiven Sauerstoffverbindungen schützen und die Funktion der Blutgefäße unterstützen. Unter anderem können sie dazu beitragen, dass sich die Arterien besser entspannen und erweitern.
Auch beim Blutdruck und bei bestimmten Cholesterinwerten gibt es Hinweise auf günstige Veränderungen durch Teekonsum. Zudem kann ungesüßter Tee die Zuckeraufnahme senken, wenn er Softdrinks oder andere gesüßte Getränke ersetzt. Bei der Auswertung der chinesischen Teilnehmer berücksichtigten die Wissenschaftler unter anderem Alter, Rauchen, Bewegung, Körpergewicht und bestehende Erkrankungen. Andere Einflüsse auf die Herzgesundheit lassen sich dennoch nicht vollständig ausschließen.
Schwarzer Tee zeigt häufiger günstige Zusammenhänge als grüner
Schwarzer Tee war bei mehr untersuchten Gefäßerkrankungen mit einem geringeren Risiko verbunden als grüner Tee. Beide Sorten stammen von derselben Pflanze, Camellia sinensis. Während grüner Tee kaum oxidiert, durchläuft schwarzer Tee bei der Verarbeitung eine stärkere Oxidation. Dadurch verändert sich die Zusammensetzung seiner Pflanzenstoffe.
Ein grundsätzlicher gesundheitlicher Vorteil von Schwarztee ist damit nicht bewiesen. Auch für Grüntee fanden die Wissenschaftler günstige Zusammenhänge. Beide Sorten können zu einer herzgesunden Ernährung gehören, vorzugsweise ohne zugesetzten Zucker. Mittelstark aufgebrühter Tee war in der Untersuchung ebenfalls mit einem geringeren Gefäßrisiko verbunden.
Bei sechs bis acht Tassen täglich liegt das rechnerische Risikominimum
Unter den Teilnehmern mit mindestens wöchentlichem Teekonsum lag das rechnerisch niedrigste Gefäßrisiko bei etwa sechs bis acht Tassen täglich. Bei noch höheren Mengen stieg es wieder an. Die Wissenschaftler leiteten daraus jedoch keine empfohlene Trinkmenge ab. Die Angaben beruhten auf Selbstauskünften, außerdem verwendeten die Teilnehmer keine einheitliche Tassengröße.
Besonders niedrige Erkrankungsrisiken beobachteten die Wissenschaftler bei Menschen, die drei gesundheitsförderliche Gewohnheiten miteinander verbanden:
- Sie tranken regelmäßig Tee.
- Sie rauchten nicht.
- Sie bewegten sich viel.
Diese Kombination war mit einem um rund 45 Prozent geringeren relativen Risiko für Gefäßerkrankungen verbunden als in der entsprechenden Vergleichsgruppe. Welchen Anteil der Teekonsum daran hatte, lässt sich nicht eindeutig bestimmen.
Zu viel Tee kann wegen des Koffeins Probleme verursachen
Schwarzer Tee enthält pro 240 Milliliter gewöhnlich etwa 30 bis 50 Milligramm Koffein, grüner Tee meist weniger. Bei größeren Trinkmengen kann sich die aufgenommene Koffeinmenge erheblich summieren. Mögliche Folgen sind Schlafprobleme, Nervosität und Herzklopfen. Auch Kaffee, Energydrinks und andere koffeinhaltige Getränke tragen zur täglichen Aufnahme bei.
Bei der Zubereitung kommt es deshalb auf mehrere Faktoren an: die Trinktemperatur, den zugesetzten Zucker und die gesamte Koffeinmenge. Tee kann heiß aufgebrüht werden, sollte aber vor dem Trinken ausreichend abkühlen. So lassen sich unmittelbare Hitzeschäden an Mund und Speiseröhre vermeiden.
Kurz zusammengefasst:
- Regelmäßiger Teekonsum war in einer Studie mit fast 486.000 Menschen mit einem um elf Prozent geringeren relativen Risiko für Gefäßerkrankungen verbunden.
- Brühend heißer Tee ging dagegen mit einem um 16 Prozent höheren relativen Risiko einher; ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht bewiesen.
- Tee sollte vor dem Trinken abkühlen: Getränke über 65 Grad Celsius können die Speiseröhre schädigen; ungesüßter grüner und schwarzer Tee können Teil einer herzgesunden Ernährung sein.
Übrigens: Tee könnte neben dem Herzen auch die Knochen schützen: In einer zehnjährigen Studie mit fast 10.000 älteren Frauen hatten regelmäßige Teetrinkerinnen eine etwas höhere Knochendichte an der Hüfte. Mehr dazu in unserem Artikel.
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